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Ich lese etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel über „Geist“. Geist, auf Englisch steht dort mind, also Denken und Fühlen. Aus dem Unterkapitel „Beherrschung des Geistes, das Tor zur Befreiung“.
Swami Sivananda schreibt:
„Wahre Freiheit entsteht aus der Befreiung von der Knechtschaft des Geistes. Wer den Geist bezwungen hat, ist ein wahrer Herrscher, Maharadscha, König. Wer Wünsche, Gier und damit das Denken überwunden hat, ist der reichste Mensch. Wenn der Geist kontrolliert ist, macht es wenig aus, ob man sich in einem Palast oder in einer Höhle im Himalaja befindet, ob man aktiv Yava Hara übt oder stillsitzt.“
Yava Hara ist aktives, verantwortungsbewusstes Dienen. Also, hier beschreibt er etwas, dessen wir uns immer wieder bewusst werden können und was vielleicht etwas dem gängigen westlichen, unreflektierten, manchmal unreflektierten Prinzip widerspricht. Wenn man so im Westen überlegt – selbst die humanistischen Psychologen – wenn man überlegt, wie wird man glücklich? Man wird glücklich, man erkennt seine Bedürfnisse und dann erfüllt man seine Bedürfnisse und Wünsche und dann ist man glücklich. Und genau das ist nicht das, was uns wirklich glücklich macht. Es gibt zwar auch in Indien diese Theorie der vier Purusharthas – Kama, Artha, Dharma. Also man hat sinnliche Bedürfnisse, Kama. Man hat bestimmte Bedürfnisse wie, was man in seinem Beruf erreichen will, Artha. Und dann hat man bestimmte Wünsche, seine Kreativität usw. in die Welt zu bringen, was Gutes für andere zu tun. Schließlich hat man Moksha, den Wunsch nach Befreiung. Und, man kann sagen, auf dieser Ebene, ist es durchaus, die tieferen Bedürfnisse zu erkennen und diese dann zu erfüllen. Nur machen die einen nicht wirklich glücklich, außer der letzte Wunsch, der Wunsch nach Befreiung.
Wirklich glücklich sind wird dann, wenn unser Geist zur Ruhe kommt. Dann ist nur die Frage, wie kriegen wir unseren Geist zur Ruhe? Und dann gibt es zum einen natürlich die Möglichkeit, wir sagen – wir schauen, welche Bedürfnisse haben wir und wir lernen, damit so umzugehen, dass unser Geist ein gewisses Glück, eine gewisse Ruhe und eine gewisse Freude hat. Und wenn wir dieses gewisse Glück, diese gewisse Ruhe, diese gewisse Freude dadurch erfahren, haben wir mehr Kraft, etwas tiefer zu gehen, nämlich den Geist ganz zur Ruhe zu bringen. Wenn es uns dann gelingt, den Geist ganz zur Ruhe zu bringen, dann sind wir in unserem wahren Wesen. Das ist zunächst auch immer etwas, was uns bewusst sein sollte. Im Grunde genommen, wir können mit Wünschen viel besser umgehen, wenn wir wissen, die Erfüllung der Wünsche macht uns nicht glücklich. Und die Erfahrung von jedem besagt das ja. Wir haben einen Wunsch, wir erfüllen den Wunsch und sind vorübergehend glücklich. Ist auch ganz o.k. Und wenn wir aber denken, „Ich müsste nur das und das erreichen, dann wäre ich dauerhaft glücklich.“ Und dann erreichen wir es, sind vielleicht ein paar Tage, wenn es hoch geht, ein paar Wochen glücklich und danach sind wir wieder unglücklich und enttäuscht. Wenn wir dagegen gar nicht erwarten, dass eine Erfüllung eines äußeren Wunsches einen dauerhaft glücklich macht, gut, dann mag es einen Wunsch geben und dann haben wir eine gewisse Freiheit. Zum einen wissen wir, unser Glück hängt nicht davon ab, ob der Wunsch jetzt wirklich erfüllt wird. Manche Menschen sind ja besessen davon und schimpfen dann mit der ganzen Umwelt, dass sie einem nicht ermöglicht, diesen Wunsch zu erfüllen. Also, wir sind nicht besessen davon und wir hängen nicht davon ab. Und genauso, wenn wir es erreichen, den Wunsch zu erfüllen, dann erwarten wir nicht, dass er uns dauerhaft glücklich macht. Wir wissen, es ist vorübergehend.
Wir wissen aber, es gibt einen Weg zum dauerhaften Glück. Und dieser Weg zum dauerhaften Glück, heißt die Fähigkeit, unseren Geist zu beherrschen. Und wenn wir in der Lage sind, unseren Geist zu beherrschen und zur Ruhe zu bringen, dann können wir in jedem Moment glücklich sein. Wir müssen nur den Geist zur Ruhe bringen, unser Bewusstsein erweitern, dann erfahren wir die Gegenwart von etwas Tieferem. Wir erfahren die Gegenwart des Göttlichen in uns selbst und letztlich, wir erfahren die Gegenwart des Göttlichen durch alles hindurch scheinen. Und das ist etwas, worauf wir auch nicht warten müssen, bis wir irgendwann das höchste Selbst erreicht haben. In jedem Moment, wo es uns gelingt, den Geist etwas ruhiger zu machen, etwas mehr im Hier und Jetzt zu halten, ein paar Momente zu haben, wo wir nicht vergleichen, wo wir keinen Wünschen nachgehen, in dem Moment ist Frieden da, in dem Moment ist Glück da.
Hari Om Tat Sat


Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Indische, Inspiration, Lesung, Schriften, Spiritualität, Sukadev, Vidya, Yoga, tägliche

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