YVS519 Kshetra und Kshetrajna - BhG XIII 1-11

Der Yoga der Unterscheidung zwischen dem Feld und dem Kenner des Feldes

Bhagavad Gita Kapitel 13, Vers 1 bis 11

Wer bin ich wirklich? Was ist die Seele? Was ist Bewusstsein? Was ist diese Welt? Wie kannst du dich selbst erkennen, wie kannst du das Göttliche hinter allem erkennen? Woraus besteht das Universum?  Um diese Fragen geht es im 13. Kapitel der Bhagavad Gita.

Das 13. Kapitel ist der Beginn des letzten Drittels der Bhagavad Gita. Hier geht es um Jnana Yoga, um den Yoga der Erkenntnis. Hier geht es um Vedanta, das höchste Wissen, und darum, wie du es erlangen kannst.

Zunächst die ersten Verse des 13. Kapitels auf Sanskrit:

arjunauvaca

prakritimpurushamcaiva

kshetramkshetra-jnamevaca

etadveditumicchami

jnanamjneyamcakeshava

śrībhagavānuvāca

idaṃśarīraṃkaunteya

kṣetramityabhidhīyate

etadyovettitaṃprāhuḥ

kṣetrajñaititadvidaḥ

kṣetrajñaṃcāpimāṃviddhi

sarvakṣetreṣubhārata

kṣetrakṣetrajñayorjñānaṃ

yattajjñānaṃmataṃmama

 

Arjuna sprach:

Ich möchte von der Natur und vom Bewusstsein hören, von prakriti, der Natur, und von purusha. Vom Feld und vom Kenner des Feldes, vom Wissen und zum Wissenden, oh Keshava, oh Krishna.

 

Kommentar:  Arjuna hat im 11. Kapitel Krishna als Seele des Universums gesehen. Er hat verstanden, dass hinter allem eine göttliche Wirklichkeit ist. Und so weiß er, wovon Krishna gesprochen hat: Das ist die Wahrheit, und er erinnert sich, dass Krishna in den vorigen Kapiteln auch von purusha gesprochen hat, von der Seele, dem Bewusstsein, von dem, was unveränderlich ist. Und auch von prakriti, der Natur. Prakriti hat in der Bhagavad Gita mehrere Bedeutungen. Zum einen ist prakriti die Natur des Menschen, ähnlich wie im Ayurveda. Im Ayurveda ist prakriti das Temperament des Menschen, das Dosha-Verhältnis. Krishna spricht in der Bhagavad Gita davon, dass der Mensch eine eigene Natur hat, und man soll seiner Natur gemäß handeln. Man soll nicht von Mögen und Nichtmögen (raga und dvesha) getrieben werden,  auch  nicht von kama und lobha (Sinnesgier und anderen Gieren). Dies ist ein Konzept der Bhagavad Gita.

Aber prakriti hat insbesondere in der Sankhya-Philosophie eine weitere Bedeutung: Dort ist prakriti die gesamte Natur, das manifeste Universum. Und darüber will Arjuna jetzt mehr wissen. In der Sankhya-Philosophie gibt es auch purusha. Und dort ist purusha das Selbst, das Bewusstsein, die Seele, das, was sich nicht verändert. Purusha hat auch andere Bedeutungen. Purusha heißt z.B. auch Mensch, es kann auch Mann heißen. Purusha hat also viele Bedeutungen, aber im Kontext dieser philosophischen Ausdrücke, die Arjuna hier erfragt, ist die Bedeutung vom Sankhya her gemeint. Und so will Arjuna jetzt wissen: Was ist das, wovon du gesprochen hast, prakriti, die ganze Welt, die ganze Natur, die manifeste Welt? Und was ist purusha, also die Seele, das Bewusstsein, welches sich hinter allem befindet?

Krishna hat es vorher auch Feld genannt, ksetra. Man könnte sagen, das gesamte Universum ist kshetra, das Feld, auf dem sich alles abspielt. Und purusha, also das Selbst, ist auch ksetrajna, also der Kenner des Feldes. Ajna Chakra, ist das Chakra des Kennens, und Ajna ist u.a. auch der Kenner. Ajna heißt auch Befehl, Kommando, und Ajna ist daher das Erkenntniszentrum, das Kommandozentrum. So heißt es hier kshetrajna, der Kenner des Feldes.

Dann will Arjuna auch wissen: Was ist jnana? Jnana ist das Wissen, und jneya, das zu Wissende. Es gibt also die Erkenntnis, aber was genau ist zu erkennen? All das will Arjuna wissen. Er stellt hier jetzt die tiefen Jnana Yoga Fragen, und das leitet praktisch das letzte Drittel der Bhagavad Gita ein, wo es zunächst einmal um Jnana Yoga geht, um den Yoga des Wissens. Um Jnana Yoga geht es insbesondere im 13. und im 15. Kapitel. Die weiteren Kapitel sind Jnana Yoga in einem relativeren Sinn. Im 14. Kapitel geht es um die Gunas, und im 16. Kapitel geht es um die Ethik: Wie handelt man ethisch, und wie kann man erkennen, wenn man von seinem Geist in die Irre geführt wird? Im 17. Kapitel geht es wieder um die 3 Gunas, und wie man die Gunas transzendiert. Im 18. Kapitel geht es um den Sinn der spirituellen Praktiken, und wie man sie so üben kann, dass sie zur Befreiung führen. Dann geht es nochmals um die Frage: Wie trifft man gute Entscheidungen? Wie handelt man? Im 18. Kapitel geht es auch noch darum, wie man das, was man im Yoga erkannt hat weitergibt, also um den Yoga des Lehrens.

Diese 6 Kapitel und das 13. Kapitel beschäftigen sich in besonderem Maße mit Jnana Yoga.

Die vorhin zitierte Frage Arjunas wird übrigens manchmal als der 0. Vers des 13. Kapitels gesehen, denn in manchen Verszählungen wird er nicht mitgezählt und ist so etwas wie die „Einführung“, oder er erscheint auch manchmal gar nicht. Es heißt ja, dass die Bhagavad Gita 700 Verse hat, und so wird diese Vorfrage von Arjuna nicht als eigenständiger Vers mitgezählt. Und so ist die Antwort von Krishna der 1. Vers des 13. Kapitels.

Kapitel 13 Vers 1: Krishna sprach:„Dieser Körper, oh Arjuna, wird als das Feld bezeichnet, und er, der sich dessen bewusst ist, wird von denen, die davon wissen, Kenner des Feldes genannt.“

Kommentar: Ksetra ist das Feld, ksetrajna ist der Kenner des Feldes. Dahinter verbirgt sich eine gewisse Doppelbedeutung, denn die Bhagavad Gita findet auf dem sogenannten Kuruksetra, dem Feld der Kurus, der Söhne von Kuru, statt. Mit diesem Satz sagt Krishna: Die ganze Mahabharata und er ganze Kampf von Kuruksetra sollte man als Geschehen deuten, als das, was mit dem Menschen passiert. Und alles, was auf Kuruksetra passiert, der ganze Kampf der Mahabharata, ist eigentlich der innere Kampf, der im eigenen Geist, und im Körper vor sich geht. Und so ist dieser Körper (sharira), das Feld.

Hier steht „idamshariram“, also DIESER Körper. Es gibt nicht nur einen Körper. Es gibt den physischen Körper, annamayakosha, auch sthulasharira genannt. Es gibt den Feinstoffkörper, also sukshmasharira. Es gibt den Kausalkörper, karanasharira genannt. Man könnte sagen: Diese 3 Körper zusammen ist ksetra, das Feld, auf dem alles geschieht. Doch du bist nicht das Feld. Angenommen, du gehst auf ein Kornfeld. Dann bist du nicht dieses Feld, aber du erlebst es dort. In diesem Sinne bist nicht du das  Feld, sondern der Körper, die Psyche, und auch der Kausalkörper.

Und dann gibt es ksetrajna, das Bewusstsein, welches alles erlebt, und welches auf diesem Feld wirkt.

Kapitel 13 Vers 2: „Wisse auch, dass ich der Kenner des Feldes aller Felder bin, oh Arjuna. Wissen um beides, Feld und Kenner des Feldes, betrachte ich als eigentliche Erkenntnis.“

Kommentar: Zunächst einmal bist du als Individuum Kenner deines eigenen Feldes, deines Körpers und deiner Psyche. Das äußere Feld ist da, wo du etwas tust, dein Zuhause, deine Familie, deine Arbeitsstelle, die Gegend, wo du wohnst, das was du erlebst. Du weißt von der Welt nur das, was in deiner eigenen Psyche ist. Was nicht in deiner Psyche ist, das weißt du nicht. Und deshalb findet dein ganzes Erleben letztlich auf der Ebene des Körpers und auf der Ebene der Psyche, statt, also auf diesem sharira. Du bist der Kenner des Feldes. Dann gibt es noch das übergeordnete Feld, nämlich das Feld aller Felder, das gesamte Universum. Und hier sagt Krishna: Ich bin der Kenner des Feldes aller Felder. Das gesamte Universum ist also auch ein großes ksetra. Er nennt es hier „ksetraksetrajna“. Dieses Feld aller Felder ist das gesamte Universum, und Gott ist der Kenner des Feldes aller Felder. Und letztlich bist du selbst damit auch eine Manifestation des Göttlichen. Wenn das Göttliche sich manifestiert als Kenner von Körper und Psyche, dann nennt sich das Individuum. Gott manifestiert sich als der Kenner, als Bewusstsein des gesamten Universums. All dies zu erkennen, das ist das wahrhaftige Jnana, das wahrhaftige Wissen. Krishna sagt hier „erkenne, dass du der Kenner des Feldes bist, erkenne, dass Gott der Kenner des Feldes aller Felder ist“. Das ist die wahrhaftige Erkenntnis.

Kapitel 13 Vers 3: Krishna sprach:„Was und von welcher Art das Feld ist, welche Erscheinungsformen es hat, und woher es kommt, und auch wer es ist, was seine Kräfte sind, höre das alles kurz gefasst von mir.“

Kommentar: In diesem 3. Vers sagt Krishna zu Arjuna: Erfahre jetzt von mir, was dieses Feld überhaupt ist. Zuvor sagte er: Das Feld wie auch den Kenner des Feldes zu erkennen, das ist Jnana, das ist Wissen. Es ist nicht so wichtig, Details zu kennen, aber Grundlegendes. Und darüber will Krishna zu Arjuna sprechen.

Kapitel 13 Vers 4: „Weise besangen es auf mancherlei Art, in vielen besonderen Gesängen, und auch mit überzeugenden Worten, die das Absolute bezeichnen, die überlegt und bestimmt sind.“

Kommentar: Krishna will hier wieder sagen: Ich erzähle dir nichts, was nicht schon vorher bekannt war. An vielen Stellen beteuert er Arjuna: Dieses höchste Wissen ist schon uralt. „Oh Arjuna, ich will dir sagen, was die Rishis, die uralten Weisen, schon immer gewusst haben, in Übereinstimmung mit den alten Schriften, den Veden, und dem, was die großen Weisen auf verschiedene Art gesagt haben.“

Kapitel 13 Vers 5: „Die großen Elemente, das Ich-Bewusstsein, der Verstand, und auch die nicht-manifeste Natur, die 10 Sinne und der eine (der Geist), und die 5 Sinnesobjekte“

Kapitel 13 Vers 6: „Wunsch, Abneigung, Vergnügung, Schmerz, die Gesamtheit der Körper, Intelligenz, Unerschütterlichkeit – so ist das Feld kurz mit seinen Erscheinungsformen beschrieben worden.“

Diese Aufzählung des Feldes erscheint willkürlich. Da gibt es zum einen übergeordnete Prinzipien, wie die Materie und die nicht-manifeste Natur, und zum anderen das, was im Individuum ist, also Ich-Bewusstsein und Verstand, 10 Sinne (manas). Die Sinnesobjekte sind etwas Äußeres. Und dann Wunsch, Abneigung, Vergnügen, Schmerz, etwas Inneres. Danach geht es um alle Körper, und dann um die Unerschütterlichkeit, eine Eigenschaft. Krishna macht anscheinend beliebige Aufzählungen, er mischt. Er sagt damit: Es ist nicht ganz so wichtig, in welcher Reihenfolge du das machst. Vedanta würde dazu sagen: Es gibt die 3 Körper.

  • Der erste Körper ist Sthula Sharira, auch Annamaya Kosha genannt. Er ist der physische Körper, den du siehst. Dieser besteht aus den 5 grobstofflichen Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft und Äther.
  • Dann gibt es Sukshma Sharira, den Feinstoffkörper. Im Feinstoffkörper gibt es die 3 Hüllen: Pranamaya Kosha, Manomaya Kosha und Vijnanamaya Kosha. Im Pranamaya Kosha sind die 5 Pranas, sowie die Nadis und die Chakras. In Manomaya Kosha ist Manas und Chitta, das einfache Denken und Fühlen und das Unterbewusstsein. Im Unterbewusstsein sind die Samskaras und die Vasanas, also die Eindrücke, Fähigkeiten, Neigungen, wie auch die Wünsche. Chitta ist auch das Temperament. In der Vijnanamaya Kosha gibt es Buddhi, die Vernunft, und Ahamkara, das Ego. Diese 3 Koshas bilden die SukshmaSharira.
  • Es bleibt noch Anandamaya Kosha, auch Karana Sharira genannt, der Kausalkörper, die Ursache von allem.

Dies gilt im Individuellen. Im Kosmischen gibt es laut Vedanta-Ansicht die physische Welt, die Astralwelt und die Kausalwelt.

Dann gibt es noch die Sankhya-Philosophie, die prakriti auf eine wieder andere Weise einteilt. Krishna mischt beide zusammen, und lehrt uns damit, uns nicht zu viele Gedanken über die philosophische Exaktheit zu machen. Du könntest es auch in moderner Physik ausdrücken, z.B. dass es die verschiedenen 3 oder 5 Grundkräfte des Universums gibt, und es gibt das, was sichtbar ist, und das, was unsichtbar ist. Du könntest das äußere Universum also auch in moderner Physik beschreiben. Und du könntest auch den Menschen selbst beschreiben, mit Körper, mit Hirnfunktionen, mit der Psyche, den verschiedenen Hirnarealen und Nerven. Es würde auch wieder darauf hinauslaufen: das ist das Feld, ksetra. Und das ist prakriti, die Natur. Aber jenseits der Natur, dort ist purusha, das Selbst.

In diesem Sinne ist die Einteilung der prakriti pragmatisch. Das was dir hilft, dich in der prakriti zurechtzufinden, ist gut, egalob du es dir vedantisch, sankhyamäßig oder nach moderner Physik, Biologie und Psychologie erklärst. Es geht darum, zu erkennen: Das, was du erfährst, bist du nicht wirklich.

Kapitel 13 Vers 7-11: „Demut, Bescheidenheit, Sanftmut, Nachsicht, Geradlinigkeit, Dienst für den Lehrer, Reinheit, Beständigkeit, Selbstbeherrschung, Gleichgültigkeit gegenber den Sinnesobjekten, Nichtanhaften und auch das Fehlen von Überheblichkeit, das Erkennen von (oder das Nachdenken über) Leid in Geburt, Tod, Alter, Krankheit und Schmerz, Nichtverhaftung, Nichtidentifikation des Selbst mit Sohn, Frau, Heim und allem anderen und ständige Gelassenheit, gleichviel ob das Erwünschte oder Unerwünschte eintritt, Unerschütterliche Hingabe an Mich durch den Yoga des Nichtgetrenntseins, Verweilen an einsamen Orten, Abneigung gegenüber der Gesellschaft von Menschen, Beständigkeit der Selbsterkenntnis und Wahrnehmung des Zieles wahren Wissens – das wird Wissen genannt, und das, was dem entgegensteht, ist Unwissenheit“

Ab dem 7. Vers beschreibt Krishna eher Eigenschaften, die du noch entwickeln kannst. Im Kontext der prakriti bedeutet es, es ist gut, gute Eigenschaften zu entwickeln – jedoch BIST du auch nicht die guten Eigenschaften. Er nennt hier:

  • Demut
  • Bescheidenheit
  • Sanftmut
  • Nachsicht
  • Geradlinigkeit
  • Dienst für den Lehrer
  • Reinheit
  • Beständigkeit
  • Selbstbeherrschung
  • Gleichgültigkeit gegenüber den Sinnesobjekten
  • das Fehlen von Überheblichkeit
  • das Erkennen des Leides in Geburt, Tod, Alter, Krankheit und Schmerz
  • Nicht-Verhaftung
  • Nicht-Identifikation des Selbst mit Nachkommen, mit Mann oder Frau, mit Heim und allem anderen gegenüber
  • ständige Gelassenheit, gleichviel ob das Erwünschte oder das Unerwünschte eintritt
  • unerschütterliche Hingabe an Gott durch den Yoga des Nicht-Getrenntseins
  • Verweilen an einsamen Orten
  • Abneigung gegenüber der Gesellschaft von Menschen
  • Beständigkeit der Selbsterkenntnis und Wahrnehmung des Zieles wahren Wissens – das wird Wissen genannt. Und das, was dem entgegensteht, ist Unwissenheit.

Arjuna wollte ja wissen: Was ist überhaupt Wissen, was ist Jnana? Also erzählte ihm Krishna: Es gibt ksetra, das Feld, und ksetrajna, den Kenner des Feldes. Er sagte von ksetrajna: Alles, was in allen Feldern wahrnimmt, dass ist letztlich Gott selbst. Als Individuum nimmst du alles wahr, dein persönliches ksetra, Körper und Psyche. Gott nimmt das ganze Universum wahr.

Aber wie kannst du zum wahren Wissen kommen? Arjuna dachte sicher: Man muss wissen, wie groß das Universum ist, wie viele Menschen auf der Welt leben, man muss alles über die Elemente wissen usw. Das würde man vielleicht denken. Aber Krishna deutet das anders. Er sagt: Wenn du wirkliches Wissen entwickeln willst, dann entwickle positive Eigenschaften. Das ist das, was wahres Wissen ist. Und so kannst du auch überprüfen, ob dein Wissen wirklich gutes Wissen ist. Es gibt auch diese „Pandits“, die ein großes Wissen haben. Es gibt die Vedanta-Pandits, die alle Begriffe von Vedanta aufsagen und die großartigsten Vorträge halten können. Sie können über das Selbst und das Nicht-Selbst rezitieren, das, was erkennbar ist und was nicht. Doch Krishna will hier jetzt sagen: Wahres Wissen ist nicht die genaue Terminologie, sondern es drückt sich in positiven Eigenschaften aus. Du könntest z.B. aus den Versen 7 bis 11 jeden Tag eine dieser Eigenschaften zur Aufgabe machen. Du könntest sagen: Heute will ich Demut entwickeln. Und am nächsten Tag Bescheidenheit. Am nächsten Tag Sanftmut, am nächsten Tag Nachsicht, am nächsten Tag Geradlinigkeit. Oder du könntest sogar sagen: Eine Woche für jede Eigenschaft. Vielleicht dauert es dir zu lange, aber sei dir bewusst: Du wirst einige Jahrzehnte den spirituellen Weg gehen. Und es hilft tatsächlich, eine Weile mit einer Eigenschaft zu verbringen. Anstatt dir zu sagen: „Ich habe keine Zeit dafür“ oder „Es dauert mir zu lange“, und dich dann letztlich im Kreis zu drehen, nimm dir einen Tag oder eine Woche, um jede Eigenschaft zu entwickeln. Zuerst Demut, dann eine Woche Bescheidenheit, dann eine Woche Sanftmut, eine Woche Nachsicht, eine Woche Geradlinigkeit, eine Woche Dienst am Lehrer usw. Wenn man alle zusammenzählt sind es etwas über 20 Eigenschaften, und in einem halben Jahr hast du sie alle entwickelt.

Falls du noch relativ neu auf dem Weg bist, und diesen Text nur als Teil der Bhagavad Gita liest oder als Teil der Yoga Vidya Schulung, dann behalte es mindestens im Hinterkopf. Wenn du schon eine Weile auf dem Weg bist, sind dies später Verse, die du für ein halbes Jahr lang umsetzen kannst.

In Sukadevs Kommentar zur Bhagavad Gita wird jede dieser Eigenschaften noch etwas erläutert. Auch Swami Sivananda schreibt in seinem Kommentar etwas mehr über jede einzelne Eigenschaft. Dies kann dir eine Inspiration sein, um selbst damit zu üben und zu praktizieren.

Dieser Text ist aus der Reihe „Vorträge zur Bhagavad Gita“ innerhalb der Yoga Vidya Schulung  „Der ganzheitliche Yogaweg“, auch Begleitmaterial zur 2jährigen Yogalehrer-Ausbildung von Yoga Vidya. Mehr Informationen zu allem findest du auf www.yoga-vidya.de. Dort kannst du unter dem Suchbegriff „Bhagavad Gita“ alle Verse finden, auf Sanskrit (Devanagari und Transkription) mit Übersetzung, Kommentaren von Sukadev und Swami Sivananda, und auch Audios, Videos und Rezitationen. Wenn du noch nicht Teilnehmer einer Yogalehrer-Ausbildung bist, dann mache doch einmal eine mit! Dort wird auch die Bhagavad Gita genauer behandelt. Bei Yoga Vidya gibt es auch 9tägige Weiterbildungen, wo die Bhagavad Gita ebenfalls genauer besprochen wird.

 

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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