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„Direkte Erfahrung des Höchsten – Bhagavad Gita 11. Kapitel“

Ich wollte etwas lesen aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna, dem Lehrer, Inkarnation, Manifestation Gottes und Arjuna, dem Schüler. Wir sind im 11. Kapitel und Arjuna sagt dort: „Durch Dein Wort, Deine Erklärung vom höchsten Geheimnis des Selbst, das Du zu meinem Segen gesprochen hast, ist meine Täuschung verschwunden. Über Ursprung und Zerstörung der Wesen habe ich wahrlich genau von Dir gehört. Und auch über Deine unerschöpfliche Größe.“
Das 11. Kapitel, Bhagavad Gita hat insgesamt 18. Kapitel. Krishna hat dem Arjuna zehn Kapitel lang erklärt: „Was ist das Selbst.“, „Was ist wirklich.“, „Was ist unwirklich.“ Er hat ihm verschiedene Antworten gegeben, was Gott ist, was Yoga ist, wie man Gott erfährt. Er hat ihm den Weg des Karma Yoga, des selbstlosen Dienens beschrieben. Er hat ihm den Weg des Raja Yoga beschrieben, den Yoga der Geisteskontrolle. Er hat ihm Tipps gegeben zum Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabeund Herzensöffnung. Arjuna hatte die vorigen Kapitel immer wieder Fragen gestellt, er hatte einiges nicht verstanden. Nun sagt er: „Jetzt habe ich es kapiert, ich habe es verstanden.“ Und jetzt kommt der nächste logische Schritt.
„Nun, O erhabener Herr, da Du Dich so beschrieben hast, O höchstes Wesen, ist es mein Wunsch, Deine göttliche Form zu sehen. Wenn Du, O Herr, der Ansicht bist, dass es für mich möglich ist, es zu sehen, zeige mir, O Herr der Yogis, Dein unvergängliches Selbst.“
Inzwischen hat Arjuna auch verstanden, dass Krishna nicht einfach nur ein normaler Mensch ist, sondern dass er die Manifestation Gottes ist. Man kann das auf verschiedene Weisen interpretieren. Zum einen können wir sagen, Gott der allmächtig, allgegenwärtig, allwissend ist, manifestiert sich immer wieder in besonderen Formen. So wie in der Form von Buddha oder in der Form von Jesus oder davor in der Form von Krishna, davor in der Form von Rama. Und immer wieder in allen möglichen Kulturen. Dem christlichen Geist ist diese Vorstellung vielleicht etwas fremd, wo man eher denkt, Jesus war einmalig und es gäbe auch nichts, was nur ähnlich ist. Aber wenn wir es von einem höheren Standpunkt aus sehen: Warum sollte Gott sich auf eine einzige Erscheinung beschränken? Warum sollten die Millionen Jahre vorher ohne eine göttliche Manifestation gewesen sein? Warum sollten die vielen Kulturen in der Vergangenheit nichts von Gott gehört haben? Warum sollten sie nicht in der Lage gewesen sein, Gott auf eine andere Weise wahrzunehmen?
Im indischen Kulturkreis ist die Vorstellung der Einmaligkeit eher ungewöhnlich. Da würde man eher sagen, was in einem Zeitalter ist gut ist, muss es auch in einem anderen Zeitalter gegeben haben. Was es in einer Kultur gibt, muss es auch in einer anderen Kultur gegeben haben. Kein Zeitalter ist dem anderen überlegen, keine Kultur ist der anderen überlegen. Und so kann man sagen, Krishna manifestiert dieses Göttliche.
Wir können es aber auch noch anders interpretieren. Wir können sagen, Krishna sagt ja, das Selbst ist in allen Wesen gleich. Also nicht nur in den besonderen Manifestationen Gottes, sondern überall ist das höchste Selbst. Das Bewusstsein ist überall. So wie ja auch Jesus zu seinen Jüngern gesagt hat: „Ich der Vater sind eins.“ Und danach sagt er: „Seid vollkommen, wie euer Vater vollkommen ist im Himmel.“ Er hat auch gesagt: „Ist der Jünger vollkommen, wird er wie sein Meister.“
So hat er sie aufgefordert: „Setzt mich nicht zu sehr auf ein hohes Podest. Dann setzt ihr mich ganz hoch und ihr habt eine gute Entschuldigung, wenig zu machen. Sondern seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ An mehreren Stellen hat er die Jünger dazu aufgefordert. In diesem Sinne weiß Krishna um sein höheres Selbst, Arjuna weiß es noch nicht. Dann sagt Arjuna: „Ich habe genug gehört. Bitte, wenn es möglich ist, will ich es auch erfahren.“ Diesen Enthusiasmus sollten wir auch haben. Manchmal hat man ganz am Anfang einen großen Enthusiasmus. Nach einer Weile stellt man fest, ganz so schnell geht es nicht. Irgendwann begnügt man sich damit, ein einigermaßen zufriedenes Leben zu führen und einigermaßen gesund und zu lernen, im Frieden zu leben – ein bisschen wenigstens – mit sich selbst und mit anderen. Das ist auch schon gut. Aber wir sollten auch öfters sagen: „Oh Gott, bitte, wenn es möglich ist, lass mich Dich erfahren.“ Oder zum Meister oder zu seinem höheren Selbst: „Lass mich Dich nur einmal wirklich erfahren. Es ist schön, ein angenehmes Leben zu führen, es ist schön, ein bisschen was über mich und andere zu wissen, das alles mag gut sein. Aber bitte, wenn es möglich ist, lass mich das höhere Selbst erfahren. Lass mich die höhere Natur erfahren. “Das muss wirklich von Herzen kommen und wir müssen es immer wieder beten.
Swami Sivananda hat so humorvoll gesagt: „Gott ist eine Frage von Angebot und Nachfrage.“ Wir müssen ihn nachfragen, dann gibt es auch das Angebot. Wir bestimmen. Gott hat ein unendliches Angebot gegeben. Nur, wir müssen es auch nachfragen. In dem Moment wo wir es nachfragen, können wir es auch haben. Und zwar ist es fast inflationär, aber auch nur fast. Wir können es nur haben, wenn wir es wirklich nachfragen. Aber diese intensive Nachfrage muss auch da sein.
Arjuna ist dann etwas demütiger. Er sagt: „Wenn Du der Ansicht bist, dass es für mich möglich ist. Ich würde es gerne erreichen.“ Intensives Verlangen in Verbindung mit Demut. Und Arjuna erfährt Krishna in seiner höheren Gestalt, als das Selbst aller Wesen.
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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