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Ich will euch eine kleine Geschichte erzählen.
Es war einmal vor langer Zeit eine Mutter, die hieß Medalasa. Und die Medalasa hatte einige Kinder,
und Medalasa war nicht irgendeine Mutter, sondern sie war eine selbstverwirklichte Heilige.
Und sie sang ihren Kindern ein Wiegenlied, und jetzt nicht so die Wiegenlieder, die wir hier in Deutschland vielleicht singen, sondern:
“shuddhosi buddhosi niranjanosi
samsara-maya-parivar Jitosi”
Sie sang ihren Kindern:
shuddhosi - du bist rein,
buddhosi – du bist reine Intelligenz,
niranjanosi – du bist makellos,
samsara-maya-parivar, du bist unberührt vom Kreislauf von Geburt und Tod und dieser maya, von dieser Illusion,
Jitosi – du bist reines Bewusstsein.
Und weil Medalasa dies von ganz tiefem Herzen auch so meinte, erreichten alle ihre Kinder die Selbstverwirklichung.
Und im Grunde genommen können wir das uns selbst auch immer wieder singen,
shuddhosi – du bist rein. Natürlich, wir wissen alle, unser Geist hat alle möglichen Gedanken,
wir freuen uns einmal, wir ärgern uns einmal, wir sind einmal etwas niedergeschlagen,
einmal enthusiastisch, wir sind einmal Dingen verhaftet, und dann wieder losgelöst, usw.
Trotzdem behauptet dieses Wiegenlied der Medalasa: shuddhosi – du bist rein,
denn es ist ja nicht unser Bewusstsein, sondern es ist Körper und Denken, welche durch diese verschiedenen Prozesse hindurchgehen.
Es ist genauso, angenommen, unser Hemd, ist so ein bisschen weiß geworden, dadurch dass ich mit Babypulver in die Hände geklatscht habe geworden – es ist eigentlich ein gelbes Hemd.
Hat sich das jetzt auf meinen Geist gelegt, und bin ich deshalb unreiner,
oder vielleicht noch reiner geworden, weil sich jetzt weißes Puder auf mein Hemd gelegt hat?
Hat keine allzu große Bedeutung dort. Genauso, unser Geist hat alle möglichen Prozesse, durch die er hindurchgeht, aber wir können uns erinnern, Bewusstsein an sich bleibt ewig, rein, bleibt ewige Intelligenz selbst, nicht im Sinne von Intellekt und IQ, sondern im Sinne von reinem Bewusstsein.
niranjanosi – und so bleiben wir stets makellos, was auch immer geschieht.
Und wir sind unberührt von samsara, samsara – Kreislauf von Geburt und Tod. Aber samsara-chakra heißt es. Und es geht nicht nur um Geburt und Tod,
sondern der Geist, wenn man genauer beobachtet, stellt man fest, es gibt so bestimmte Zyklen.
Und manchmal kann man auch überlegen: will man dem gleichen Zyklus immer wieder folgen?
Manchmal kann man auch abstellen.
Manchmal beobachtet man, was weiß jetzt genau, was die nächste Episode sein wird.
Irgendwo hat man irgendetwas gemacht, jetzt weiß man, als nächstes kommt – vielleicht hat irgendjemand einen Knopf gedrückt – gut, manchmal gibt es ja wunderbare Choreographien, wenn man zu zweit oder zu dritt ist, einer sagt eines, der andere sagt das nächste, man müsste –
man weiß schon, was als nächstes kommt, und irgendwo schaukelt sich das auf, und vielleicht lacht man nachher darüber und dann ist der Zyklus vorbei.
Und das gibt es auch individuell, das gibt es kollektiv, es gibt immer wieder solche Dinge, die laufen ab. Übrigens auch in einem Ashram; wer schon länger da ist, weiß, dieses samsara-chakra geht auch dort, und wer in einer Beziehung ist, weiß, es geht auch dort, wer Kinder hat, weiß, es geht auch dort, usw. So ist dieses samsara.
Aber unser wahres Bewusstsein ist frei von dem allem. Und es ist auch jenseits der Täuschung.
Gut, glücklich sind wir, wenn wir erkennen, wie dieses samsara abläuft, und vielleicht können wir auch einmal uns entscheiden, muss ja nicht immer so ablaufen, man kann es ja auch einmal anders machen, andererseits gibt es ja auch ein gewisses Gefühl der Sicherheit, wenn man schon weiß, was als nächstes und übernächstes kommen wird.
Gut, also, wir sind davon eigentlich unberührt, unberührt von maya, unberührt von diesen samsarischen Dingen, die geschehen.
Und schließlich Jitosi – reines Bewusstsein und letztlich reines Wissen.
Und das ist so der Trick des Jnana-Yoga.
Gut, im Jnana-Yoga gibt es auch verschiedene Empfehlungen, unseren Geist zu beherrschen,
aber das ist letztlich zweitrangig, vorrangig ist, wir wechseln nur den Blickwinkel, wir identifizieren uns weniger mit all dem, was geistig-emotional abläuft, wir identifizieren uns mit dem höchsten, dem reinen Bewusstsein.
Und das können wir unserem eigenen Geist immer wieder sagen, und unserem Bewusstsein sagen, jedenfalls uns selbst sagen:
shuddhosi buddhosi niranjanosi
samsara-maya-parivae jitosi. ‘

Hari OM Tat Sat.

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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