YVS522 Erkenne das Unvergängliche - BhG XIII 23-34

Erkenne das Unvergängliche, erkenne das, was du wirklich bist, erkenne das, was hinter allem ist. Erfahre das Göttliche und erfahre dich selbst als eins mit dem Unendlichen. Kommentar zur Bhagavad Gita 13. Kapitel ab Vers 23: Das 13. Kapitel ist reiner Jnana Yoga – Yoga des Wissens mit hohen spirituellen Idealen und somit wichtig für jeden spirituellen Aspiranten

yaevaṃvettipuruṣaṃ

prakṛtiṃcaguṇaiḥsaha

sarvathāvartamāno ’pi

na sabhūyo.abhijāyate

dhyānenātmanipaśyanti

kecidātmānamātmanā

anyesāṅkhyenayogena

karmayogenacāpare

anyetvevamajānantaḥ

śrutvānyebhyaupāsate

te ’picātitarantyeva

mṛtyuṃśrutiparāyaṇāḥ

Kapitel 13 Vers 23: Krishna sprach: „Wer so Purusha und Prakriti zusammen mit dem Gunas kennt wird nicht wiedergeboren. Unabhängig vom Zustand in dem er sich befindet.“

Wie kannst du die Erleuchtung, die dich dazu führt, dass du nicht wiedergeboren werden musst erlangen? Erkenne: Du selbst bist Purusha, das reine Bewusstsein. Du selbst nimmst Prakriti wahr und die Prakriti enthält die Gunas, verschiedene Eigenschaften. Aber du bist nicht die Materie, du bist nicht die Gunas. Du nimmst sie alle wahr. Und egal in welchem Zustand dein Körper und deine Psyche sich befindet, es spielt keine Rolle, erkenne dich selbst als Bewusstsein. Du musst nicht die Erkenntnis des Selbst verschieben. Du musst jetzt nicht sagen: momentan bin ich so überbeschäftigt, momentan muss ich mich um meinen Magen-Darm kümmern. Momentan muss ich mich um meine Kinder kümmern, momentan muss ich mich um meine Beziehung kümmern. Erst muss das Haus renoviert sein und so weiter, oder das Fahrrad repariert. Diese Dinge sind in der relativen Ebene natürlich zu tun. In der Bhagavad Gita geht es ja auch darum, dass du die höchste Verwirklichung im Alltag erreichen kannst. Krishna sagt hier: Du kannst das höchste erfahren, egal in welchem Zustand du dich befindest. Wie kannst Du jetzt das höchste erfahren? Darum geht es in den nächsten Versen.

Kapitel 13 Vers 24: Krishna sprach: „Manche Menschen nehmen durch Meditation das Selbst in sich selbst durch sich selbst wahr; andere durch den Yoga der Erkenntnis und wieder andere durch den Yoga der Handlung“

Hier beschreibt er drei Wege: Den Weg der Meditation, Raja Yoga; den Yoga der Erkenntnis, Jnana Yoga und den Yoga des uneigennützigen Dienens und des verhaftungslosen Handelns, Karma Yoga. Was im Grunde genommen Krishna in der Bhagavad Gita lehrt ist der ganzheitliche Yoga, den Swami Sivananda als Integral Yoga bezeichnet hat, und was wir bei Yoga Vidya in besonderem Maße lehren. Also alles miteinander verbinden. Meditiere und in der Meditation erfahre dich als das Selbst. Im Alltag nutze deine Viveka, deine Unterscheidungskraft, um dich nicht zu identifizieren und dich überall als Selbst wahrzunehmen. Realisiere im Alltag das uneigennützige Tun. Es ist noch nicht das Ende des spirituellen Weges zu sagen: Ich bin das unsterbliche Selbst und danach zu schimpfen, wenn jemand nicht freundlich zu dir ist. Sei dir bewusst du bist das unsterbliche Selbst und das musst du auch im Karma Yoga umsetzen.

Kapitel 13 Vers 25: Krishna sprach: „Auch andere, die dieses Wissen nicht haben, verehren es, da sie von anderen davon gehört haben; auch sie gehen über den Tod hinaus, da das Gehörte für sie die höchste Zuflucht bedeutet“

Für manche Menschen ist Jnana Yoga ganz einfach, für andere ist es kompliziert und abstrakt. Sie wollen lieber Gott verehren und bitten: Hilf mir, zum höchsten Selbst, zum höchsten Wissen hinzukommen.  Das ist dann Bhakti Yoga. Wann immer Krishna über Jnana Yoga oder Raja Yoga spricht flechtet er zum Schluss noch einen Bhakti Yoga Vers ein und sagt damit: Verehre Gott, verehre das Göttliche, verehre Brahman und auch das wird dich zum Höchsten bringen. Nimm Zuflucht beim Absoluten und das Absolute wird dich zur Befreiung führen.

Kapitel 13 Vers 26: Krishna sprach: „Wo immer ein bewegtes oder unbewegtes Wesen geboren wird - wisse oh Arjuna, dass dies aus der Verbindung des Feldes mit dem Kenner des Feldes geschieht.“

Also, wann immer ein Einzelwesen da zu sein scheint geschieht das. Es gibt zum einen das Feld kshetra und es gibt kshetrajna. Es gibt zum einen den großen kshetrajna, Brahman genannt oder Purusha und dieser manifestiert sich dann als kshetrajna von einem konkreten Wesen. Kshetra ist das Einzelfeld, wie Krishna es am Anfang der Bhagavad Gita beschrieben hat. Körper und Psyche kann man als ein kshetra bezeichnen und dann gibt es verschiedene kshetrajnas, also verschiedene Kenner des Feldes, Individuen. Alle Individuen sind letztlich Manifestationen des gleichen Purusha und Brahman. Jede Einzelseele ist Manifestation des einen Brahmans mit der gesamten Prakriti, aber durch ein konkretes Einzelwesen. Also, wann immer es ein Einzelwesen gibt ist immer eine Verbindung von Purusha und Prakriti.

Kapitel 13 Vers 27: Krishna sprach: „Und derjenige, der den höchsten Herren in gleicher Weise in allen Wesen existieren sieht erkennt das Unvergängliche im Vergänglichen.“

 Du könntest sagen: Ja, ich bin kshetrajna, habe hier meinen kshetra, und dort ist jemand anders, der hat seinen kshetra und er ist selbst das kshetrajna in diesem anderen Körper. Aber hier sagt Krishna: Du erkennst wirklich, wenn dir klar wird, dass alle Einzelseelen Manifestationen der einen unendlichen Seele sind, welche du auch als Gott, als Ishvara sehen kannst. Gott ist zum einen die Seele des Universums er ist zum anderen der Schöpfer, Erhalter, Zerstörer dieses Universums. Er ist der, den Du verehren kannst  und um Hilfe bitten kannst. Aber letztlich ist er auch das Selbst in allen Wesen.

Kapitel 13 Vers 28: Krishna sprach: „Wer Gott in gleicher Weise überall sieht zerstört nicht das Selbst, er geht zum höchsten Ziel.“

Erkenne, das ganze Universum ist eine Manifestation von Prakriti und die gesamte Prakriti ist für Purusha da. Es gibt einen einzigen Gott, Ishvara, der manifestiert sich hinter der ganzen Welt schöpft, erhält und zerstört die Welt und dieser eine Ishvara manifestiert sich in jedem Wesen, auch als scheinbare Einzelseele. Alles ist letztlich Gott, Du kannst hinter allem Gott sehen. Du kannst bei jedem Menschen und jedem Tier, jeder Pflanze die Manifestation des Göttlichen spüren. Du kannst die Manifestation des Göttlichen in der Tiefe Deines Selbst erkennen und dieses Göttliche nimmt alles andere wahr, ist aber nicht darauf beschränkt.

Kapitel 13 Vers 29: Krishna sprach: „Derjenige sieht, dass alle Handlungen allein von der Prakriti ausgeführt werden und dass das Selbst handlungslos ist.“

Alle Handlungen kommen von der Natur. Hier steht wiederum „karmani“, was heisst: Auch alles Karma ist in der Natur. Das Selbst ist jenseits von Handlung und jenseits des Karmas. Wenn du irgendetwas tust, bist es nicht du, sondern dein Feld tut es im Rahmen des übergeordneten Feldes. Und wenn du Karma erlebst, dann ist es etwas, das die Natur betrifft, du selbst bist davon nicht betroffen. Du selbst bist jenseits von Karma und Handlung.

Kapitel 13 Vers 30: Krishna sprach: „Wenn der Mensch die ganz Vielfalt der Wesen in dem Einen ruhen sieht und auch sieht, dass sie daraus entstehen gelangt er zum Absoluten.“

Sei Dir also bewusst – alle Wesen ruhen in dem Einen. Sie scheinen aus dem Einen zu entstehen, aber sie ruhen letztlich in dem Einen und wenn du das erkennst und keinen Unterschied mehr machst zwischen dir und anderen Wesen und erkennst, dass Körper und Psyche nur Teil von der Natur sind, dann erfährst du deine wahre Natur als das Göttliche.

Kapitel 13 Vers 31: Krishna sprach: „Da Es (das Brahman) ohne Anfang und ohne jede Eigenschaft ist vollführt das höchste unsterbliche Selbst obwohl es im Körper weilt, oh Arjuna keine Handlung und wird auch nicht berührt. Also, identifiziere Dich nicht.“

Kapitel 13 Vers 32: Krishna sprach: „So wie der alles durchdringende Raum wegen seiner Subtilität nicht berührt wird, so wird auch das Selbst, das überall im Körper ist nicht berührt.“

Zum Beispiel: Der gesamte Raum wird nicht berührt von dem, was dort geschieht. Es gibt den großen Raum: Akasha und dann gibt es natürlich den kleinen Raum zum Beispiel bin ich jetzt hier im Svadhisthana Raum in der Chakra Pyramide von Yoga Vidya Bad Meinberg. Dem Raum ist es gleich, ob wir hier filmen oder nicht filmen. Vor zwei Stunden hat Eduard hier die Kamera herein gebracht, dann hat er den schönen Altar gerichtet, und ich setzte mich hin. Der Raum ist davon unberührt und wenn in ein paar Stunden alles wieder weggeräumt wird passiert mit dem Raum dort auch wiederum nichts. Nachher gibt es vielleicht eine Yogastunde, während dem Raum auch nichts passiert. Irgendwann wird der Raum wieder gestrichen, er wird gelüftet, Luft geht hinein und wieder hinaus, doch dem Raum an sich, dem macht all das nichts. So ähnlich auch mit dem unendlichen Bewusstsein, Purusha. Innerhalb von Purusha entstehen verschiedene psychische Zustände. Freude, Vergnügen und Schmerz, Gekränktheit und Ärger, Depressivität und Enthusiasmus, Begeisterung und Mangel an Begeisterung. Alles das geschieht in Prakriti. Dem Selbst passiert dabei nichts. Ein weiteres Beispiel ist der Körper. Mal ist er gesund, dann fängt er Viren ein und ist erkältet, oder irgendwo reibt ein Knochen an einem anderen und verursacht Knochenprobleme, das Selbst jedoch ist davon nicht berührt.

Kapitel 13 Vers 33: Krishna sprach: „So wie die eine Sonne die ganze Welt erhellt, so erhellt auch der Herr des Feldes das ganze Feld oh Arjuna.“

Auf dieser Erde wird alles erhellt durch die Sonne. Wir mögen jetzt sagen: Es gibt Kunstlicht, aber letztlich was ist Kunstlicht? Es kommt durch Elektrizität. Wo kommt die Elektrizität her? Zum Beispiel durch Gaskraftwerke. Woher kommt das Gas? Es kommt aus irgendwelchen Biomaterialien, die irgendwann Sonnenlicht gesammelt haben. Die Quelle von Elektrizität ist Quelle von Licht, und an dieser war letztlich wieder die Sonne beteiligt. Daher, alles auf dieser Welt wird durch die Sonne erleuchtet. Die einzelnen Wesen mögen jetzt sagen - die Sonne ist nur für mich da, nur ich sehe die Sonne. Wir wissen, die eine Sonne ist für alle da. Genauso gibt es dies eine Bewusstsein und dieses eine Bewusstsein erhellt das gesamte Feld kshetra. Dieses eine Bewusstsein wirkt über die Einzelseelen. Aber die Einzelseelen sind nichts anderes als das reine, unendliche Bewusstsein.

Kapitel 13 Vers 34: Krishna sprach: „Menschen, die durch das Auge des Wissens den Unterschied zwischen dem Feld und dem Kenner des Feldes wahrnehmen und auch die Befreiung der Natur des Seins, gehen zum Höchsten.“

Das ist der 34. Vers, der Abschlussvers des 13. Kapitels der Bhagavad Gita. Und so möchte ich diesen Vers noch einmal auf Sanskrit rezitieren und dir danach noch eine kleine Aufgabe geben, wie du das was du gehört oder gelesen hast, umsetzen kannst.

kṣetrakṣetrajñayorevam

antaraṃjñānacakṣuṣā

bhūtaprakṛtimokṣaṃca

yeviduryāntiteparam

Hari omtatsaditiśrīmadbhagavadgītāsūpaniṣatsu

brahmavidyāyāṃyogaśāstreśrīkṛṣṇārjunasaṃvāde

kṣetrakṣetrajñavibhāgayogonāmatrayodaśo ´dhyāyaḥ

So endet in den Upanishaden der glorreichen Bhagavad Gita, der Wissenschaft vom Ewigen, der Schrift über Yoga, des Dialogs zwischen Shri Krishna und Arjuna das 13. Kapitel mit dem Namen: Der Yoga der Unterscheidung zwischen dem Feld und dem Kenner des Feldes.

 

  1. Kapitel - Thema war: Der Yoga der Unterscheidung zwischen dem Kenner und dem Feld. Du bist nicht der Körper, du bist nicht die Psyche, du bist das Bewusstsein an sich. Mache dir dessen bewusst. Alle mit denen du zu tun hast sind in ihrer Essenz auch Purusha und damit Brahman. In der Tiefe bist du mit allen verbunden. Es gibt nur dieses eine unsterbliche Selbst. Mache dir das immer wieder bewusst. Alle Einzelwesen sind nur Brahman. Die Körper (physisch, astral, Kausalkörper) sind Teil von kshetrakshetra, Feld der Felder. Es ist Brahman, Gott, der der Kenner aller Felder ist. Meditiere darüber, denke darüber nach oder verehre einfach dieses Göttliche, dieses Unendliche, das sich in allem manifestiert. Hari Om tat sat.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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