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Ich lese etwas aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna und Arjuna, Krishna dem Lehrer, und Arjuna dem Schüler, aus dem 15. Kapitel, 5. Vers. Krishna spricht: "Frei von Stolz und Täuschung, siegreich über das Übel der Verhaftung, stets im Selbst verweilend, nachdem ihre Wünsche vollständig verschwunden sind und sie frei sind von den Gegensatzpaaren wie Vergnügen und Schmerz, erreichen die Ungetäuschten das ewige Ziel."
Hier gibt er uns eine Menge Aufgaben, denn alles, was er dort beschreibt, ist letztlich etwas, was wir entwickeln können. Frei von falschem Stolz, wo auch das Ego und die Identifikation ist. Man kann sowohl stolz sein, wie toll man ist, man kann aber auch so eine Art Stolz haben, wie schlecht man ist. Manche Menschen identifizieren sich mit all dem, was sie nicht können, und sind sehr stolz darauf, dass sie so wenig können. Manche sind stolz darauf, dass sie viel weniger Ehrgeiz haben als andere. Also, frei von jeder Form von Stolz. Es gibt auch eine Art sattwiges Selbstbewusstsein. Ein Selbstwertgefühl, wo wir dann wissen, dass wir Instrumente Gottes sind, dann können wir lächeln über diese ganzen Dinge, die da sind, und wir stellen alles in den Dienst Gottes.
Wir können uns aber auch was einbilden auf alles Mögliche. Und dort gilt es, Täuschungen nicht zu unterliegen. Der Geist täuscht uns immer, deshalb sagt Krishna direkt danach, frei von Stolz und dann von Täuschung. Wir können uns über alles mögliche täuschen. Immer wieder gilt es, Introspektion zu üben und zu schauen, wo jetzt gerade unser Ego aktiv ist. Wo arbeiten wir gerade aus Verwirrung? Wo sind wir getäuscht in dem, was wir selbst tun, was wir über andere denken usw.?
Siegreich über das Übel der Verhaftung. Der Geist ist auch klebrig. Der haftet sich an alles. Verhaftet sich an Dinge, an Kleidungsstücke, an Uhren, an Frisur, an Autos, an Broschüren, an Stereoanlagen, an mp3-Player, die vielleicht runterfallen, an die Art und Weise, wie Menschen mit uns umzugehen haben, an die Art und Weise, wie es einem gehen sollte. Man verhaftet sich an seine eigene Gesundheit, man verhaftet sich an die Vorstellung, wie Yogalehrer zu sein hätten usw. Also, an alles mögliche verhaften wir, und das ist ein Übel, sagt Krishna hier. Das ist so der erste Schritt, dass wir uns bewusst machen: Verhaftung ist ein Übel, das vergessen nämlich viele Menschen. Viele Menschen merken irgendwo, dass sie sich über etwas ärgern, und dann gilt es als erstes, gegen den zu kämpfen, über den man sich geärgert hat. Aber wenn ich mich geärgert habe, gilt es zuerst einmal festzustellen, ob es da eine Verhaftung gab. Und wenn man dann feststellt, dass das der Fall ist, dann kann man sich bewusst machen, dass verhaftet sein von Übel ist. Wir dürfen uns deshalb aber auch nicht ein ganz schlechtes Gewissen machen, oder über uns selbst furchtbar schimpfen usw., dann sind wir letztlich verhaftet an die Vorstellung, dass wir gefälligst jetzt schon ganz 100 Prozent spirituell zu sein haben, und wenn nicht, sind wir schlecht. Sondern da gilt es, verhaftungslos zu schauen: Verhaftung ist von Übel. Und Verhaftung gilt es zu überwinden. Deshalb sagt Krishna, dass wir über das Übel der Verhaftung siegreich sein sollen. Es ist also eine große Aufgabe. Das geht auch nicht so einfach, indem wir jetzt eines Dienstagmorgens sagen: „Gut, okay, von heute an bin ich nicht mehr verhaftet.“ Es ist mehr, als nur sich das vornehmen. Aber es ist erstmal das Bewusstsein: Verhaftung ist von Übel. Punkt. Als zweites kommt die Aufgabe, Verhaftung zu überwinden. Und das ist nicht einfach. Es ist ein heroisches Unterfangen, und es gilt, dies immer wieder von Neuem anzugehen. Aber wir haben auch etwas davon. Dann können wir nämlich im Selbst weilen. Dann können wir in unserer wahren Natur sein. Dann können wir wirklich im sat-chid-ananda sein.
Wir gehen jenseits von allen Wünschen. Wünsche führen ja letztlich auch zu Enttäuschungen, Wünsche führen zu Problemen. Nicht alle Wünsche können erfüllt werden, deshalb sagt Patanjali im 2. Kapitel, dass alle Wünsche zu dukha führen. Sei es, dass sie nicht erfüllt werden können, sei es, dass sie miteinander in Konflikten stehen, sei es, dass die Wunscherfüllung des einen mit der Wunscherfüllung des anderen in Konflikt steht oder dass die eigenen Wünsche in Konflikt stehen. Ihr könnt euch ja mal vorstellen, wie das wäre, wenn alle eure Wünsche erfüllt werden würden, dann werdet ihr feststellen, dass das gar nicht möglich ist, weil ein Wunsch dem anderen diametral entgegengesetzt ist. Also, jenseits von allen Wünschen, frei von Gegensatzpaaren wie Vergnügen und Schmerz. Vergnügen und Schmerz werden zwar auch weiter kommen, aber wir sind frei davon. Es ist schön, ein gutes Essen zu genießen, aber wenn das mal nicht so gut ist, macht das auch nichts. Es ist gut, sich darüber zu freuen, wenn Menschen einen loben, aber wenn sie einen tadeln, ist es auch nicht übermäßig schlimm. Frei von all diesen Gegensatzpaaren. Und so werden wir zu Ungetäuschten, und wir erreichen das ewige Ziel, von dem Krishna ja auch schon im vorigen Vers gesprochen hat, und über das ich gestern Abend gesprochen habe. Noch mal der Vers als Ganzes: "Frei von Stolz und Täuschung, siegreich über das Übel der Verhaftung, stets im Selbst weilend, nachdem ihre Wünsche vollständig verschwunden sind und sie frei sind von den Gegensatzpaaren wie Vergnügen und Schmerz, erreichen die Ungetäuschten das ewige Ziel".

Hari Om Tat Sat

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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