17 Kapitel 5 Vers: Krishna:
„Menschen die schreckliche, von den Schriften nicht gebotene Askese üben, die der Heuchelei und dem Egoismus unterliegen, sind von der Kraft der Gier und Verhaftung getrieben. Ohne Verstand quälen sie alle Elemente des Körpers und auch mich, der ich im Körper wohne. Wisse, dass dies aus asurischen Vorsätzen stammt.“
Es gibt Menschen, die scheinbar spirituell sind. Menschen, die scheinbar religiös sind, die im Namen von Spiritualität und Religion sich selbst quälen. Vermutlich ist es heute etwas aus der Mode gekommen, aber wir finden in den meisten Religionen solche Irrungen. Im Christentum gab es die sogenannten Geißler, die sich selber oder gegenseitig mit Peitschen ausgepeitscht haben, bis das Blut von der Haut herunterlief.
Es gab bei den Mönchen oder auch bei den Büßern, die eine Zeit, wo Menschen Dornengürtel getragen haben oder sich selbst im Namen von Spiritualität geritzt haben. Wir finden es im Christentum, im Islam, im Judentum und auch im Hinduismus. Im Hinduismus haben Menschen das Gelübde abgelegt, dass sie niemals ihre Fingernägel schneiden. Und zum Teil wachsen die Fingernägel so weit, dass sie durch die Handgelenke durchwachsen. Oder es gibt Menschen, die den Vorsatz fassen, nie wieder im Liegen zu schlafen, oder den Vorsatz fassen, immer die Hand oben zu halten, bis die Hand nur noch ledern ist.
Das sind alles Schreckliche von den Schriften nicht gebotene Askese. Die eine Möglichkeit ist, dass man seinem Körper schlimmste Dinge antut und die zweite Möglichkeit ist, dass nicht gebotenes Tapas ist. Tapas heißt sowohl Askese, als auch spirituelle Praxis. Zweite Form von unreiner spiritueller Praxis ist Heuchelei. Du behauptest, dass du etwas tust, wobei du es nicht tust. Du sagst, dass du am Tag mehrere Stunden praktizierst und du praktizierst aber keine mehreren Stunden. Und Egoismus ist die dritte Möglichkeit hier. Du praktizierst spirituelle Praktiken, um zu zeigen, wie großartig es ist. Du erzählst, was du alles machst, um zu zeigen, wie groß du bist, um bewundert zu werden.
Das sind alles Spiritualität und Religiosität, die letztlich aus der Kraft von Gier und Verhaftung stammen. Es gibt Menschen, die aus Gier ihren Körper quälen, weil sie die Siddhis, die übernatürlichen Kräfte haben wollen. In Indien wird das auch gemacht, damit man sich Verdienste, Punjas zu erwerben, um dann vielleicht belohnt zu werden. Wir finden das auch im alten Indien, die sogenannten Asuras, die Dämonen, die auch intensives Pranayama, Meditation und Askese üben, um sich danach Gott gewogen zu stimmen und unbeschränkte Herrschaft und Macht zu bekommen und Wünsche befriedigen zu können. All das ist keine reine Spiritualität und die gilt es zu vermeiden. Das kann eine rajasige oder tamasige spirituelle Praxis sein.
17 Kapitel 6 Vers: Krishna:
„Ohne Verstand quält er alle Elemente des Körpers und auch mich, der ich im Körper wohne. Wisse, dass dies aus asurischen Vorsätzen stammt.“
Seinen Körper im Namen von Spiritualität und Religion zu quälen, heißt es Gott zu quälen, denn Gott wohnt im Körper. Und auch der Körper und die Kräfte sind eine Manifestation Gottes. Im vorherigen Kapitel hat Krishna auch davon erzählt, dass er das Verdauungsfeuer und das Prana ist. Und dass letztlich der Körper und das Prana ein Geschenk Gottes sind. Quäle also nicht den Körper! Spiritualität und spirituelle Praxis sollten auch für den Körper und die Psyche gesund sein.
Du musst spirituelle Praktiken danach untersuchen, ob sie gut für deinen Körper sind oder nicht. Und die Bhagavad Gita sagt hier: „Quäle nicht mich, der ich im Körper wohne.“
Heutzutage ist es eher so, dass Menschen zu wenig spirituelle Praktiken praktizieren, als zu viel. Es ist auch selten, dass Menschen heutzutage ihren Körper quälen und bleibende Schäden hinzufügen, aber das kommt auch vor. Es gibt Menschen, die es mit den Asanas übertreiben und schon wenn sie merken, dass die Asanas ihnen nicht mehr guttun, sie trotzdem weitermachen. Es gibt auch Menschen, die es mit dem Fasten übertreiben. Und es gibt auch Menschen, die Lichtnahrungsprozesse betreiben und es mag auch sein, dass es funktioniert, aber ich kenne auch Menschen, die ihre Verdauung dauerhaft, durch das Übertreiben geschädigt haben.
Menschen übertreiben es auch mit der Reduzierung des Schlafes, mit einseitiger Ernährung. Verehre Gott auch, in dem du ein gesundes Leben führst. Ganzheitliches Yoga bedeutet auch, dass du alle spirituellen Praktiken so praktizierst, dass sie für Körper und Psyche gesund sind.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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