Krishna beschreibt im 16 Kapitel, was ethisch und was nicht ethisch ist. Welche Motivation dir hilft, Gott zu erfahren und welche Motivation dich in die Täuschung führt. Nach dem Krishna in den vorherigen Kapiteln sagt, dass das Göttliche letztlich alles ist, was besonders im 15 Kapitel deutlich wird, will er Klarheit erzeugen. Er will erklären, wie man sich verhalten sollte, also sich ethisch entscheiden und das unethische meiden. Es ist dafür gut zwischen dem ethischen und dem unmoralischen, also dem daiva und asura, was übersetzt wird als das Göttliche und Dämonische, zu unterscheiden.

16 Kapitel Verse 1–3 sind Aufzählungen von positiven Eigenschaften, die du entwickeln kannst. Es sind Aufzählungen, von Handlungen, die dir helfen Gott zu verwirklichen.

16 Kapitel Vers 1–3: Krishna

„Furchtlosigkeit, Reinheit des Herzens, Beständigkeit im Wissen und dem Yoga, Almosen geben, Sinnesbeherrschung, Opfer und Rituale, Studium der Schriften, spirituelle Praktiken, Askese und Aufrichtigkeit. Nicht Verletzen, Wahrhaftigkeit, Abwesenheit von Zorn, Entsagung, Friedfertigkeit, Fehlen von Hinterlist, Mitgefühl mit den Wesen, Fehlen von Habgier, Freundlichkeit. Bescheidenheit, Fehlen von Wankelmut, Stärke, Persönlichkeit, seelische Kraft, Reinheit, Fehlen von Hass, Fehlen von Stolz. Diese besitzt ein Mensch, der für den göttlichen Zustand geboren ist. Oder diese entwickelt ein Mensch, der den göttlichen Zustand erreichen will.“

Das sind eine Menge Eigenschaften. Swami Sivananda erläutert in seinem Kommentar alle Eigenschaften und in seinem Buch, Cultivation of Virtues, die Entkultivierung von Tugenden, geht er auf all diese Verse ein. Er widmet jeder Eigenschaft, die hier genannt ist, ein eigenes Kapitel.

Du könntest dir sagen, dass du in deinem Leben ein paar Monate für die Kultivierung dieser Eigenschaften widmest. Vor einigen Vorträgen habe ich eine andere Aufzählung, der positiven Eigenschaften gemacht. Da haben wir festgestellt, dass es 22 Wochen dauert. Hier sind es aber noch mehr Eigenschaften, für die du 1- 2 Jahre widmen kannst, um sie zu kultivieren.

Auf unserer Internetseite gibt es einen Vortrag, über die Kultivierung von Eigenschaften. Du kannst zum Beispiel Mut, Reinheit des Herzens und Beständigkeit entwickeln. Bestimmte Dinge gilt es einfach zu tun. Es wird hier übersetzt, als Almosen geben, aber es heißt auch gute Werke tun und anderen geben. Oder auch Jaknia, was hier als Opfer übersetzt wird, aber Jaknia sind auch alle Arten der Rituale der Gottesverehrung. Tapas kann man als Askese übersetzten, aber Tapas heißt auch alle Arten von spirituellen Praktiken.

Du kannst also bestimmte Dinge, die dort stehen, tun und des Weiteren auch bestimmte Eigenschaften kultivieren. Überlege, welche Eigenschaften und inwieweit du welche Eigenschaften hast und was du mehr kultivieren willst.

16 Kapitel Vers 4: Krishna: „Heuchelei, Überheblichkeit, Eigendünkel, Zorn, Härte und Unwissenheit gehören zu einem Menschen, der im dämonischen Zustand verweilt, oh Arjuna.“

Das sind Eigenschaften, welche dich in der Unwissenheit erhalten. Asura heißt wörtlich ungut. Im Deutschen haben viele Menschen, bei dem Wort Dämon, Fantasy Filme im Kopf, aber das ist in der Bhagavad Gita nicht unbedingt so gemeint. Dämonen sind letztlich Menschen, die eine Power haben, aber diese für etwas Falsche verwenden. Es gibt auch die Tamasigen, die einfach träge sind, aber die Dämonischen haben auch eine Energie, Motivation, Power, Ausstrahlung und Charisma, aber sie machen das mit unrechten Mitteln.

Krishna hatte zuvor gesagt, dass er in allen Wesen ist, also letztlich sind die dämonischen Wesen auch Manifestationen des Göttlichen. Es gibt im Yoga an sich nicht das Grundprinzip des Guten und des Bösen und es wird auch nicht gesagt, dass Gott und Teufel sich bekämpfen. Ein Individuum, das geprägt ist von Heuchelei, Überheblichkeit, Eigendünkel, Zorn und Härte, ist ein Asura.

Das gleiche Individuum, welches sich bemüht das zu überwinden und stattdessen nicht Verletzen, Wahrhaftigkeit, Friedfertigkeit, Mitgefühl, Freundlichkeit, Bescheidenheit und Versöhnlichkeit entwickelt wird zum daiva.

Es ist gut sich zu überprüfen, ob man nicht doch etwas vorgibt, was man nicht ist. Ob man vielleicht Überheblichkeit hat und etwas Arrogantes sagt, wie: „Warte mal bis du so klug bist, wie ich!“ oder das man schon alles kennt und weiß. Und beim Eigendünkel, sind für einen alle so negative Menschen, weltliche und verwirrte. Man sagt, dass man dagegen so gut ist. Beim Zorn ärgerst du dich über das, was andere machen. Und bei Härte verdammst du Menschen. Manchmal muss man konsequent sein, sowie Eltern bei ihren Kindern konsequent sein müssen, aber manchmal bist du vielleicht zu hart. Überprüfe, ob du öfters Anzeichen von Asura Eigenschaften hast.

Kapitel 16, Vers 5: Krishna: „Es heißt, die göttliche Natur sei der Befreiung förderlich und die dämonische der Bindung. Sorge dich nicht, oh Arjuna du wurdest mit göttlichen Begabungen geboren.“

Wenn du also zur Gottverwirklichung kommen willst, gilt es, die göttliche Natur zu entfalten. Lasse nicht deiner dämonischen Natur freien Lauf. Überwinde sie und wann immer du merkst, dass etwas Überheblichkeit, Heuchelei, Eigendünkel und wann immer du merkst, dass da Zorn ist, oder du Härte und Unwissenheit hast, dann halte einen Moment inne. Aber bitte benutzte diesen Vers nicht als moralische Keule, um andere zu verdammen. Vielleicht sagst du, dass du das zum Beispiel schon bei deinem Lehrer gesehen hast und beschließt, dass dies böse Leute sind.

Krishna will dir insbesondere sagen, dass du die daiva Eigenschaften kultivieren sollst. Die daiva sampati, die göttlichen Eigenschaften. Löse dich von den anderen. Überlege in den nächsten Tage: „Wie sehr habe ich die göttlichen Eigenschaften kultiviert? Welche will ich kultivieren? Welche asura Eigenschaften sehe ich manchmal in mir? Wie will ich sie überwinden?“.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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