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Om Namah Shivaya. Ich will etwas lesen etwas aus der Bhagavad Gita, dem Zwie-gespräch zwischen Krishna, dem Lehrer, und Arjuna, dem Schüler. Wir sind im 15. Kapitel: Der Yoga des höchsten Geistes. Im 15. Kapitel spricht Krishna über Jnana Yoga. Jnana Yoga, der Yoga des Wissens. Er macht uns nochmals vertraut mit dem, wo wir hinkommen wollen im Yoga, und er sagt uns, worum es letztlich geht. Er sagt im 4. Vers des 15. Kapitels: "Dieses Ziel sollte angestrebt werden, von dem niemand zurückkommt, wenn er hingelangt ist. Ich suche Zuflucht zu dem Ur-Purusha, der Urseele, von dem die Aktivität, die Energie kam, die keinen Anfang und kein Ende hat."
Yoga hat Wirkungen auf verschiedenen Ebenen. Zum einen will Yoga uns helfen, gesünder zu werden, die Selbstheilungskräfte unseres Körpers zu stärken, besser entspannen zu können, den Stress des Alltags besser zu bewältigen. Und da gibt es ja zahlreiche empirische Studien, die zeigen, dass Yoga dort hilfreich ist. Yoga im Sinne von Hatha Yoga stärkt dabei auch unser Herz-Kreislauf-System, stärkt die Muskelkraft, entwickelt die Flexibilität. Es gab hier im Haus Yoga Vidya vor kurzem eine Studie, wo nachgewiesen werden konnte, dass außergewöhnliche Fortschritte in Bezug auf Muskelkraft, Flexibilität und Koordination schon nach zehn Wochen feststellbar sind. Das ist eine Ebene der Wirkung von Yoga.
Eine andere Wirkung von Yoga ist natürlich, dass wir mehr Energie haben, mehr Kraft haben im Alltag. Etwas, was im Zuge von immer mehr steigenden Anforderungen des Alltags immer wichtiger wird. Wir brauchen mehr Prana, mehr Energie. Und das ist auch eine schöne Sache. Man übt Yoga und hat nachher sehr viel mehr Energie als vorher. Darüber hinaus hilft uns Yoga auch, kreativer zu sein. Manche kennen das. In der Yogastunde bekommt man manchmal die tollsten Ideen. Manchmal auch unangenehmerweise in der Meditation. Man meditiert über das Höchste, und dann fällt einem plötzlich ein, wie man dies noch machen könnte und jenes noch machen könnte und wie man das verbessern könnte. Es trägt manchmal auch dazu bei, dass die Menge an Zeit noch weiter schrumpft, weil man so viele tolle Ideen hat. Natürlich ist das auch was Gutes. In unserer heutigen Zeit muss man auch kreativ sein. Und Yoga macht tatsächlich kreativer, gibt einem tolle neue Ideen, hilft einem, aus dem Alltagsdenken herauszukommen. Das ist eine weitere Wirkung von Yoga.
Dann gibt es Raja Yoga, das hilft uns, uns selbst besser anzunehmen, kennenzulernen, verstehen zu lernen, uns selbst lieben zu lernen usw. Das sind auch wichtige Sachen. Und wenn wir uns selbst lieben lernen, dann ist es natürlich genauso wichtig, dass wir andere auch lieben lernen, sonst ist das Ganze ja eher narzistisch. Also: Uns selbst annehmen, andere annehmen, all das sind wichtige Dinge.
Aber noch wichtiger als all das ist es, nach dem Höchsten zu streben, das wir, wie Krishna hier sagt, wenn wir das erreicht haben, auch nicht mehr verlieren können.
Denn alles andere können wir auch wieder verlieren. Es ist schön, den Körper ein bisschen gesünder zu haben, nur es ist sicher, dass der Körper irgendwann stirbt. Alles, was wir tolles anstellen, irgendwann war es für die Würmer. Für die Katz können wir nicht sagen, denn Katzen fressen kein Menschenfleisch. Also, alles, was wir machen für diesen Körper, ist letztlich für die Würmer. Genauso auch mehr Energie: Egal, was wir anstellen, wir werden niemals ausreichend Energie haben. Und der menschliche Körper funktioniert in Zyklen. Also auch, wenn man jeden Tag viel Pranayama macht, wird man mal Hochs und Tiefs haben. Und wenn man jetzt sehr viel getan hat, um mehr Pranayama zu machen, dann hat man vielleicht irgendwann mal eine Zeitspanne, wo man weniger intensiv praktizieren kann, weil irgendeine Notsituation auftaucht – hat man also ein bisschen weniger Prana. Genauso auch: Wir können soviel an unserer Psyche arbeiten, wie wir wollen, die Psyche wird niemals vollkommen werden. Oder, Hand aufs Herz: Kennt ihr irgendjemanden, der psychisch vollkommen gesund ist? Wisst ihr, ich kannte den Sami Vishnu und andere große Heilige und Weise. Also nach Messlatte westlicher Psychologien hatten die auch noch einige Macken. Also, sie waren nicht psychisch krank oder sowas, aber ihr Charakter war trotzdem nicht gänzlich ohne irgendwelche Ecken und Kanten. Ob das wünschenswert wäre, ist eine andere Sache.
Aber jenseits der Charaktervervollkommnung, der Energieaufladung, der körperlichen Gesundheit, und letztlich auch der Selbstakzeptanz, ist das höchste Ziel die Erkenntnis der höchsten Wahrheit. Die Erfahrung, dass hinter allem eine einzige unendliche Seele ist. Und das können wir sehr wohl erfahren. Und das bleibt uns selbst dann, wenn der Körper krank wird. Das ist das, was die höchste Erfahrung letztlich ist, die uns auch dann bleibt, wenn Emotionen auch weiter kommen und gehen, wie sie wollen. Und nach dieser höchsten Erfahrung sollen wir streben und können wir streben. Und diese höchste Erfahrung können wir auch erreichen. Von dieser höchsten Seele, diesem höchsten Bewusstsein, da kommt alle Aktivität, alle Energie, sagt Krishna dort. Also alles hat letztlich seinen Ursprung in diesem höchsten Bewusstsein. Und letztlich ist alles nichts anderes als eine Manifestation von Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein hat weder Anfang noch Ende, und deshalb, wenn wir darin verankert sind, dann ist es dauerhaft. Alles andere kommt und geht. Diese höchste Erfahrung, die ist dauerhaft und die bleibt uns selbst dann, wenn wir weiter durch unseren Alltag mit seinen Höhen und Tiefen gehen. Wir bleiben verankert in diesem Ursprünglichen.

Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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