Kapitel 17, Vers 20:

„Das Geschenk, das einem Menschen gegeben wird, der nichts als Ausgleich dafür tun muss, im Bewusstsein, dass es die Aufgabe ist, am rechten Ort und zur rechten Zeit, einem Menschen, der das auch braucht, dieses Geschenk wird sattwig genannt.“

Krishna in den vorherigen Versen über die sattwige, rajasige und tamasige Spiritualität, Yajna gesprochen. Und jetzt will er über sattwige, rajasige und tamasige Wohltätigkeit, oder auch uneigennütziges Dienen. Denn es gibt letztlich von dem, was wir spirituell praktisch tun können, drei Haupt Dinge. Wir können Rituale ausführen, Yajna im weiteren Sinne. Wir können spirituelle Praktiken machen, also Tapas im weiteren Sinne und dann können wir Gutes für andere tun. Das ist dann im weiteren Sinne Dana.

Hier sagt er, was ein sattwiges dana ist. Es ist das, was man einem Menschen gibt, der dafür nichts anderes als Ausgleich tun muss. Du gibst etwas, ohne dafür zu erwarten, dass der andere dir etwas zurückgibt. Du kriegst es spätesten dann raus, wie intensiv deine Erwartungshaltung war, wenn der andere dir nichts nachher gibt. Also wenn du merkst, dass da jemand etwas braucht und du gibst es demjenigen einfach, ohne dabei zu denken, wie großartig du bist. Du hast etwas, was ein anderer Mensch braucht, also gibst du es ihm. Dann sagt er auch, dass es am rechten Ort und zur rechten Zeit sein muss. Und dann ein Mensch, der das wirklich braucht.

Da muss man manchmal überlegen, denn es gibt in manchen Gegenden zum Beispiel so eine Art Bettel Kultur. Und auch in Deutschland sieht man in einigen Großstädten, an bestimmten Orten Kinder, die betteln. Wäre es eine gute Sache, dem Kind etwas zu geben? Ich meine nein, denn meistens sind die Kinder, die auf der Straße sind, um etwas zu betteln, entweder keine Eltern, die sie auf die Straße schicken, oder sie sind sogar ihren Eltern weggenommen worden. Sie sind, wie die modernen Sklavenarbeiter und dann gibt es Banden, Netzwerke, die diese Kinder auf die Straße schicken, um zu betteln. So muss man überlegen, denn wenn ein Kind bettelt, sollte man diesem etwas geben.

Wir haben auch von Yoga Vidya das Brahma Vidya Hilfswerk, das ursprünglich auf die Inspiration von einem Swami Nityananda gegründet worden ist, der in einem der damaligen Slums von Delhi eine Armenschule errichtet hatte. Als ich ihn das erste Mal in Indien gesehen habe, hat er mir gesagt, dass ich keinem Kind Geld geben sollte, welches auf der Straße ist und bettelt.

Kinder sollten nicht auf der Straße sein, die sollten in der Schule sein. Und jeder, der Kindern etwas gibt, die morgens oder mittags betteln, trägt dazu bei, dass die Kinder nicht in Schule gehen. Und gibt keinem Kind etwas, dem zum Beispiel eine Hand oder ein Bein fehlt. Jeder, der solchen Kindern etwas gibt, trägt dazu bei, dass Kindern Hände oder Beine abgeschlagen werden, damit sie besser betteln können. Das sind Sachen, bei denen man überlegen muss. Wenn man unbedingt dem Kind etwas geben will, dann kann man ihm zum Beispiel Obst geben. Dann freut es sich, aber ansonsten gebe den Kindern nichts.

In Indien gibt es Wohltätigkeitsvereine, die sich bemühen, Kindern eine Bildung zu geben. Wenn du Kinder siehst, die leiden, dann gib den NGOs, also diesen gemeinnützigen Institutionen Geld, aber eben nicht den Kindern.

Bei Swamis, die davon leben, dass Menschen ihnen etwas geben, ist es anders. Also bevor du etwas gibst, solltest du überlegen. Hilft das etwas? Wenn du weißt, dass du nichts dafür willst, wenn du weißt, dass es deine Aufgabe ist und wenn du es einem Menschen gibst, der das wirklich brauchen kann, dann gibst du eine sattwige Gabe.

Kapitel 19 Vers 21:

„Dana (das Geschenk die Gabe), das im Hinblick darauf gemacht wird, ebenfalls etwas dafür zu erhalten, in der Hoffnung auf Gewinn, oder widerwillig ist rajasig.“

Wenn du jemandem also etwas gibst, um dafür etwas zu bekommen, dann ist es rajasig. Du willst vielleicht, dass der Mensch dir auch das Gleiche zurückgibt oder dass dein Name auf eine Plakette kommt und Menschen deine Wohltätigkeit loben. Das ist nichts Schlechtes, aber du entwickelst dich mit diesen Handlungen nicht spirituell.

Du musst auf eine gewisse Weise aufpassen, denn, wenn du zum Beispiel in einem gemeinnützigen Verein, oder einem Ashram bist, dann kannst du nicht nur dana im Sinne einer Geldspende geben, sondern du kannst auch deine Arbeitskraft geben. Unbewusst oder bewusst hoffst du aber auf Anerkennung und Lob deiner Taten.

Leider erlebe ich das immer wieder, dass Menschen zunächst uneigennützig dienen und nachher einen Ausgleich haben wollen. Zum Teil ist es bei Yoga Vidya so, dass wir den Menschen etwas geben, wenn sie um etwas bitten. Nur wenn der Mensch nachher nur noch etwas gibt, um zum Beispiel eine kostenlose Ausbildung zu bekommen, oder eine Karma Yoga Woche macht, damit man kostenlos im Ashram bleiben kann, dann ist das keine sattwige Gabe mehr. Es ist in Ordnung, aber es ist nicht sattwig.

Wenn Menschen uns helfen, dann sagen wir nicht, dass wir zum Ausgleich auch etwas geben, sondern wir wollen, dass die Menschen sich weiterentwickeln und geben ihnen die Grundlage dazu. Wenn deine Grundmotivation die Hilfe für die anderen ist, dann ist es sattwig. Und wenn du ein Fortbildungswochenende nimmst, um noch mehr Wissen an andere weiterzugeben, dann ist es kein Ausgleich dafür, sondern ein Bemühen darin, dass du noch besser geben kannst.

Manche unter den Lesern sind Sevakas der spirituellen Gemeinschaft von Yoga Vidya. Hier sprechen wir von Seva und das ist auch eine Form von dana, denn das ist uneigennütziges Dienen. Wenn du Seva widerwillig machst, nicht mit der richtigen Einstellung, um etwas Gutes zu tun, dann ist es rajasig. Und wenn du für deinen Seva einen Ausgleich haben willst und mal eine Stunde mehr gemacht hast und dir am nächsten Tag eine Stunde mehr freigenommen hast, dann ist das auch rajasig. Überprüfe deine Motive, denn, wenn du etwas gibst, ohne dafür etwas als Ausgleich bekommen zu wollen, du dir im Bewusstsein bist, dass es deine Aufgabe ist, du es so gut machst wie du es kannst, und im Bewusstsein bist, dass du es mit Liebe machen willst, dann ist es sattwig.

Kapitel 19 Vers 22:

„Die Gabe, das Geschenk, das am unrechten Ort und zur unrechten Zeit nicht würdigen Personen respektlos und beleidigend gemacht wird, wird tamasig genannt.“

Es gibt auch die Möglichkeit, dass du etwas Tamasiges tust, also zum Beispiel jemandem, der gerade versucht vom Alkohol loszukommen, ein Bier anbietest. Ich habe das leider schon oft genug zu hören bekommen, dass ein Mensch nach einem Suchtklinikaufenthalt nach Hause gekommen ist und ein Bier angeboten bekommen hat. Und das mit der Aussage, dass ein einziges Bier nicht schaden kann. Das ist tamasig. Jemandem eine Zigarette oder Marihuana anzubieten, ist auch tamasig. Das solltest du alles nicht tun!

Oder jemandem mit Arroganz etwas geben und ihn damit kränken und verletzten, das ist auch eine tamasige dana. Handele also nicht von oben herab und kränke die Menschen nicht. Tue nicht das, was anderen und dir selber schadet. Was hier also unwürdig genannt wird, ist das, was Menschen schadet, wenn du es ihnen gibst. Überlege, ob das was du gibst, wirklich Gutes bewirkt, denn du musst dich schon bemühen etwas Gutes zu tun.

In diesem Sinne kannst du überlegen, ob du mehr geben willst. Du kannst Menschen helfen, Spenden geben, Zeit geben, uneigennützig dienen, aber überprüfe deine Einstellung und mache es auf sattwige Weise.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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