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Ich will etwas lesen aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna und Arjuna. Krishna, dem Lehrer, Inkarnation Gottes, Manifestation Gottes. Arjuna, der Schüler. Im 9. Kapitel, Verse 27 bis 28 sagt Krishna: „Alles was du tust, alles was du isst, alles was du opferst, alles was du gibst, jede Askese, Oh Arjuna, bringe es Mir zum Opfer. So wirst du aus den Banden des Karmas befreit werden, welches gute und schlechte Früchte bringt. Dein Geist wird fest sein im Yoga der Entsagung und so befreit wirst du zu mir kommen.“
Alles was wir tun, egal was es ist, wir können alles Gott darbringen. Wir können sagen, wenn wir meditieren, wir bringen die Meditation Gott dar. Wenn wir Asanas üben, wir bringen es Gott dar. Wenn wir Pranayama üben, wir bringen es Gott dar. Wenn wir essen, wir bringen es Gott dar. Wenn wir staubsaugen, wir bringen es Gott dar. Wenn wir e-Mails beantworten, wir bringen es Gott dar. Wenn man die Buchführung macht, man bringt es Gott dar. Wenn man sich für einen neuen Job bewirbt, auch das bringt man Gott dar. Was auch immer wir tun, wir bringen es Gott dar. Und, was hat man davon, wenn man das so macht?
Krishna spricht von zwei Dingen. Zum einen, wir werden von den Banden des Karmas befreit. Und zum zweiten, wir kommen zu Gott. Das heißt, wir erfahren die Einheit mit Gott. Wenn wir etwas tun, um etwas Konkretes zu erreichen, dann gibt das ein Karma. Je nachdem, ob unsere Motivation gut ist oder schlecht ist.
Z.B. tut man etwas, um anderen zu helfen und identifiziert sich aber damit und sagt: „Ja, jetzt tue ich etwas Gutes, dafür erwarte ich aber auch, dass andere nachher freundlich zu mir sind oder mindestens das Karma freundlich zu mir ist.“ Wenn wir es aus dieser Motivation heraus machen - ist schon gut, dass man was Gutes tut, egal aus welcher Motivation, aber es schafft neues Karma. Und dann werden nachher vielleicht Menschen freundlich zu einem sein. Und wenn man dann Menschen hat, die freundlich zu einem sind, dann erwartet man, dass sie es immer sind und dann sind sie es irgendwann nicht mehr. Das gute Karma ist ausgelaufen. Und dann ist man hoffnungslos enttäuscht und denkt, alle Menschen sind böse. Dann fängt die Sache von vorne an und dann leidet man darunter. Irgendwann rafft man sich wieder auf, tut wieder etwas Gutes, kommt wieder gutes Karma, man identifiziert sich, erwartet es für die Zukunft auch so. Und so sind wir von den Banden des Karmas gefesselt.
Natürlich umgekehrt, angenommen wir sagen: „Dem will ich eins auswischen.“ Das kann man sogar mit dem Pranayama machen. „Ich zeige, dass ich mehr Pranayama machen kann als der. Und dann habe ich nachher mehr Ausstrahlung und kann ihn dann ausstechen.“ Ist seltener. Aber ihr könnt euch andere Situationen vorstellen, wo man etwas tut, um jemand anderen zu schädigen und dann schafft das negatives Karma. Gut, und das negative Karma kann auch mal was Positives haben, denn dann wachen wir auf, wir kriegen Tritte in den Hintern, wir wissen wie es ist, wenn jemand anderer uns Schlechtes tut und gehen dann anschließend hoffentlich etwas freundlicher mit anderen um.
Ideal ist es aber im Yoga, nicht das Gute zu tun, um dafür belohnt zu werden und das Schlechte zu meiden, um nicht bestraft zu werden, sondern, um Gott zu dienen. Wir tun es, weil wir das Gefühl haben, es muss getan werden. Wir haben das Gefühl: „Das ist meine Aufgabe. Ich bin deshalb in der Situation, um das und das zu tun. Und was ich dann tue, das tue ich für Gott. Das bringe ich Gott dar. Das ist jetzt meine Aufgabe. Auf diese Weise schaffen wir kein neues Karma. Stattdessen sind wir fest im Yoga der Entsagung, das heißt, wir lernen es, loszulassen. Wir sind erwartungslos. Wir können letztlich glücklich sein, ob Menschen freundlich sind oder unfreundlich, ob Dinge gut ausgehen oder nicht gut ausgehen, ob wir äußeren Gewinn haben oder äußeren Verlust. Und wir kommen zu Gott. Wir erfahren, dass, was auch immer geschieht, wir sind stets eins mit Gott. Wir sind stets verbunden mit diesem umfassenden Bewusstsein. Wir erfahren letztlich „Aham Brahma Asmi“ - „Ich bin das Bewusstsein hinter allem.“
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

Kommentar von Sofia Arjuna Gennatou am 23. März 2009 um 3:07pm
Lieber Sukadev,

das sind herzerfrischende, klar ausgedrückte Worte, die Du in diesem Vortrag nutzt.

Sehr schön. Vielen Dank.

Licht und Liebe
Sofia Arjuna

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