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Ich will etwas lesen aus dem Yoga Sutra von Patanjali, einem der grundlegenden Werke über Yoga, geschrieben vor über 2000 Jahren von einem Meister namens Patanjali.
Und im 46. Vers des 3. Kapitels sagt Patanjali: „Daraus entspringen Fähigkeiten, wie sich winzig klein zu machen, sowie Vollkommenheit und Unverwundbarkeit.“
Diesen Vers kann man natürlich nur verstehen aus dem, was Patanjali vorher gesagt hat. Und er spricht vorher über verschiedene Konzentrationstechniken, Stufen der Meditation und hier am Ende des 3. Kapitels beschreibt er letztlich einige der Fähigkeiten, die wir entwickeln, wenn wir regelmäßig Yoga praktizieren.
Und, man kann sich sehr klein machen und sehr groß machen. Und so als Yogi, oder auch werdender Yogi, sollten wir in der Lage sein, uns ganz klein zu machen oder auch ganz groß zu machen. „Ganz klein“ heißt, sehr demütig zu sein. Uns nicht für irgendetwas zu fein zu sein. Und „ganz groß“ heißt auch, dass wir uns auch nicht zu sehr verhaften an unser Gefühl der Unbedeutendheit und „Ich kann nicht“ usw.
Viele der Anwesenden sind Yogalehrer. Manche sagen, wenn da nicht mindestens 8 Teilnehmer sind, gebe ich keine Yogastunde. Und mehr als 12 Teilnehmer nehme ich in meinem Kurs erst recht nicht auf.
Von Swami Vishnu habe ich gelernt, wie er, auch als er schon ein weltbekannter Yogameister war, einen Vortrag vor zwei Personen gegeben hat, und zwar eineinhalb oder zwei Stunden voller Enthusiasmus. Aber wenn er z.B. in Indien war und mehrere Tausend Menschen kamen, hat er auch für mehrere Tausend Menschen einen Vortrag gegeben.
Ich habe ihn erlebt, wie er Yogastunden für 3 Menschen gegeben hat und irgendwann mal gab es ein Seminar und da war eigentlich der Raum viel zu klein für die Menschen, die da waren. Er sagte nur: „Lie them bumper to bumper!“ So ein amerikanischer Ausdruck: „Leg sie Stoßstange an Stoßstange!“ Dann sollen sie halt ein bisschen enger liegen. Also, wenn viele Menschen interessiert sind, dann unterrichten wir halt für viele Menschen und wenn nur wenige da sind, dann für wenige. Und er war sich weder zu fein, kleine Gruppen zu unterrichten noch zu fein– wie auch immer – große Gruppen zu unterrichten.
Was man auch bei ihm sehen konnte. Ich werde es nie vergessen. Irgendwann mal war etwas mit der Pumpe nicht in Ordnung. Der Ashram in Kanada war nicht an das öffentliche Wassernetz angeschlossen, sondern hatte einen eigenen Brunnen. Derjenige, der normalerweise dafür verantwortlich war, war nicht da.
Swami Vishnu kam gerade vom Vortrag und ihm wurde gesagt, im ganzen Ashram gibt es kein Wasser. Gut, dann ist er in seiner Kleidung von der Meditation direkt in das Pumphäuschen hinein gestiegen und nach einer Viertelstunde kam er heraus, dreckbeschmiert von oben bis unten, aber das Wasser lief wieder. Er hatte zwar seit dem Einrichten der Pumpe vor ein paar Jahren nichts mehr damit zu tun gehabt, aber er hat sich damit noch ausgekannt. Er war der einzige im Ashram der momentan wusste, wie man die Pumpe bediente. Also ging er einfach so runter.
So ist die Meisterschaft eines Yogis nicht beschränkt, „Ich kann dies nicht“, „Das ist nicht mein Ding“, „Das ist nicht…“, sondern bereit sein für alles. Fürs Kleinste, wie auch für das Größte. Was auch immer als Aufgabe uns gegeben wird, im Rahmen natürlich unserer Möglichkeiten, tun wir das, was nötig ist.
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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