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Ich lese etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda aus dem Kapitel „Freiheit“.

Swami Sivananda schreibt:
„Freiheit ist das Geburtsrecht des Menschen. Freiheit ist sat chit ananda – Sein, Wissen und Glückseligkeit. Freiheit ist Unsterblichkeit. Freiheit ist Wissen, Frieden und Wonne. Bewusst oder unbewusst, wissentlich oder unwissentlich strebt jeder nach dieser Freiheit. Nationen kämpfen, um Freiheit zu erlangen, ein Räuber raubt, um Freiheit vom Mangel zu erreichen, auch wenn seine Handlungsweise schändlich oder ein Umweg sein mag. Jede Bewegung unserer Füße strebt nach Freiheit, nach sat chit ananda.
Jeder möchte unabhängig sein. Jeder wünscht im Innersten seines Herzens, unabhängig zu sein von anderen. Der wahre Grund ist, dass in Dir die unsterbliche strahlende Seele, der Atman, ist, der nicht seinesgleichen und keinen Gegner hat, der der innere Träger und Herrscher des gesamten Universums ist. In Wahrheit bist Du dieser Atman, dieses höchste Selbst. Das ist der Grund, warum Du ein solches Gefühl, einen solchen Wunsch nach Freiheit hast.“

Das zu verstehen, ist ein sehr wichtiger Aspekt des spirituellen Weges. Wenn wir überlegen: Soll ich den spirituellen Weg gehen, soll ich ihn nicht gehen, soll ich ihn mit größerem Enthusiasmus gehen, oder nicht – ist es gut, sich bewusst zu werden, dass sich eigentlich, bewusst oder unbewusst, jeder auf einem solchen Weg befindet. Und dass alle Bestrebungen, die wir oder auch ein Mensch, der mit Spiritualität gar nichts anfangen kann, haben, bewusst oder unbewusst in diese Richtung gehen. Die Behauptung ist, dass wir in Wahrheit die unsterbliche Seele sind, dass wir in Wahrheit jetzt schon frei sind, dass wir in Wahrheit eins mit dem Unendlichen sind. Und bewusst oder unbewusst ahnen wir das. Und bewusst oder unbewusst streben wir danach. Und deshalb stört uns alles, was dem widerspricht. Uns stört, dass uns der physische Körper ab und zu beschränkt. Uns stört, dass Freiheit beschränkt ist durch anderen Menschen oder durch Regeln oder durch Ohnmacht oder durch irgendetwas. Uns stört, wenn wir nicht unendliche Wonne haben – egal was wir erfahren, es wird uns nie dauerhaft zufriedenstellen. Egal wie viel Kraft und Geld und Inspiration wir haben, es reicht alles nicht aus. Der Mensch strebt nach dem Unendlichen, nach dem Vollkommenen. Und wir können jetzt entweder immer weiter in diesem Relativen streben und immer wieder enttäuscht sein – wobei es ja nicht immer nur Enttäuschung sein muss – aber eben immer wieder einfach weitergehen in diesem Hamsterrad. – Man kann ja auch das Hamsterrad genießen, das ist ja auch eine Möglichkeit. Aber im Grunde dreht man sich im Kreis, man erkundet die materielle Welt weiter, ist nie zufrieden und versucht immer weiter, die äußere Welt zu ändern.
Oder wir können schauen: Wie kann ich dieses höchste Streben tatsächlich befriedigen? Wie kann ich die Sehnsucht meines Herzens tatsächlich zum Dreh- und Angelpunkt meines Lebens machen?
Und dieses „Wie kann ich das machen?“ heißt letztlich, wie strebe ich danach zur Freiheit zu kommen jenseits vom Körper, jenseits vom Denken, jenseits von Emotionen.
Natürlich müssen wir auch weiterhin mit der relativen Welt umgehen, natürlich müssen wir mit unserem Körper umgehen, der wird weiter seine Begrenzungen haben, der wird auch weiter Krankheit, Alter und Tod unterworfen sein. Das ist manchmal so ein Missverständnis, dass man denkt, ein Zeichen des spirituellen Fortschritts ist, dass der Körper niemals mehr krank wird. Und ein Zeichen, dass wir alles falsch machen, ist, wenn der Körper irgendeine Krankheit hat. Der Körper ist diesen Sachen unterworfen, wir haben nur einen gewissen Einfluss darauf. Auch Tiere sind Krankheit, Alter und Tod unterworfen – und was machen die falsch? Wir können zwar einiges tun für die Gesundheit, aber der Körper bleibt ein Instrument. Angenommen man hat ein Fahrrad, irgendwann geht der Schlauch kaputt, irgendwann geht die Gangschaltung kaputt, irgendwann gehen andere Sachen kaputt. Das heißt jetzt nicht, dass wir alles falsch gemacht haben in unserem Leben, noch heißt es, dass das Ziel unseres Lebens ist, ein möglichst reparaturfreies Fahrrad zu haben. So ist der Körper ein Fahrrad, mit dem wir durch die Welt hindurch gehen. Aber wir sind nicht der Körper. Wir sind ewig, unendlich und frei. Und wir sind es jetzt schon, in diesem Moment. Aus karmischen Gründen und aus Verhaftungsgründen können wir das nicht vollständig jetzt verwirklichen. Wir können uns aber wieder daran erinnern, und wir können es immer wieder erfahren, wir können es in der Meditation immer wieder von Neuem spüren. Ja, ich bin das unsterbliche Selbst. Ich bin das Ewige. Ich bin frei. Mag sein, dass wir uns am Tag dann wieder wunderbar verhaften und wieder alle möglichen Höhen und Tiefen durchleben. Aber die Erinnerung kann dann immer noch bleiben. „Heute Morgen in der Meditation hatte ich einen Moment, wo ich erfahren habe, aham brahmasmi, ich bin brahmam.“ Vielleicht drücken wir es nicht so aus. „Ein Moment, wo ich gemerkt habe, ich bin Bewusstsein, unabhängig vom Körper, jenseits von Emotionen, jenseits von Gedanken.“ Und es kann uns mit großem Gleichmut die täglichen Lebenserfahrungen machen lassen.
Hari om tat sat.

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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