Woran kann man erkennen, dass du in Sattva, Rajas oder Tamas bist? Welche Auswirkungen hat Sattwa, Rajas und Tamas auf das Leben nach dem Tod und zur nächsten Inkarnation? Welche Auswirkung hat Sattwa, Rajas und Tamas auf deine Bewusstseinsebene? Darüber spricht Krishna in der Bhagavad Gita, ab dem 11 Vers im 14 Kapitel.
Kapitel 14 Vers 11: Krishna sprach: „Wenn durch jedes Tor in diesem Körper das Licht der Weisheit scheint, kann erkannt werden, dass Sattwa vorherrscht.“
Die Tore des Körpers sind die Sinne. Wenn du im Sattwa bist, dann nimmst du auch sattwiges wahr. Wenn du im Sattwa bist und dann einen Menschen anschaust, dann siehst du ihn mit Wohlwollen. Wenn du im Sattwa bist und du hörst etwas, dann hörst du es mit Wohlwollen. Wenn es dir gut geht und du im Sattwa bist, dann fühlst und spürst du auch gut. Aber er spricht nicht nur darüber, dass du dich gut fühlst, sondern dass das Licht der Weisheit scheint. Also, nur wenn du Sattwig bist, erkennst du auch die Dinge, so wie sie sind.
Angenommen du bist im Rajas und sprichst mit einem Menschen, dann wirst du das, was er oder sie will falsch interpretieren. Wenn du im Tamas bist, dann bist du im Unwissen. Du wirst nicht erkennen was deine eigentliche Arbeit ist. Wenn du im Tamas und im Rajas bist, dann weißt du nicht, was eine bestimmte Situation für dich zu bedeuten hat. Wenn du also wissen willst, was etwas für eine Bedeutung hat und welche Motivation ein Mensch hat, dann sorge erst dafür, dass dein Gemütszustand im Sattwa ist. Komme nicht zu voreiligen Schlüssen, sondern stelle erst alles Mögliche infrage. Sorge erst dafür, dass du in Sattwa kommst.
Vor einiger Zeit habe ich bei einer Eröffnung eines neuen Yoga Vidya Centers mit denen gesprochen, die sich dafür engagiert haben. Sie haben plötzlich gesagt, dass ein anderes Yoga Vidya Center, welches in der Nähe sei, nicht gut auf sie zu sprechen ist. „Woher weißt du das?“ Habe ich gefragt. Die Antwort war: „Ich habe mit jemandem anderen gesprochen und dies zu hören bekommen.“ Daraufhin habe ich gefragt: „Woher weiß der das?“ Daraufhin wurde nachgehakt und es stellte sich heraus, dass nochmal jemand anders so gedacht hatte. Somit wurde es zu einer festen Aussage, dass das andere Yogacenter etwas gegen sie hat, aber niemand hatte mit den Menschen von dem anderen Center gesprochen. Vermutlich hatte sich das neue Center nicht dem anderen Center vorgestellt, und dadurch dachte man im anderen Center, dass sie etwas gegen sie haben.
Voreilige Schlüsse gibt es immer wieder. Zuerst einmal sollte man nicht träge sein, worüber Krishna schon im Vers davor gesprochen hat. Er sagte: „Verblendung kommt aus Trägheit, Nachlässigkeit und Faulheit.“ Man sollte nicht gleich zu Schlüssen kommen, sondern nachhaken. Und grundsätzlich, wenn du im Tamas und Rajas bist, dann geh davon aus, dass deine Schlüsse falsch sind. Es könnte auch mal sein, dass sie richtig sind. Aber um erstmal von der Arbeitshypothese auszugehen, wenn du im Rajas oder Tamas bist, dann sind die Aussagen und Schlüsse, die du triffst erstmal falsch. Daraufhin kannst du hinterfragen und dafür sorgen, dass dein Geist sattwig wird und dann strahlt das Licht der Weisheit. Krishna sagt zwar hier, dass wenn durch jedes Tor im Körper das Licht der Weisheit scheint, dann kann erkannt werden, dass Sattwa vorherrscht. Aber umgekehrt könntest du auch sagen, dass du deinen Geist erst einmal in einen sattwigen Zustand bringen sollst, um ihm mehr zu trauen.
Kapitel 14 Vers 12: Krishna: „Gier, Aktivität, Ausführen von weltlichen Handlungen, Ruhelosigkeit und Sehnsucht; sie entstehen, wenn Rajas vorherrscht, oh Arjuna.“
Wenn du in rajas bist willst du mehr haben und bist gierig. Du willst viel tun, bist unruhig und denkst darüber nach, was dir fehlt. Daher wirst du auf dieser Basis, alles rajas interpretieren. Wenn du rajasig bist, denkst du: Wie kann ich diesen Menschen dazu bringen, dass er das tut, was ich gerne hätte. Oder du bist dem Menschen gegenüber ärgerlich, weil du annimmst, dass er dir nicht das ermöglicht, was du gerne hättest.
Wenn du in rajas bist, dann wirst du alles von dem Hintergrund deiner Sehnsucht und Wünsche interpretieren. Du wirst das Karma auch nicht so sehen, wie es jetzt ist, also welche Aufgaben du hast, sondern du wirst Karma danach beurteilen, ob du das bekommst, was du willst. Du beurteilst anhand deiner Erwartungen. Das kannst du mit Humor zur Kenntnis nehmen. Du kannst sehen, was dein Geist macht, wenn du im Rajas bist. Du kannst die Situation von außen betrachten und deinen Geist beobachten. Du kannst dir sagen, dass du nicht dem folgen musst, was der Geist dir empfiehlt. Du kannst stattdessen den Geist sattwig machen und die rajasigen Wünsche verschwinden.
Kapitel 14 Vers 13: „Dunkelheit, Trägheit, Unachtsamkeit und Täuschung. Sie entstehen, wenn Tamas vorherrscht, oh Arjuna!“
Vorher hat Krishna darüber gesprochen, was zu Tamas führt und jetzt schreibt er, was die Manifestationen von Tamas sind, das, was du erwarten kannst, wenn du in einem tamasigen Gemütszustand bist. Er sagt: „Dunkelheit, Trägheit, Antriebslosigkeit und Unachtsamkeit“. Die Dinge, die da sind, wirst du nicht bemerken. Also pramada, Nachlässigkeit und moha, Täuschung. Wenn du in einem tamasigen Gemütszustand bist, dann gehe davon aus, dass du dich täuschst und sei dir bewusst, dass du manches auch nicht bemerken wirst. Du wirst vieles nicht richtig machen. Schimpfe nicht gleich, sondern werde dir bewusst, dass du im tamasigen Gemütszustand warst oder bist, ohne es zu merken.
Du musst kein schlechtes Gewissen haben, denn du selbst bist unsterblich. Es war dein tamasiger Gemütszustand. Du kannst deinen Gemütszustand ändern.
Dann geht es um Dunkelheit, Aprakasha. Es ist nicht nur Dunkelheit, sondern auch Traurigkeit. Du musst nicht lange nach den Ursachen forschen, wenn du traurig bist. Wenn du lange genug suchst, wirst du genügend Gründe finden, warum es dir schlecht geht. Die Welt ist so, dass es viele Gründe gibt, warum es dir gut geht und warum es dir schlecht geht. Wenn du genügend Gründe findest, warum es dir schlecht geht, dann geht es dir nicht besser, sondern nur noch schlechter. Stattdessen könntest du überlegen, wie du aus dem Tamas in das Sattwa kommen kannst. Vielleicht bist du müde und musst eine Tiefenentspannung machen, oder am nächsten Tag früher schlafen gehen und nicht bis spät Chatnachrichten lesen. Du könntest nicht zu spät essen und vor dem Schlafengehen meditieren. Mache deine Asanas, dein Pranayama, wiederhole Mantras und mache eine Tiefenentspannung. So wird der Geist sattwiger und ist der Geist sattwiger, dann leuchtet das Wissen.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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