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Ich will etwas lesen aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“, aus dem Kapitel „Bhakti“:
Bhakti - wörtlich Hingabe -, Bhakti heißt: in Gott sein.
„Bhakti ist das Fließen von Hingabe wie das Fließen eines Flusses,
Bhakti ist die Kontinuität von Hingabe, so wie Öl kontinuierlich aus einem Gefäß in ein anderes fließt.
Bhakti ist das Angezogensein des Jivas, der individuellen Seele, von Gott,
so wie die Nadel vom Magnet angezogen wird.
Bhakti transformiert den Menschen zur Göttlichkeit, sie infiziert den Verehrer mit göttlicher Liebe,
sie gibt ihm ewige Befriedigung, sie macht ihn vollkommen, sie lenkt den Geist von Sinnesobjekten weg, sie lässt ihn in Gott frohlocken.
Bhakti ist die Transformation der Emotionalität in höchste Liebe zu Gott. Sie erblüht später zum Jnana, zum höchsten Wissen, sie führt zur Unsterblichkeit und Gottverwirklichung.
Bhakti ist die direkte Annäherung an das Ideal durch das Herz. Liebe ist für jeden Menschen natürlich.“

Bhakti-Yoga ist einer der verschiedenen Yoga-Wege. Die meisten von euch kennen die Yoga-Wege Jnana-Yoga, Yoga des Wissens,
Raja-Yoga, Yoga der Gedankenbeherrschung,
Karma-Yoga, Yoga des selbstlosen Dienens,
Hatha-Yoga, Yoga der Körperbeherrschung oder Körperarbeit,
um über Körperarbeit zur höheren Bewusstseinsebene zu kommen,
Kundalini-Yoga, Energiearbeit, um die Chakras zu öffnen.
Sind die höheren Chakras geöffnet, kommen wir zum Höchsten.
Und schließlich gibt es Bhakti-Yoga.
Bhakti-Yoga, der Yoga der Gottesverehrung.

Es wird oft auch gesagt, Bhakti-Yoga sei der einfachste Weg, aber, zugegebenermaßen, das sagen die Schriften über die anderen Yoga-Wege auch. Aber es gibt bestimmte Dinge im Bhakti-Yoga, die wichtig sind, die uns helfen können. Zum einen:
viele Menschen, gerade die im Westen Yoga üben, kommen zum Bhakti-Yoga, nachdem sie festgestellt haben, mit den anderen Yoga-Wegen kriegen sie es irgendwo nicht hin, um es einmal so banal, salopp auszudrücken.
Wir bemühen uns, den Geist unter Kontrolle zu halten, wir bemühen uns, unsere niederen Instinkte zu transformieren, wir bemühen uns, ein diszipliniertes Leben zu führen, schlechte Gewohnheiten aufzugeben, und wir erfahren, einiges klappt, und einiges klappt auch nicht.

Und jetzt kann man da verschieden umgehen, und eine der Möglichkeiten ist eben im Bhakti-Yoga.
Zum einen können wir sagen: „Oh Gott, du bist alles, und ich möchte dich erfahren,
ich weiß, es gibt die eine Unendlichkeit, ich habe das schon in verschiedenen Gemütszuständen gespürt, ich sehe dich manchmal, ich erfahre dich manchmal, ich würde dich gern immer erfahren,
aber, irgendwo, es gelingt mir nicht, meinen Geist unter Kontrolle zu bringen. Ich habe Anteile in mir, die sich immer wieder verselbständigen. Hilf mir, zeige mir, wie ich dort hinkomme. Hilf mir, der ich es nicht allein packe.“
Und so heißt es dann, Bhakti-Yoga ist auch ein Weg, wo wir nicht selbst etwas schaffen können.
Auf eine gewisse Weise kann man auch sagen, die Verwirklichung lässt sich nicht erzwingen, nicht erarbeiten. Wir können einiges tun, wir können einiges Positive bewirken, - wie ihr ja alle wisst, sonst würdet ihr vermutlich nicht hier sitzen – wir können einiges tun, aber wir wissen auch, wir kriegen es auch allein nicht vollständig hin. Und so bemühen wir uns, und anschließend sagen wir:
„Oh Gott, ich kriege nicht mehr hin, bitte hilf du mir!“
Und dann werden wir demütig. Und da heißt es sogar, dass gerade über diese Demut
wir dann zu höheren Erfahrungen tatsächlich hinkommen können.

Und hier ist vielleicht sogar etwas Wichtiges auf dem spirituellen Weg. Angenommen, es könnte uns gelingen, tatsächlich aus eigener Kraft unseren Geist zur Ruhe zu bekommen, wann immer wir wollen, und wann immer wir feststellen, es kommt irgendwas in uns hoch, was wir eigentlich nicht wollen, wir brauchen nur auf einen Knopf zu drücken, ein Mantra zu wiederholen, eine bestimmte Atemtechnik zu machen, die Augen in eine bestimmte Richtung zu verdrehen. Man sagt, wenn man nach links schaut, dann kann man sich etwas beruhigen, man schaut nach rechts, kann man sich aktivieren, oder man schaut nach unten, dann wird man ruhiger, man schaut nach oben: aktiviert. Klappt ja auch bis zu einem gewissen Grad.
Aber angenommen, es würde immer funktionieren, dann würde letztlich das Ego mitwachsen.
Das fängt dann irgendwann an, zurückzuschlagen. Und so kann man fast sagen, hat es Gott gut arrangiert, dass er uns zeigt, dass der Weg nicht so einfach ist.
Er hat uns gezeigt, einiges ist möglich, und dann müssen wir loslassen. Wenn wir dann loslassen und Hingabe üben, und unser Herz ganz Gott öffnen, und dann wirklich demütig sind,
dann entstehen oft die großartigsten Erfahrungen dann, wenn wir festgestellt haben,
dass wir am Schlimmsten versagt haben.
So heißt es auch manchmal: Gott ist dem am nächsten, der am Boden zerstört ist.
Und Gott ist auch in der Erde, und wenn wir am Boden sind und uns dann wirklich ganz fallen lassen, dann ist die Erde da. Das ist natürlich nur eine Wahrheit. Wir müssen uns jetzt nicht alle darum bemühen, dass wir am Boden zerstört sind. Wir können Gott nahe sein, wenn wir gefallen sind, und was ist unter uns? Mutter Erde, und Mutter Erde ist Gott. Aber wir können uns auch öffnen und nach oben – und irgendwo ist es uns gelungen, durch große Anstrengung unser Bewusstsein zu erweitern, und dann spüren wir das Himmlische, und das ist natürlich auch Gott.
Und letztlich kann man feststellen: sarvam khalvidam brahman,
letztlich ist alles - sarvam, tatsächlich - khalvidam, brahman - Gott, Göttliches, Unendliches.
Hari OM Tat Sat.

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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