Kapitel 15 Vers 3-4:Seine Gestalt, die Gestalt des Manifesten kann hier nicht als solche wahrgenommen werden. Nicht sein Ende und sein Anfang. Auch nicht seine Grundlage und sein Sitz: Nachdem dieser fest verwurzelte Feigenbaum mit der Axt der Verhaftungslosigkeit gefällt worden ist, muss dieses Ziel angestrebt werden, von dem niemand zurückkommt, wenn er hingelangt ist. Ich suche Zuflucht zur höchsten Seele, von der die Aktivität, die ursprüngliche Energie kam, die keinen Anfang und kein Ende hat.“

 In den ersten beiden Versen des 15 Kapitels hat Krishna die schöne Analogie des Feigenbaumes gegeben und uns gesagt, dass wir alle, wie die Blätter und die Knospen eines Baumes sind. Wir sind alle miteinander verbunden, sind alle Geschöpfe des gleichen Baumes. Das klingt sehr schön und herzerwärmend. Deshalb habe ich nach den ersten Versen eine Pause gemacht, damit du dir deiner Verbindung mit allen Geschöpfen bewusst bist.

Als Nächstes sagt er, dass man diesen Feigenbaum fällen muss. Du sollst über diesen Feigenbaum hinausgehen, auch wenn es so schön ist zu sagen, dass wir alle Blüten und Knospen des gleichen Baumes sind. Denn wir sind Bewusstsein an sich. Da ist ein Baum mit Knospen und Blättern und wir identifizieren uns mit einem Körper und einer Psyche, aber wir sind es nicht. Es gilt verhaftungslos zu sein und darüber hinauszuwachsen. Krishna sagt, dass es dein Ziel ist, über alles Relative hinauszuwachsen. Nur das gibt dir das, was du wirklich suchst.

Bewusst oder unbewusst hat jeder Mensch Sehnsucht nach seinem göttlichen Ursprung. Menschen wollen Ewigkeit, nicht bedingtes Glück und alles Wissen. Sie wollen nicht bedingtes Sein haben. Deine wahre Natur ist Sat-Chid-Ananda: Sein, Wissen und Glückseligkeit. Gib dich nicht mit weniger zufrieden.

Krishna sagt, dass man Zuflucht suchen muss, um zur höchsten Seele, von der die Aktivität und die Energie kam und kein Anfang und kein Ende hat, zu gelangen. Also Welten kommen und Welten gehen. Sie sind immer wieder im Kommen und im Gehen. Scheinbar ohne Anfang und Ende. Innerhalb der Welt gibt es kein Ende. Er hat einmal in vorherigen Kapiteln von Kalpas großen Zeitaltern gesprochen. 311 Billionen Jahre und mancher anderen Interpretation sogar 311 Trillionen Jahre, was riesige Zeiträume sind. Solange dauert ein Schöpfungszyklus und nach einem Zyklus kommt wieder der nächste. Innerhalb der relativen Welt hört es nie auf. Aber es hört für dich auf. Du kannst mit der Axt, der Unterscheidungskraft und der Verhaftungslosigkeit deine Verbindung mit diesem Baum fällen.

15 Kapitel Vers 15: Krishna: „Frei von Stolz und Täuschung, siegreich über das Übel der Verhaftung. Stets im Selbst weilend, nachdem ihre Wünsche vollständig verschwunden sind und sie frei sind von den Gegensatzpaaren, wie Vergnügen und Schmerz, erreichen die Ungetäuschten das ewige Ziel.“

Mit dem Schwert der Verhaftungslosigkeit kannst du die Verbindung, der Verhaftung dieser Welt überwinden. Er nennt noch ein paar mehr Dinge, die wir machen sollen. Frei von Stolz und Täuschung sein, um die Verhaftung zu überwinden. Er sagt siegreich über das Übel der Verhaftung sein. Und es ist auch wichtig, dass du erkennst, dass Verhaftung von Übel ist. Du hast zum Beispiel eine Verhaftung an deinen Job, deine Fähigkeiten, an deine Mitmenschen, an Familie, Freunde und so weiter. All diese Verhaftungen führen zu Problemen. Frei vom Übel der Verhaftung und im Selbst weilend. Zu deinem Selbst in der Mediation kommen und nicht von deinen Wünschen abhängig sein. Und frei von Vergnügen und Schmerz, indem man die Täuschungen überwindet. So erreichst du das Ziel.

Kapitel 15, Vers 6: Krishna: „Dort scheint weder Sonne noch Mond, noch Feuer. Wer dorthin gelangt ist, kehrt nicht zurück. Es ist meine höchste Wohnstatt.“

Das Licht von Sonne und Mond ist nicht in dem höchsten Selbst. Auch kein Feuer. Die Wohnstatt Gottes ist das reine Licht, wo es hinzukommen gilt und wo du Gott erfährst. Du hast die Sehnsucht deiner Seele erfüllt, wenn du dorthin gelangt bist. Du willst dort bewusst oder unbewusst hin und wirst nur zufrieden sein, wenn du das erreichst. Daher sollst du danach streben, es zu erfahren. Mache alles, was nötig ist, um dort hinzukommen.

Kapitel 15, Vers7: Krishna: „Nachdem ein ewiger Teil von mir eine lebendige Seele in der Welt des Lebens geworden ist, zieht diese die fünf Sinne und auch den sechsten, den Geist an sich, die in der Natur wohnen.“

So erklärt Krishna, wie eine Einzelseele entsteht. Krishna selbst scheint eine Einzelseele zu sein: „ein ewiger Teil von mir, scheint eine lebendige Seele in der Welt geworden zu sein.“  Dort gibt es dann die fünf Sinne und natürlich auch den sechsten, den Geist. So bist du also die Manifestation des Göttlichen. So wie der Herr, Gott, einen individuellen Körper einnimmt und wieder verlässt, trägt der Wind die Düfte von ihrem Herkunftsort mit sich.

Es ist Gott, der in einen Körper hineingeht und so bist du letztlich Gott, der sich mit einem Körper identifiziert. Aber Gott will wieder zu sich selbst zurückkehren und die Sehnsucht, welche du nach dem ewigen Glück hast, ist die Sehnsucht nach deiner Selbst. Die Erfahrung deiner Selbst, als Purushottama, also höchstes Bewusstsein.

Kapitel 15, Vers 9: Krishna: „Gott waltet über Ohr, Augen, Tasten, Geschmack, Geruch, wie auch über den Geist und nimmt die Sinnesobjekte wahr.“

Darüber kannst du ein wenig nachdenken. Du willst zum einen die Verhaftung überwinden, aber du als Individuum existierst nicht als Individuum. Als Individuum bist du das Göttliche, welches sich mit Körper und Psyche identifiziert. Gehe über diese Identifikation hinaus und erkenne dich selbst als das Göttliche. Denke darüber nach!

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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