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Ich will etwas lesen aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna, dem Lehrer und Inkarnation Gottes und Arjuna, dem Schüler. Wir sind im 9. Kapitel und ab den Versen 15 und 16 spricht Krishna über verschiedene Formen, wie man Gott verehren kann. Er spricht dort von Ich, im Sinne von Gott. Auf der einen Ebene, Krishna als Inkarnation Gottes, ist Gott auf Erden. Auf der anderen Ebene ist Ich das Selbst aller Wesen und wir können auch sagen, wir können das höchste Selbst erfahren, indem wir es überall sehen.
Er schreibt, oder er sagt: „Die großen Seelen lobpreisen mich allezeit, streben, sind fest in ihren Vorsätzen, verneigen sich vor mir und verehren stets mit unerschütterlicher Hingabe. Andere bringen auch das Weisheitsopfer dar und verehren mich, der ich alle Gesichter habe, als das Eine oder das Andere oder das Vielfältige.“
Also, er sagt, wir können Gott auf verschiedene Weisen verehren. Und jede Verehrung Gottes ist auch ein Weisheitsopfer – Jnana-Yajna. Das ist auch so ein Ausdruck, den Swami Sivananda aus diesem Kapitel genommen hat und so gesagt hat, in unserer heutigen Zeit ist das Jnana-Yajna besonders wichtig. Das heißt, wir bringen den Menschen Wissen. In früheren Zeiten, z.B. wie zu Krishnas Zeit, da waren Feuer-Yajnas sehr beliebt und dort haben viele Menschen, insbesondere auch Arjuna, täglich Feuerzeremonien ausgeführt und diese Tradition setzen wir ja auch hier im Haus fort. Wir haben jeden Morgen um 5:00 Uhr Homa, dann haben wir demnächst eine 108 Stunden Yajna. Also, 6 Tage wird ununterbrochen in ein Feuer geopfert. Aber eine andere Form von Yajna ist eine Gabe des Wissens. Und zweifach. Zum einen, wir selbst wollen wissen und wir können sagen, unser eigenes Bemühen, zum wahren Wissen zu kommen, ist wie ein Opfer, das wir Gott darbringen. Wir sagen: „Ich verehre Gott indem ich mehr herausfinden will: „Wer bin ich?“, „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“, „Was ist wirklich?“, „Was ist unwirklich?“, „Was ist wahre Freude?“, „Wer ist überhaupt Gott?“ Und dieses Bemühen, das bringe ich Gott dar.“
Oder auch, viele sind Yogalehrer oder werdende Yogalehrer oder künftig werdende Yogalehrer. Krishna sagt an einer späteren Stelle im 18. Kapitel, dass eine der besten Weisen, wie wir Gott dienen können ist, das Yoga weiterzugeben. Auch Weisheit, Wissen weiterzugeben. Das ist eine Weise, wie wir Gott verehren können. Und indem wir dieses Wissen weitergeben, indem wir, sei es Wissen weitergeben, indem wir Yoga weitergeben oder indem wir über Vorträge oder Meditationsanleitung es weitergeben – auf diese Weise können wir besonders gut spüren, wie die göttliche Kraft durch uns hindurch wirkt. Das nenne ich so die Magie des Yogaunterrichtens. Idealerweise ist jede Handlung, egal ob es jetzt Stricken ist, wir hatten gerade heute Nachmittag so einen Vorschlag, meditatives Stricken als Workshop mal anzubieten. Aber egal ob das jetzt Stricken ist oder Buchführung oder Computer oder Kindergarten, Unkrautjäten – durch all das können wir versuchen, Gott zu spüren und das als Dienst Gottes zu tun. Am leichtesten ist die Karma-Yoga-Einstellung, ein Instrument zu sein, sicherlich beim Unterrichten von Yoga und Spiritualität, weil man wirklich dieses geführt werden besonders gut spürt.
Dann sagt er, wir können Gott verehren, der alle Gesichter hat. Also Gott hat alle Gesichter. Egal wie wir uns Gott vorstellen können, so ist Gott. Manche stellten sich Gott vor – gut, heute ist das ein bisschen aus der Mode gekommen – mit einem langen Bart irgendwo in den Wolken. Die anderen stellen sich vor, Gott mit einem langen Bart aber ein bisschen jünger. Halt so, wie man sich heute vorstellt, dass Jesus ausgesehen hat, so ist ja letztlich dieses Bild dort. Andere stellen sich Gott vor wie Durga, auf einem Tiger reitend. Viele stellen sich Gott vor wie ein Licht. Ein kosmisches Licht, das von oben auf uns herunterstrahlt. Andere als die Urmutter der Mutter Erde. Krishna sagt, Gott hat alle Gesichter. Alles, wie wir uns Gott vorstellen ist letztlich auch eine Vorstellung. Da aber alles Gott ist, ist auch jede Vorstellung Gott. Also können wir uns Gott so vorstellen, wie wir wollen. Und so sagt er, manche verehren Gott, der alle Gesichter hat, als das Eine. Wir können sagen, Gott ist das Eine. Auf Sanskrit nennt sich das auch „Advaita – ohne ein zweites“. Die Vedanta-Richtung sieht Gott so. Gott ist alles. Es gibt nichts, was Gott nicht wäre. Oder auch – das Andere. Also Gott ist der Andere, das Gegenüber, zu dem wir uns wenden können. „Ich bin klein und Du bist groß.“, „Ich bin ein armer Sünder und Du bist der Allmächtige.“, „Ich bin der Schüler, Du bist der Lehrer.“, „Ich bin der Diener, Du bist der Meister.“ Also, wir haben dort eine Dualität. Krishna sagt, ist auch o.k.
Oder als das Vielfältige. Manche haben für Gott verschiedene Namen. Da gibt’s zum einen zwar durchaus den Unendlichen, Unbegreifbaren. Dann hat man vielleicht noch Krishna für bestimmte Zwecke. Dann hat man noch die göttliche Urmutter, an die man sich auch wenden kann. Und dann vielleicht, wenn man entsagen will, wendet man sich an Shiva. Und wenn man es gerne ein bisschen freundlicher haben will, wendet man sich an Krishna oder Rama oder an Meister Sivananda. Also manche Menschen haben so für verschiedene Notwendigkeiten verschiedene Aspekte Gottes. Auch so können wir Gott verehren. Bei den Katholiken sind es dann die verschiedenen Heiligen. Der heilige Antonius ist dann zum Wiederfinden von Sachen da. Und der Erzengel Michael - schützt einen von rechts oder von links? Rechts? Und von vorne – ich weiß nicht. Am letzten Samstag hatten wir einen Kinderyogakongress und da gab es so einen Tanz der Elemente und da wurde irgendwie gesungen: „Rechts von mir ist Michael und links ist Raphael." Gabriel? Also, es steht im Kirtan-Heft. Wenn ihr nachlesen wollt, da ist auch der Text da drin. Also können wir, wenn wir nach rechts gucken, Gott auf die eine Weise oder auf die andere verehren. Oder, wenn wir Gott nicht zu sehr profanisieren wollen, dann ist Gott der Eine und alles andere nennen wir dann einfach Engel oder Heilige.
Also, verschiedene Weisen, wie wir Gott verehren können und es spielt keine allzu große Rolle hier. Es gab schon zu viele Religionskämpfe. Allein im Christentum gab es diese Kämpfe über die Dreifaltigkeit. Ist Jesus Gott gleich oder ist er Gott ähnlich? Darüber wurden Kriege geführt. Also Krishna schlägt dort einfach vor und sagt: „Letztlich, egal wie man Gott ansieht, Gott ist alles.“ Jenseits unseres Begreifens, aber auch in all unserem Begreifen. Somit ist er jenseits aller Bilder, die wir uns von Gott machen, aber er ist auch in allen Bildern.

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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