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Ich will etwas lesen aus der „Bhagavad Gita", aus dem 14. Kapitel.
Im 21. Vers hat Arjuna den Krishna gefragt:

"Was sind die Kennzeichen eines Menschen, der die drei Gunas transzendiert hat? Wie verhält er sich und wie geht er über diese drei Eigenschaften hinaus?“

Wer die gestrige Inspiration gelesen hat, da hatte ich über die vorigen Verse gesprochen, in denen Krishna Arjuna gelehrt hat, wie wichtig es ist über die Gunas hinauszuwachsen, jenseits der Gunas zu kommen und zu erkennen, dass wir Sat Chid Anananda, das unsterbliche Selbst sind, weiß, wie wichtig es ist im Alltag dieses Bewusstsein zu entwickeln. Jetzt fragt Arjuna Krishna noch genauer, wie so ein Mensch, der die Gunas transzendiert hat, eigentlich ist, wie er sich verhält. Letztlich sind es auch die Fragen, die wir uns immer wieder mal stellen können: „Wie werde ich mich verhalten, wenn ich das erreicht habe? Wie werde ich sein, wenn ich selbstverwirklicht bin?“ Oft verbirgt sich auch die Frage dahinter: „Will ich eigentlich wirklich selbstverwirklicht sein?“ Oder: „Wie komme ich zur Selbstverwirklichung hin?“
Krishna antwortet darauf:
"Wenn Sattwa, Rajas oder Tamas vorliegen, hasst er sie nicht und er sehnt sich auch nicht danach, wenn sie nicht vorhanden sind".
Wir Menschen sollten gelassen damit umgehen und gleichmütig sein, egal in welcher Guna wir uns befinden. Wir sollten uns immer bemühen Sattwa zu erhöhen, aber auch nicht wenn wir mal in Tamas sind gleich denken: „Was bin ich nur für ein schlechter Mensch. Was habe ich nur alles falsch gemacht, dass ich jetzt wieder in diesem Zustand bin. Eigentlich mache ich doch Yoga und dürfte jetzt gar nicht so emotional sein, so träge etc. Ich bin ja so schlecht.“ Wir sollten aufhören uns zu verurteilen und erkennen: „Das ist die Guna. Ich bin trotzdem Sat Chid Ananda.“

"Wer wie unbeteiligt sitzt und von den Eigenschaften nicht bewegt wird, wer in sich selbst gesammelt ist und sich nicht bewegt, weil er weiß, dass die Eigenschaften aktiv sind, wer derselbe bleibt im Vergnügen und Schmerz, wer im Selbst ruht, für wen ein Klumpen Erde und ein Stück Gold dasselbe bedeuten, wer sich dem Freundlichen und Unfreundlichen im gleichen Geist verhält, wer fest ist und für wen Tadel und Lob gleichbedeutend sind, wer unberührt ist von Ehre und Schmach, sich gleich verhält gegenüber Freund und Feind, und alle falschen Hoffnungen aufgibt, von ihm heißt es, er hätte die Eigenschaften transzendiert".

Krishna nennt in diesem Vers eine ganze Menge an Dingen, woran man einen Selbstverwirklichten erkennen kann. Ihr könnt zu diesem Vers auch einen ausführlichen Kommentar von Swami Sivananda lesen in seiner Ausgabe der Bhagavad Gita.
Im Wesentlichen heißt es, wir lernen, zu etwas zu kommen, was jenseits der Gunas ist, wenn wir erkennen: „Ich bin das unsterbliche Selbst“. Auch wenn wir es zunächst nur intellektuell wissen, hilft dieses Wissen, uns dem unsterblichen Selbst anzunähern. Meditation ist auch eine wirksame Technik, uns unserem Selbst zu nähern. Wir können in der Meditation, z.B. wenn wir merken, unser Geist denkt an alles Mögliche, uns mindesten einen Moment zurückziehen in das, was hinter zwei Gedanken ist. Wir können uns fragen: „Wer denkt? Wer ist sich der Gedanken bewusst?“ und dann kommen wir mindestens ein paar Momente zu einem Ort, zu einer Tiefe in uns, die jenseits dieser Gedanken ist.
Auch am Tag, wenn alles mögliche hoch und runter geht, und alle möglichen Dinge um uns herum zum Teil schief gehen oder auch wunderbar klappen, wenn alle möglichen Herausforderungen da sind, einen Moment lang können wir uns bewusst machen: Die Seele ist unsterblich, hinter allem steckt das reine Bewusstsein. Aus diesem schöpfen wir dann Kraft und können alles angehen. Zwar mögen wir weiterhin Vergnügen und Schmerz unterliegen, Krishna sagt ja nicht, dass das endet, aber er sagt, dass wir dann innerlich gleich bleiben. Wir wissen, es gibt etwas Tieferes in uns, was davon nicht berührt ist. Und daraus bekommen wir die Kraft dann auch, das zu tun, was nötig ist.

Hari Om Tat Sat

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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