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Wir hatten eben das Nirwana Shatakam durchsungen. Die sechs Strophen zur Befreiung von Shankaracharya. In diesen sechs Strophen ist die Essenz des Vedanta enthalten. Es gibt sechs Strophen und jede dieser sechs Strophen beginnt damit, was wir nicht sind und danach, was wir sind.
Der ganzheitliche Yoga beschäftigt sich mit dem, was wir eigentlich nicht sind. Also mit dem Körper, mit dem Prana, mit den Nadis, mit den Chakras, mit den Teilen des Geistes, mit den Emotionen, mit den Gefühlen, mit unserem Intellekt, mit unserem Karma, mit allem möglichen und all das hat auch seinen Zweck. Wir müssen uns nur immer wieder bewusst sein, das Beschäftigen mit diesen relativen Dingen ist ein Mittel zum Zweck. Der Zweck ist, zu erkennen, meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit. Es ist gut, sich immer wieder zu vergegenwärtigen: „Ich bin reines Sein.“, „Ich bin nicht beschränkt auf diesen Körper.“, „Ich bin nicht beschränkt auf diese Individualität.“ Der Körper wird irgendwann geboren, irgendwann wird er größer, irgendwann wird er nicht mehr größer, irgendwann unterliegt er Alterserscheinungen und irgendwann stirbt er. Während dieser ganzen Zeit, wo der Körper wächst und irgendwann wieder stirbt - ist das eigentliche Ich das gleiche. Wenn wir ein Foto von uns sehen, als wir ein Baby waren und sagen: „Ah, das bin ich.“ Was heißt das „Das bin ich.“? Bin ich dieses Stück Papier? Oder bin ich diese Nase? Oder bin ich 70 cm groß? All das bin ich nicht. Nur das Bewusstsein, das jetzt ist, das ist das gleiche wie damals, als es dieses Kind gab. Wir können auch in der Meditation die Beschränkungen dieses Körpers transzendieren. Wir können uns ausdehnen. Wir können diese Einheit erfahren. „Ich bin reines Sein.“ Vieles andere hat einen Anfang und ein Ende. Heute mag ich denken, dass ich sehr intelligent bin. Irgendwann mag man feststellen, andere sind viel intelligenter. Bin ich deshalb weniger ich? Nein. Heute mag man ein guter Sänger sein und dann gibt’s vielleicht irgendein Stimmproblem, irgendeine Krankheit, man kann nicht mehr singen. „Ich“ bleibt weiterhin. Vielleicht mag man cholerisch sein. Man arbeitet an sich selbst und schafft es, nicht mehr cholerisch zu sein. Das „Ich“ bleibt gleich. Man ist ein sehr gleichmütiger Mensch, es kommt eine traumatische Erfahrung, Gleichmut ist vorbei. Bin ich deshalb jemand anderes? Nein. Ich bleibe gleich. „Ich“ als „Sein“ bleibt gleich. „Ich“ als „Bewusstsein“ bleibt auch stets gleich.
Und dann noch ein besonderer Trost. Ich bin Ananda, ich bin Wonne. Wir wissen alle, es gibt Tage, da fühlen wir uns besser und es gibt Tage, da fühlen wir uns weniger gut und es gibt Tage, da fühlen wir uns morgens gut und mittags schlecht und nachmittags euphorisch und eine Viertelstunde später auch weniger euphorisch.
Also, das scheint dem nicht so ganz zu entsprechen, „Ich bin Wonne.“ Aber es heißt nicht, „Ich bin glücklich.“, sondern „Ich bin Wonne.“ Und wenn wir uns weniger wonnevoll fühlen, dann bleiben wir immer noch reine Wonne. Es sind nur Emotionen, die sich vor unser Bewusstsein gestellt haben und wir identifizieren uns mit dem Bewusstsein.
Eine Analogie, die oft gegeben wird, ist die Sonne. Momentan ist es ein bisschen heller und vor ein paar Stunden vielleicht war es dunkler. Hat die Sonne sich eingetrübt gehabt vor ein paar Stunden? Nein, es hat sich nur die Erde vor die Sonne geschoben, bzw. die Erde hat sich so gedreht, dass die Erde selbst das Sonnenlicht verdeckt hat. Aber die Sonne bleibt stets gleich. Man sagt zwar schon. „Heute scheint die Sonne“ oder „Liebe Sonne, komm wieder her.“ Sonne ist von all dem relativ unberührt. Nur Wolken schieben sich davor, Erde schiebt sich davor. Ab und zu mal Sonnenfinsternis - Mond schiebt sich davor, aber Sonne bleibt stets gleich.
So ist unsere wahre Natur immer und jederzeit Ananda, Wonne - egal was passiert. Manchmal sind die Wolken des Geistes und der Emotionen durchlässiger und dann erfahren wir diese Wonne. Dann haben wir das Gefühl, wirklich bei uns zu sein. Da haben wir auch das Gefühl, verbunden mit allem zu sein. Daraus entsteht dann auch Liebe. Liebe heißt ja Verbundenheit. Verbundenheit heißt, dass wir mehr das wahrnehmen, was wir wirklich sind, nämlich Einheit. Bewusstsein aller Wesen ist eins - gleich und unendlich. Wir können uns aber auch daran erinnern, dass, wenn wir uns mal weniger wohl fühlen, immer noch Anandoham sind, immer noch Wonne, auch wenn wir es in diesem Moment nicht wahrnehmen. In der tiefsten Nacht können wir immer gewiss sein, die Sonne kommt wieder oder im größten Unwetter wissen wir, das Unwetter geht vorbei.
So gibt es bestimmte biologische Zyklen, die bei manchen Menschen sind, wo es irgendwie Phasen von Hochs und Tiefs gibt ebenso gibt es aber auch äußere Unwetter, die sich da noch überlagern. Aber tief im Inneren wissen wir: „Anandoham - Ich bin Wonne.“ Was auch immer geschieht, meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit.
So wie es auch Swami Sivananda gerne gesungen hat: „Chidanand, Chidanand, Chidananda Hum. Hara Hala Me Almasta Sacchidananda Hum.“
„Hara Hala Me - Was auch immer geschieht“ „Sacchidananda Hum - bleibe ich immer Sein, Wissen und Glückseligkeit.“
Aus dieser Bewusstheit heraus können wir ein glückliches und engagiertes Leben führen. Wir werden weiter durch Emotionen hindurchgehen sowie Hochs und Tiefs. Wir müssen nicht bis zur Selbstverwirklichung warten, um aus diesem Bewusstsein heraus zu handeln. Wir können uns jetzt schon bewusst erinnern: „Meine wahre Natur ist Sat-Chid-Ananda.“ Wir können das jetzt schon in der Meditation spüren und wir können uns diese Tatsache immer wieder bewusst machen.
Dann können wir aus diesem Bewusstsein heraus unser Leben leben und weiter an Körper, Prana, Emotionen und Geist arbeiten, den wir haben einen gewissen Grundgleichmut. Wenn dieser Grundgleichmut verankert ist, ist es letztlich Weisheit.
Hari Om Tat Sat
Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3.

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Tags: Inspiration, Lesung, Schrift, Spiritualität, Sukadev, Tägliche, Vidya, Yoga, indische

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