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Dhyana heißt Meditation. Meditation hat wiederum verschiedene Bedeutungen. Es gibt Dhyana einfach allgemein als Meditation und es gibt Dhyana als die siebte Stufe der Ashtangas, also der acht Stufen oder Teile des Yoga bzw. des Raja Yoga. Dhyana kann man einfach verwenden als Meditation. Wenn du dich hinsetzt, die Augen schließt und dann deinen Geist auf etwas konzentrierst oder einfach achtsam bist auf die Gegenwart, dann ist das Dhyana, also eine Meditation. So hat sich übrigens auch aus Dhyana Dhyan entwickelt im Chinesischen und dann im Zen, eben aus Dhyan wird Zen oder auch Zyan wurde es auch schon mal genannt.

Also, Zen-Buddhismus ist der Buddhismus der Meditation. Das mag dich etwas erstaunen, denn im Westen wird ja Buddhismus immer als Meditation gleichgesetzt, aber in den buddhistischen Ländern, also z.B. Thailand oder Birma oder Vietnam oder Sri Lanka, ist es nicht so, dass alle Leute meditieren. Es gibt verschiedenste Formen von Buddhismus. Auch in Japan sind nicht alle Buddhisten solche, die meditieren, und in China und in der Mongolei und auch in Tibet auch nicht. Aber eben, Zen-Buddhismus ist der japanische Buddhismus, der Dhyana besonders kultiviert, weil die Meditation eine besondere Rolle spielt. Es stimmt zwar, dass Buddha gesagt hat, „Meditation gehört zur spirituellen Praxis eines Buddhisten dazu“, aber nichtsdestotrotz, Dhyana wurde nicht überall im Buddhismus auch tatsächlich praktiziert und bis heute werden die Buddhisten nicht täglich meditieren, sondern ab und zu mal in den Tempel gehen und hoffen, dass sie so auch Segen empfangen können. Dhyana ist aber auch ein konkreter Ausdruck, eben Dhyana als Meditation, als siebte Stufe vom Ashtanga Yoga von Patanjali.

Der Ashtanga Yoga ist der Yoga der acht Teile. Vermutlich kennst du sie. Ich nenne sie trotzdem nochmal: Yama, das sind die ethischen Empfehlungen im Umgang mit anderen. Niyama, die persönliche Disziplin, man kann auch sagen, der Lebensstil. Dritte ist Asana, die Sitzhaltung für die Meditation, sowie auch die Körperstellungen im Hatha Yoga. Dann folgt Pranayama, Herrschaft über das Prana mittels Atemübungen. Das fünftes dann Pratyahara, was zum einen heißt, die Sinne nach innen zu richten, zum anderen auch alle Techniken, die helfen, den Geist in einen meditativeren Zustand zu bringen. Manche sagen auch, Pratyahara ist die Tiefenentspannung. Dann folgt als sechstes Dharana, die Konzentration. Und als siebtes dann Dhyana, die Absorption. Und als achtes Samadhi, das Hineinfallen in den überbewussten Zustand. So verstanden sind die letzten sechs der Ashtangas Schritte in der Meditation. In diesem Sinne ist Dhyana nur ein Schritt der fortgeschrittenen Meditation. Wenn du meditierst, setzt du dich erst hin, Asana. Dann atmest du ein paar Mal tief ein und aus, Pranayama. Dann wiederholst du eine Affirmation oder ein Gebet oder versetzt dich auf andere Weise in meditative Stimmung, Pratyahara. Dann wählst du dir das Meditationsobjekt aus und dann meditierst du auf eine bestimmte Weise, das wäre Dharana. Das kann die Mantra-Meditation sein, das kann die Achtsamkeits-Meditation sein, das können viele verschiedene Meditationen sein. Wenn du dich bemühst, dich zu konzentrieren, dann ist es Dharana. Dharana heißt ja Halten, Dharana heißt Festhalten. Du bemühst dich, die Konzentration zu halten. Du bemühst dich, das Konzentrationsobjekt in deinem Geist festzuhalten oder du bemühst dich darum, den Zustand der Achtsamkeit und des Nicht-Wollens und Nichts-Verändern aufrecht zu erhalten, indem du alles beobachtest. All das ist Dharana. Wird die Konzentration tief und du bist absorbiert im Konzentrationsgegenstand, die Meditation kommt automatisch und ohne Anstrengung, dann ist es Dhyana. Patanjali sagt auch: „Wenn die ein- und aufkommenden Geistesinhalte identisch sind, dann ist es Dhyana.“  Also, wenn du den gleichen Gedanken über einen längeren Zeitraum hast oder bei dem Meditationsthema bleiben kannst, dann ist es Dhyana. Dhyana verschmilzt schließlich mit Samadhi. Wenn du mit dem Objekt der Meditation verschmilzt, ist es Samadhi.

Dhyana hat noch eine weitere Bedeutung. Natürlich, die wichtigste Bedeutung ist Meditation bzw. auch ein gewisser Zustand der tiefen Meditation, also nach Dharana. Dhyana hat aber auch eine weitere Bedeutung im Alltag. Du kannst auch im Alltag dich um Konzentration bemühen, um Aufmerksamkeit, um Bewusstheit, um Achtsamkeit, das ist Dharana. Wenn du ganz mit deiner Tätigkeit verschmilzt und du einfach tust, was zu tun ist, ohne zu überlegen, ohne dass das Ich und das Ego dabei ist und ohne abgelenkt zu sein, wenn dabei Liebe und Freude und Enthusiasmus und Energie dabei ist, dann ist das Dhyana. In diesem Sinn kannst du bei deiner Computerarbeit Dhyana haben, du kannst im Schreiben eines Artikels im Dhyana-Zustand sein, du kannst beim Tanzen im Dhyana-Zustand sein, du kannst auch mit deinem Partner beim Zusammensein im Dhyana sein, du kannst beim Spielen mit deinem Kind im Dhyana sein, also voll absorbiert, an nichts anderes denken, anstrengungslos, voll konzentriert.

Dhyana, also Meditation. Dhyana, die siebte Stufe der Ashtangas von Patanjali. Dhyana ist auch eine gewisse Einstellung und ein gewisser Vorsatz. Du kannst sagen: „Ich möchte am Tag häufiger die Dinge von ganzem Herzen und voll konzentriert machen.“ Du kannst dir sagen: „Ein paar Mal am Tag will ich wirklich ganz konzentriert sein und mich voll dort absorbieren.“ Es ist eine Frage der Übung, es ist eine Frage der Praxis. Es ist nicht nötig, dass du von morgens bis abends voll konzentriert bist, es ist – außer für einen Selbstverwirklichten – auch nicht möglich. Aber es ist sehr wohl möglich, dass du dir vornimmst: „Jetzt bei den Asanas bin ich konzentriert.“ Du übst Dharana. Und dann bist du tief konzentriert und fällst auch in den Yoga-Stellungen in den Dhyana-Zustand hinein. Du kannst dir, wenn du in die Meditation gehst, sagen: „Ich sage allen Sorgen erstmal Lebewohl, in einer halben Stunde könnt ihr wiederkommen.“ Und du bist dann ganz konzentriert. Du kannst dir vornehmen, wenn du heute tätig bist oder morgen, dass du das, was du tust, mit ganzer Konzentration, mit ganzem Herzen und mit Liebe tust. Dann kann es sein, dass du in Dhyana fällst. Dhyana ist nicht erzwingbar, Dhyana ist deshalb auch nichts, was du in diesem Sinne direkt praktizierst. Aber du praktizierst Dharana, die Konzentration, und dann lässt du dich hineinfallen. Konzentration + Entspannung + Liebe + Freude = Dhyana. In diesem Sinne kannst du dich immer wieder bemühen um Dharana und dann darum bemühen, aus Dharana und Anstrengungslosigkeit und Entspannung und Vertrauen und Liebe und Freude, Dhyana entstehen zu lassen. Dhyana – Meditation. Dhyana – Absorption, anstrengungslose Konzentration, voller Freude und Liebe. Dhyana – Meditation.

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Tags: Dhyana, Meditation, Yoga Vidya Sanskrit-Lexikon, Yoga Vidya Sanskrit-Wörterbuch

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