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ॐ Ob es Gott gibt oder nicht, ist nicht die existentielle Frage

 

ॐ Ob es Gott gibt oder nicht, ist nicht die existentielle Frage

Einerseits macht es keinen Unterschied, ob es Gott gibt oder nicht. Andrerseits besteht da eine tiefe Kluft zwischen dem Glauben an Gott und einer atheistischen, materialistischen Haltung. Einem wirklich spirituellen Menschen ist es egal, ob nun ein Gott dieses Universum geschaffen hat und lenkt oder ob die Existenz sich selbst in dieser staunenswerten Weise organisiert. Der Mystiker sucht nicht nach Erklärungen. Er sieht einfach das Wunder und fühlt sich voller Dankbarkeit als ein Teil davon. Er befindet sich in seinem Herzen und er weiß es und spürt es, dass sein Herz und das Universum eins sind. – Wenn der Zweifler aber, der alles von seinem Verstand her betrachtet und von der Logik her begreifen will, keinen noch so kleinen Funken Glauben an Gott in sich trägt, wird seine Welt sehr kalt sein, wird sie sich ihm einsam und lebensfeindlich zeigen. Denn wer gänzlich einer materialistischen Denkweise verfällt, durchtrennt die eigene geistige Nabelschnur und fällt hinab in eine lichtlose Wüste voller Schrecken und Ängste und voll roher Gewalt. Ist er jedoch noch ansprechbar für einen Glauben, der von Liebe genährt ist, der einen liebenden, mitfühlenden Gott, einen weisen Schöpfer und Lenker hinter allem Existierenden wähnt, kann sich sein Geist mehr und mehr entspannen und erste Funken, erste Lichtblicke unbenennbarer Natur können ihn erreichen.
Er bedarf aber noch einer Sprache, die ihm diese Erlebnisse in seine Struktur des Verstehens übersetzt. Diese Sprache wird allgemein Religion genannt. Ein Zweifelnder braucht Religion, braucht ein wiederholtes erwähnen des Namens Gottes. Er braucht häufige Bestärkung von außen für das, was er nebulös ahnt, aber nicht greifen und begreifen kann. Er braucht Trost, er braucht Hoffnung, er braucht das Gebet. Er braucht auch die Brüder und Schwestern im Glauben, die ihn in dunklen Zeiten begleiten und Mut zusprechen.

Ein Mystiker ist ein Außenseiter. Er gehört keiner Gemeinschaft an, er meidet sie eher. Er scheint ein Fremder zu sein. In Wahrheit aber ist er ihr größter Freund. Er liebt sie und fühlt mit ihrem Leiden mit. Nicht er ist getrennt von den Menschen, sie sind getrennt von ihm. Das zu verstehen, kann ein ganzes Weltbild einreißen – aber den Himmel weit öffnen und das ursprüngliche Paradies wieder errichten!

Es gibt diese Sufi-Geschichte von einer Prostituierten, die jedem ihrer Besucher das Versprechen abnahm, niemandem ihr Geheimnis zu verraten. Sie war die schönste Frau im ganzen Land und viele Männer zog es zur ihr hin. So kam einst auch ein junger Mann in ihre Stadt und zog Erkundigungen über sie ein. Er brachte aber nur in Erfahrung, was alle zu hören bekamen, dass sie alle stolz waren, diese wunderhübsche Frau, diesen seltenen Juwel in ihren Mauern zu wissen. Voller Begierde, sie zu sehen, eilte er zu ihrem Palast und wurde auch gleich von einer Dienerin eingelassen. Dann führte sie ihn zu ihrem Gemach hinauf. Sie öffnete die Tür und was er sah, war wahrhaftig das allerschönste Wesen, das ihm je begegnet war. Sie saß unbekleidet in einem Sessel – er wagte es kaum, sich ihr zu nähern. Doch sie winkte ihn freundlich heran und deutete ihm an, sich ihr gegenüber niederzulassen. In dieser Nacht saß er nur da und schaute sie ganz unschuldig und staunend an. Er konnte sich nicht rühren, aber er konnte auch kein Auge von ihr lassen. So kam er allmählich in eine tiefe Ruhe, eine nie gekannte Stille breitete sich in ihm aus. – Dann öffnete er, der bisher von Ehrfurcht ergriffen geschwiegen hatte, zum ersten Mal seinen Mund, er musste sie fragen: „Was ist es, was du hier mit mir machst? Von dir geht ein Zauber aus, den ich nicht verstehe. Mir geht es so unglaublich gut, wie ich es noch nie erlebte. Meine Tränen fließen vor Wonne und mir unbekannten Gefühlen, und es zwingt mich innerlich fast, mich vor dir niederzuknien, um dich anzubeten“ – „Mein ganzes Hiersein ist, die Menschen, die zu mir kommen, zu Gott zu führen. Ich tue es mit meiner Schönheit, die mir Gott als Gabe schenkte. Was du gerade erfährst, ist ein erster Hauch des Göttlichen, ein Duft von Meditation, von Erleuchtung. Jetzt wird es dich nie mehr loslassen, jetzt hast du den Geschmack davon erhalten und wirst weitergehen. Deine Seele ist geweckt. Sie wird dich nicht mehr in Ruhe lassen, bis du den Weg zum Ende gegangen bist. Du hast hier Gottes Segen erhalten. Und wie von allen, die vor dir hier waren, nehme ich auch dir das Versprechen ab, Stillschweigen darüber zu wahren, was du hier gesehen und erlebt hast. Für die da draußen bin ich eine Prostituierte. Als

Prostituierte locke ich sie zu mir mit all ihren Begierden – doch hier werden sie zu Gott gebracht und ihre wahre und tiefste Sehnsucht ist erfüllt.“

Viele brauchen noch eine materielle Manifestation des Göttlichen, bis es ihnen eines Tages genügt, einfach mit offenen Augen zu sehen, was überall präsent ist.

 

(aus: Bhajan Noam "Das Prana-Yoga Buch")

 

Copyright: Bhajan Noam 2013

 

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Tags: Bhajan_Noam, Gott, Prana-Yoga

Kommentar von Ruth Elisabeth Kremer am 20. Januar 2013 um 11:19pm

Danke Bhajan, so trage ich viele Elemente einer Mystikerin in mir. Alles Liebe Ananda Elisabeth

Kommentar von Shanta Brigitte am 25. Januar 2013 um 6:40pm

Eine schöne Art Spiritualität zu erklären. Das Lesen dieser Geschichte hat mich in diese Stille gebracht.
Om Shanti Shanta.

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