In diesem Kapitel geht es um

  1. Prana
  2. die Theorie des Prana
  3. Pranayama (Atemübungen)
  4. die Kriyas (die Reinigungsübungen im Hatha Yoga)

 

Der 1. Vers des 2. Kapitels lautet:

„Nachdem sich der Yogi in den Asanas vervollkommnet hat, sollte er in Übereinstimmung mit den von seinem Guru dargelegten Anweisungen Pranayama praktizieren, seine Sinne unter Kontrolle halten und dabei durchwegs eine zuträgliche und maßvolle Ernährung einhalten.“

Hier erwähnt Svatmarama einiges:

Es gilt schon, Asanas zu üben. Vollkommenheit in den Asanas heißt natürlich nicht, dass du sehr flexibel sein musst oder den Kopfstand beherrschen musst. Es heißt, dass du die Asanas so weit beherrschst, dass du in der Asana entspannen kannst, bewusst atmen kannst und konzentriert bist, dass du durch die Asanas eine innere Stärke und Leichtigkeit bekommen und eine gewisse Entspannung erfahren hast. All das ist wichtig, damit Pranayama wirkt.

 

Dann sagt er, dass du von deinem Lehrer Pranayama lernen musst. Allein durch das, war er im Buch sagt, kannst du Pranayama nicht lernen. Es reicht auch nicht aus, nur Pranayama zu üben – auch ansonsten solltest du deine Sinne beherrschen, und die sattvige Ernährung ist gerade für die Wirkung von Pranayama wichtig. Nicht umsonst sagen wir bei Yoga Vidya, dass es zwar einfache Atemübungen gibt, die du machen kannst, egal wie du dich ernährst, aber die fortgeschrittenen Pranayamas – insbesondere wenn du sie mit den drei Bandhas oder den Bija-Mantras verbindest, oder Energie-erweckende Übungen wie Bhastrika oder die Mudras – darfst du nur machen, wenn du dich wirklich an die sattvige Ernährung hältst. Das sollte dich jetzt nicht davon abhalten, fortgeschrittenes Pranayama zu üben, sondern es sollte dich motivieren, wirklich kein Fleisch, keinen Fisch, keinen Alkohol, keine bewusstseinsverändernden Drogen und kein Nikotin zu dir zu nehmen.

In den nächsten Versen erwähnt Svatmarama, dass der Geist erst dann ruhig wird, wenn das Prana ruhig und subtiler geworden ist und letztlich, wenn das Prana in die Sushumna (den mittleren Energiekanal) eingeht. Lebendigkeit heißt viel Prana.

Nur wenn das Prana fließt, wenn die Nadis gereinigt sind und dann das Prana in die Sushumna (die feinstoffliche Wirbelsäule) geht, dann kannst du in tiefe Meditation kommen, dann kommst du in Unmani Avastha, den Zustand jenseits des Geistes, in Samadhi.

Als Nächstes beschreibt er die Wechselatmung. Er will dich motivieren, wirklich regelmäßig Wechselatmung zu üben. Sie ist die machtvollste Übung, die Nadis wirklich zu reinigen.

 

Mein Tipp wäre:

  • Praktiziere jeden Tag mindestens 20 Minuten die Wechselatmung.
  • Praktiziere vorher 3 Runden Kapalabhati.
  • Übe jeden Tag 20–30 Minuten Asanas.
  • Praktiziere jeden Tag 20–30 Minuten Meditation.

 

Wenn du das ein halbes Jahr lang machst, dann spürst du Prana, du spürst eine gewisse Leichtigkeit und Reinheit, und dein Geist hat eine Stärke, die unbeschreiblich ist. Praktiziere!

Svatmarama sagt sogar, dass es gut sei, für eine gewisse Zeit viermal am Tag die Wechselatmung zu üben. Wenn du das ausprobieren willst, dann mache mal das „Sadhana intensiv“ mit, welches wir bei Yoga Vidya in der zweiten Junihälfte haben, dort lernst du tatsächlich, viermal am Tag Wechselatmung zu üben, und du merkst wie intensiv das wirkt.

So hat er die Wechselatmung und deren Wirkungen beschrieben:

  1. als eine Übung, die dich von allen körperlichen, energetischen und geistigen Beschwerden befreit hat,
  2. die Nadis sind gereinigt.
  3. Du strahlst und leuchtest, du bist voller Freude
  4. Du bist sehr viel gesünder.

Dann sagt er: „Wenn du trotz Wechselatmung noch nicht gereinigt bist, dann übe die Kriyas. Wenn du in irgendeiner Form krank bist, wenn du irgendeines der drei Doshas (Vata, Pitta oder Kapha) zu viel hast, dann ist es wichtig, dass du die Kriyas (Reinigungsübungen) übst.“

 

Er beschreibt die sechs Reinigungsübungen:

  1. Dhauti – Magenreinigung
  2. Basti – Enddarmreinigung
  3. Neti – Nasenreinigung
  4. Trataka – Augenreinigung
  5. Nauli – Darmreinigung, vor allem Dünndarmreinigung
  6. Kapalabhati – Lungenreinigung

 

Er spricht über die Wirkungen und sagt auch, dass diese so wirkungsvoll sind, dass man es kaum beschreiben kann, wie wirkungsvoll es ist – also übe sie. Wer diese 6 Kriyas übt, hat sehr schnell Erfolg, wenn er Pranayama übt. Wenn du also bisher Pranayama geübt hast und noch nicht so sehr die tiefen Wirkungen gespürt hast, dann solltest du vielleicht doch erst die Kriyas üben.

Dann erwähnt er noch Gaja karani Kriya – auch das ist eine Übung, die Teil der gesamten Kriyas ist.

Danach sagt Svatmarama: „Jetzt ist Zeit, die fortgeschrittenen Pranayamas zu üben. Wird das Prana beherrscht und sind die Nadis gereinigt, dann kann das Prana in die Sushumna eintreten, und dann kommst du in Samadhi, Unmani Avastha.“

 

Dann geht er auf die acht Kumbhakas ein, also auf die acht fortgeschrittenen Pranayamas. Diese sind:

  1. Surya Bheda
  2. Ujjayi
  3. Sitkari
  4. Shitali
  5. Bhastrika
  6. Murccha
  7. Plavini
  8. Bhramari

 

Er beschreibt die Wirkungen und die Ausführungen.

Von all diesen Übungen gibt es natürlich sanftere und fortgeschrittene Variationen. Wenn du sie in ihren sanften Variationen kennenlernen willst, dann kannst du das z. B. im Pranayama-Kurs Mittelstufe lernen. Dort habe ich diese Pranayama-Übungen so beschrieben, wie man sie mit Mittelstufen-Teilnehmern üben kann, wie du sie auch üben kannst, selbst wenn du nicht so fortgeschritten bist. Wenn du lernen willst, wie du dieses Pranayama in seinen fortgeschritten Variationen üben kannst, dann mache entweder eine Kundalini-Yoga-Intensiv-Mittelstufen-Woche mit, oder eine Kundalini-Intensiv-Praxis-Woche, oder eben das Sadhana-Intensiv. Oder mache den 8-wöchigen Kurs „Fortgeschrittenes Pranayama und Kundalini-Yoga“ als Videokurs auf unseren Internet-Seiten mit.

Ich werde jetzt nicht auf die einzelnen Pranayamas eingehen. In besonderem Maße lobt er Bhastrika (den Blasebalg) – das ist die wichtigste aller fortgeschritten Pranayamas. In einem bestimmten Stadium der Praxis kann man Bhastrika sehr häufig machen, also sehr viel häufiger als nur ein- oder zweimal am Tag. „Die Bhastrika erweckt die Kundalini. Sie beseitigt alle Beschwerden, die durch ein Übermaß an Vata, Pitta oder Kapha kommen. Bhastrika steigert Agni (das Verdauungsfeuer). Sie ist sehr angenehm, reinigt die Nadis, öffnet die Sushumna, beseitigt den Schleim am Mund der Sushumna. Bhastrika lässt die Granthis (die Knoten) öffnen, und letztlich kommt dadurch tiefe Meditation.“

 

Nach den 8 Maha Khumbhakas, den 8 großen Atemübungen, beschreibt er Kevala Kumbhaka, die vollkommene Ruhe des Atems, welche dann in die Meditation führt. „Am Ende vom Pranayama sollte man immer meditieren, den Geist von allem abziehen und so Raja Yoga erlangen.“

Er beschreibt noch die Wirkung von Pranayama und will uns so motivieren, Pranayama zu üben. Und dazu möchte auch ich dich nochmals ermutigen: Übe wirklich regelmäßig Pranayama. Die Wirkung von Pranayama kann nur in hohen Höhen gelobt werden – probiere es aus, und probiere es immer wieder aus und intensiviere die Praxis: Zum einen, indem du sie bewusster machst, zum Zweiten, indem du sie mit großer Konzentration machst, und zum Dritten, indem du tatsächlich auch immer wieder mehr übst.

 

______

Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

E-Mail an mich, wenn Personen einen Kommentar hinterlassen –

Sie müssen Mitglied von Yoga Vidya Community - Forum für Yoga, Meditation und Ayurveda sein, um Kommentare hinzuzufügen.

Bei Yoga Vidya Community - Forum für Yoga, Meditation und Ayurveda dabei sein