Auch Spiritualität und religiöse Praxis sind nicht immer nur gut. Es gibt im Gegenteil: sattwige, rajasige und tamasige Spiritualität und diese zeigt sich auch im sattwigen, tamasigen und rajasigen Glauben. Darüber spricht Krishna in den Versen des 17 Kapitels.

Kapitel 17, Vers 1: Arjuna: „Wie ist der Zustand der Menschen, die gläubig opfern, ohne die Gebote der Schriften zu beachten, oh Krishna? Sind sie sattwig, rajasig oder tamasig?“

Im vorherigen Vers, also am Ende des 16 Kapitels, hat Krishna gesagt, dass es wichtig ist den Geboten der Schriften zu folgen. Und Arjuna weiß, dass es Menschen gibt, die die Schriften nicht so genau kennen und sie machen trotzdem spirituelle Praktiken und Rituale, welche vielleicht nicht ganz den der Schriften entsprechen.

Arjuna will wissen, ob es sattwig, rajasig oder tamasig ist, wenn jemand etwas tut, was den Schriften nicht entspricht. Das interessante wird sein, dass Krishna Arjuna die Frage nicht wörtlich beantworten wird, sondern er ignoriert die Frage und geht darauf ein, was sattwiger, tamasiger und rajasiger Shraddhar, Glaube ist. Und auch was sattwiger, rajasiger und tamasiger Tapas ist.  Welche Art von Glaube sattwig, rajasig oder tamasig ist.

Letztlich  könnte man auch sattwige Spiritualität, Shraddha, als spirituelle Einstellung übersetzten und dann gibt es sattwige, tamasige und rajasige Spiritualität. Sattwige Spiritualität ist irgendwo erhebend, Gott zugewandt, rein und ethisch. Rajasige Spiritualität ist besonders dafür da, um das Ego zu nähren und wer rajasigen Glauben hat, der will mit seinen Überzeugungen und seiner Spiritualität letztlich sein Ego stärken. Da gibt es Selbstdarstellungsdrang, Kritik Sucht und Gier nach Erhöhung und der Glaube daran, dass man etwas Besseres sei, als andere. Es gibt Menschen, die über ihre Spiritualität letztlich ihr Ego füttern wollen. Und dann gibt es die tamasige Spiritualität, die entweder den Menschen in Unwissenheit gefangen hält, oder die den Menschen in seiner Lethargie und in seiner Dumpfheit hält. Oder die dem Menschen ein dauerhaft schlechtes Gewissen macht, die sie niederdrückt.

In dieser Richtung antwortet Krishna. Letztlich ist Spiritualität nicht danach, ob man den Regeln von Schriften folgt, sattwig, rajasig oder tamasig, sondern mit welcher Einstellung wir sie machen.

17 Kapitel 2 Vers: Krishna: „Von drei Arten ist der in der Natur Verkörpernde liegende Glaube, sattwig, rajasig oder tamasig. Darüber höre jetzt.“

Shraddha ist der Glaube eines Menschen. Man könnte auch sagen, die Grundüberzeugung.

17 Kapitel 3 Vers: Krishna: „Der Glaube eines jeden Menschen entspricht seiner Natur, oh Arjuna. Letztlich besteht der Mensch aus seinem Glauben. Sowie der Glaube eines Menschen ist, so ist er.“

Das ist eine große Behauptung von ihm. Er sagt, dass deine tiefen Überzeugungen und dein tiefer Glaube, das ist, was dich prägt. Wir sprechen heutzutage von den sogenannten Glaubenssätzen, die Menschen haben, die sie prägen. Und manchmal kann es helfen seine Glaubenssätze zu kennen und dann zu hinterfragen und sie vielleicht zu ändern. Diese tiefen Glaubensüberzeugungen prägen einen Menschen.

17 Kapitel 4 Vers: Krishna: „Sattwige, reine Menschen, verehren die Devas. Rajasige Menschen verehren die Jakshas und die Rakshasas. Die anderen Getäuschten verehren Gespenster und die Scharen der Naturgeister.“

Jetzt müsstest du wissen, was Devas, Jakshasas und Rakshasas sind und er wird noch im Folgenden auf die Bhutas und Ghanas eingehen. Das könnte man wörtlich nehmen und so gibt es Menschen, die Devas, die Lichtgestalten verehren. Es gibt solche, die die niederen Geister verehren, die erdgebundenen Geister. Und es gibt solche, die Jakshas und Rakshasas verehren. Aber das ist auf unsere heutige Zeit bezogen keine hilfreiche Aussage. Wofür stehen die? Die Devas stehen dafür zum Licht und zum Höchsten zukommen. Die Jakshas und die Rakshasas sind solche, die einem Menschen Reichtümer geben und die, die Bhutas und Ghanas sind solche, die man aus Angst anruft und die einen in die Dunkelheit und in die Verblendung führen.

So könnte man es so deuten, dass Menschen unterschiedliche Glaubenssätze haben. Die einen haben sattwigen Glauben, welcher einen erheben will. Die anderen haben einen rajasigen Glauben, mit welchem sie letztlich Reichtümer haben und ihr Ego fördern. Es gibt dann noch den tamasigen Glauben, mit dem die anderen schaden wollen, man kann nämlich bestimmte Wesen anrufen, um anderen zu schaden, oder man begibt sich in die niederen Gefilden der Spiritualität und irgendwo voller Selbstzweifel und Bedeckung.

In diesem Sinne könnte man Shraddha als allgemein ansehen und den Glauben haben, dass es darum geht zum Licht zu kommen und sich zum Instrument des Lichts zu machen, was der sattwige Glaube wäre. Man kann auch den Glauben haben, dass es darum geht, Reichtümer anzuhäufen, was der rajasige Glaube wäre. Und man kann den tamasigen Glauben haben, wo man denkt, dass das alles keinen Sinn hat und dass man sowieso nichts zustande bekommt.

Eine weitere Deutung wären die drei Arten der religiösen Überzeugungen, es gibt den sattwigen Glauben und religiöse Überzeugung, dass wir hier sind, um Gott zu erfahren, um Gutes zu bewirken, um für Menschen etwas Gutes zu tun. Es gibt den rajasigen Glauben, bei dem man denkt, dass man besser ist als alle anderen, auserwählt und dass Gott nur für einen selbst da ist. Es gibt einen tamasigen Glauben, wo man versucht, mit Gewalt eine Religion weiterzugeben und unethische Handlungen im Namen der Religiosität macht. So gibt es verschiedene Deutungen von sattwigen und rajasigen Glauben.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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