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Swami Sivananda schreibt in seinem Buch „Göttliche Erkenntnis“:

„Samadhi Jnani und Vyavahara Jnani
Die Lebensweise von Jivanmuktas oder Weisen ist nicht gleich. Der eine Weise lebt fürstlich. Bhagiratha lebte so. Ein anderer lebt wie ein Bettler. Der eine Weise ist immer in Meditationsstimmung. Er arbeitet nie. Er spricht nie. Er lebt immer zurückgezogen. Jada Bharata lebte so. Ein anderer Weiser lebt in einer hektischen überbevölkerten Stadt. Er stürzt sich in den Dienst. Er spricht mit den Menschen. Er hält Vorträge, gibt spirituelle Unterweisungen, schreibt Bücher. Shri Shankara lebte so. Jeder Weise hat sein spezielles Prarabdha.“

Menschen sind unterschiedlich. Und auch die Weisen sind unterschiedlich. In der Bhagavad Gita fragt Arjuna Krishna: Wie erkenne ich einen Weisen? Wie sieht er aus? Wie sitzt er? Wie geht er? Wie spricht er? Arjuna will äußere Kennzeichen haben. Vielleicht schreitet er majestätisch, vielleicht spricht er würdevoll und ruhig, vielleicht steht er aufrecht und jede seiner Bewegungen zeugt von großer Bewusstheit. Krishna geht darauf in keinster Weise ein. Arjuna fragt immer wieder. Krishna verliert dazu kein Wort. Er sagt nur: Er ist voller Liebe, voller Mitgefühl, voller Mut, gleichmütig, ob er gelobt oder getadelt wird. Das bleibt gleich.

So sind Meister unterschiedlich. Manche sind dick, manche sind dünn. Swami Vishnu z.B. war dick, Swami Chidananda war extrem dünn. Swami Chidananda hat vor zwei Monaten mit über 90 Jahren Mahasamadhi erreicht. Bis kurz vorher war er der Leiter der Divine Life Society. Manche sterben jung unter den großen Meistern, wie z.B. Swami Vivekananda, und andere werden recht alt, wie z.B. Swami Chidananda und Swami Nada Brahmananda. Swami Nada Brahmananda ist 99 Jahre geworden und auch Swami Brahmananda, ein Jnana Yogi, ist über 90 Jahre geworden. Manche haben ein burschikoses Temperament, sie sind sogar emotional. Wie z.B. Swami Vishnu. Er war ein emotionaler Mensch. Er konnte himmelhochjauchzen, und dann konnte er wieder zurückgezogen sein. Er konnte sich unglaublich freuen, er konnte aber auch mal schimpfen, ohne deshalb daran verhaftet zu sein. Er konnte, wenn er wollte, von einem Moment auf den anderen umschalten. Sein Temperament war so. Ein anderer, wie z.B. Swami Chidananda war jemand, der immer gleichmütig war. Seine engeren Schüler haben mir versichert, ihn nie ärgerlich gesehen zu haben, wenigstens nie richtig ärgerlich. Das ist auch etwas Besonderes. Und andere sind wie ein Brummbär, z.B. Swami Krishnananda war ein bisschen wie ein Brummbär: rau im Umgangston. Aber wenn man hinter die Schale geschaut hat, war da reine Liebe. Er hat alles für einen gemacht, wenn man Hilfe gebraucht hat.

So gibt es manche Menschen, die sind Vyavahara Jnanis und manche sind Samadhi Jnanis.

Vyavahara Jnanis sind die, die in der Welt viel tun und bewirken und Samadhi Jnanis sind die, die nicht mehr viel äußeres Karma haben und hauptsächlich meditieren.
Von den Vyavahara Jnanis gibt es wieder zwei verschiedene: Es gibt solche, die gehen ihrem ganz normalen Beruf nach, und das ist die Mehrheit der Menschheit. Das ist vielleicht sogar traurig. Die Mehrheit erreicht die Verwirklichung ohne als spirituelle Lehrer tätig zu sein. Das ist eben in ihrem Karma drin. Ihr könnt ja am Montag mal schauen, ob in eurer Firma der eine oder andere selbstverwirklicht ist und vielleicht hinter der harten Schale die unendliche Weisheit steckt. Es gibt mehr davon, als man so denkt. Aber es ist auch nicht so, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Hälfte der Mitarbeiter eurer Firma die Selbstverwirklichung erreicht hat.
Obgleich es manchmal schön ist: Ich gehe mal davon aus, in meiner Firma gibt es mindestens fünf Selbstverwirklichte. Ich weiß nicht, wer es ist, aber ich könnte viel von ihnen lernen, wenn ich sie respektvoll behandle. Und da ich das nicht weiß, behandle ich am besten alle so, als wenn sie selbstverwirklicht sind. Wer weiß, ob ihr äußeres Grummeln einfach nur eine Maske ist, durch die die Liebe zu mir durchwirkt. Es hat eine Wirkung, wie wir mit Menschen umgehen.

Die zweite Art von „Vyavahara Jnanis“ gibt es glücklicherweise auch. Die sind spirituelle Lehrer und Meister – aktiv um die spirituellen Lehren weiterzugeben. Eben wie die Meister, die ich vorher genannt hatte: Swami Vishnu, Swami Chidananda, Swami Krishnananda, Swami Sivananda, Ramakrishna, Vivekananda, Paramahamsa Yogananda, Ramana Maharshi, Anandamayi Ma. Auf ihre Weise und mit ganz unterschiedlichem Charakter haben sie dazu beigetragen, dass die Yogalehren zu immer mehr Menschen gekommen sind. Und es gibt heute eine Menge von Heiligen und Weisen, die so sind.

Dann gibt es auch die so genannten „Samadhi Jnanis“. Das sind solche, die tun wenig äußerlich. Die meditieren nur. Swami Sivananda erwähnte einen Namens Jada Bharata. So gibt es auch heute Menschen in Indien, die in Höhlen leben und nichts tun außer Meditieren. Ist das nutzlos? Auch nicht. Dadurch dass sie meditieren, schicken sie Gedanken des Friedens, der Kraft, der Spiritualität, der Verwirklichung aus. Das hilft dann anderen, die selbstloses Dienen üben wollen. Die bekommen dadurch Kraft und spirituelle Inspiration. So hat Swami Vishnu gesagt, in der heutigen Zeit wäre eigentlich eine Zeit, wo die „Samadhi Jnanis“ besonders wichtig sind.

Wir stehen in einem besonderen Zeitalter, wo wir erstmalig in der Lage wären, Hunger auf dieser Erde abzustellen. Wir haben auch die Möglichkeit, noch in unserer Generation zu erleben, dass es keine Kriege mehr auf der Erde gibt. Wir haben die Möglichkeit, dass Hass zwischen Religionen nicht mehr existiert. Ihr mögt jetzt sagen, ich sehe durch eine rosarote Brille, aber es ist möglich. Wir haben in diesem Teil Europas gesehen, dass Franzosen und Deutsche sich miteinander versöhnt haben. Wir haben gesehen, dass Protestanten und Katholiken sich miteinander verstehen. Das ist nicht so selbstverständlich. Wir haben erlebt, dass Menschen, denen grausam mitgespielt wurde, den Nachfolgern der Täter vergeben haben. Dass die Polen und die Russen zu Deutschland überhaupt ein Verhältnis haben, ist ein Wunder an sich, nach dem, was die Deutschen dort gemacht haben. Wir haben gesehen, wie eine Mauer gefallen ist. Wir haben vieles Positives gesehen. All das könnte sich weiterentwickeln und spirituelle Aspiranten können dafür etwas tun.

Das andere ist auch möglich. Das 20. Jahrhundert war auch die Zeit der schlimmsten Kriege der Welt und noch heute, in diesem Moment, gibt es Menschen, die sich umbringen. Es geschehen grausame Sachen. In Afrika schlimmer als in Irak oder Afghanistan, was in den Nachrichten erscheint. Es gibt schlimme Dinge. Es könnte einen Atomkrieg geben, es kann eine nukleare Verseuchung geben, und es kann zur ökologischen Katastrophe kommen.

So hat jeder Mensch eine Verantwortung. Zum einen sich zu engagieren, aber zum anderen auch, spirituelle Energie zu schicken und anderen Menschen auf den spirituellen Weg zu helfen. Das ist ein Grund, weshalb Swami Vishnu so viele Yogalehrer ausgebildet hat und weshalb wir eben auch bei Yoga Vidya so viele ausbilden. So können viele Menschen auf den spirituellen Weg gebracht werden und Energie ausstrahlen. Aber diejenigen, die hauptsächlich meditieren, sind auch heute wichtig.

Hari Om Tat Sat

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Befreite, Inspiration, Jivanmuktas, Kommentar, Lebensweise, Samadhi, Sukadev, lebendig, tägliche

Kommentar von Shambhavi ૐૐૐ am 23. Oktober 2009 um 7:11am
Lieber Sukadev, seit ein paar Tagen lese ich jeden Morgen Deine Blog Beiträge. Sie sind einfach klasse und meine Tage starten damit noch schöner. Danke dafür und Dir auch einen schönen Tag!
LG Sabine

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