Durch Konzentration auf den inneren Klang wird der Geist ruhig. Irgendwann kommst du aber zu einem Zustand jenseits des inneren Klangs. Dann erreichst du dein wahres Selbst und dieses wahre Selbst ist eins mit Brahman dem Absoluten. So beschreibt es Svatmarama im Vers 101 und 102 im 4. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika.
Vers 101 lautet: Solange die Vorstellung von Klängen da sind, solange wird auch Raum wahrgenommen. Wenn die Klänge verschwinden, dann entsteht der Zustand Parabrahma, Paramatma.
Hier geht es also um die nächsten Schritte der Anahata Nada Dhyana, also der Konzentration auf den inneren Klang. In den letzten Versen hat ja Svatmarama darüber gesprochen. Er hat gesprochen, dass man sich die Ohrknöpfe zuhält, dass man sich dann auf den lauten Klang konzentriert, dann auf einen subtileren Klang, schließlich auf den subtilsten Klang. Vielleicht wenn man die Hände nach unten gibt und es keinen äußeren Klang gibt oder der Klang so subtil ist, dass er sich nur auf den äußeren Klang konzentriert, dass die inneren nicht hörbar sind, dann kommt irgendwann die Fähigkeit, ganz mit diesem inneren Klang zu verschmelzen. Der Geist wird sehr ruhig. Ist dieser Geist sehr ruhig und nur noch innerer Klang da, dann gehst du in diese innere Ruhe, dieser innere Raum voller Ruhe. In diesem Raum ist letztlich innerer Klang erfahrbar. Irgendwann verschwinden aber auch die Klänge und dann geht man ein in Paramatma, also das höchste Selbst und dieses höchste Selbst ist, geht ein mit Parabrahma also in den höchsten Brahman, also dem höchsten Bewusstsein.
Im 102. Vers heißt es dann:
Was auch immer man in diesem Zustand der Nada Meditation hören mag, es immer die Kraft der Shakti. Parameshvara ist das, welches formlos ist und das ist letztlich der höchste Zustand. Also, Nada ist Klang und Klang ist Shakti, Shakti, die kosmische Energie. Jenseits der Shakti ist Parameshvara und Parameshvara ist letztlich Shiva. Vielleicht erinnerst du dich, im Tantra gibt es diese Shiva-Shakti-Philosophie. Shakti ist die kosmische Energie und Shiva ist das reine Bewusstsein. Nada und Bindu ist eine andere Ausdrucksweise. Bindu ist der innere Punkt, von dem alles ausgeht und Nada ist der Klang und so ist Shiva wie Bindu und Nada ist wie Shakti. Solange du Klänge hörst bist du in der Shakti, wenn du jenseits der Klänge bist, dann bist du in Parameshvara.
Er sagt also auch hier, wie auch immer die Form ist eines Nadas, eines Klanges, wird es letztlich Shakti. Aber wenn dieser Klang zu Ende geht, also wenn Anta kommt, dann kommst du jenseits aller Kategorien und dann bist du in Niragraha, jenseits aller Formen und das ist wahrhaftig Parameshvara, der höchste Gott und damit Shiva und damit reines Bewusstsein. Also nach der Konzentration auf den Klang kommt letztlich Paramatma, Parabrahma und damit Parameshvara.
Vielleicht noch ein kleiner Tipp, wenn du zu Yoga Vidya gehst, dort gibt es in der Shivalaya verschiedene Meditationsräume. Dort gibt es insbesondere die Shiva Höhle wo es sehr ruhig ist, dort könntest du die Anahata Nada Meditation sehr gut üben. Zunächst die Ohren verschließen, indem du die Daumen auf die Ohrknöpfe gibst, dann hörst du den lauten Klang wie das Rauschen des Ozeans, den Donner oder laute Trommeln, danach lässt du langsam die Ohrknöpfe los, du hörst einen subtileren Klang, schließlich senkst du die Hände ganz, du hörst den intensiven subtilen Flöten Klang oder Vina Klang oder Glöckchen Klang. Lass den Geist ganz damit verschmelzen, irgendwann gehe zu dem, was jenseits aller Klänge ist, zu Parabrahma, zu Paramatma, zu Parameshvara, dem höchsten Bewusstseinszustand.
OM Shanti
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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