Hier geht es um die vier Avasthas, die vier Zustände der spirituellen Praxis. Man könnte auch sagen, die vier Stufen der spirituellen Praxis. Svatmarama schreibt ganz einfach: In allen Yogapraktiken gibt es vier Stadien, nämlich Arambha Avastha, Ghata Avastha, Parichaya Avastha, Nishpatti Avashta.
Arambha ist wörtlich Beginn und Anfang, so ist also der erste Avastha, der erste Zustand Arambha, also Beginn und Anfang. Dann folgt der zweite Zustand, das ist dann Ghata Avastha. Ghata heißt wörtlich Topf, Ghata Avastha heißt also, man nimmt das Ganze auf. Dann folgt der dritte Zustand der Parichaya Avastha, das heißt es gibt eine gewisse Vertrautheit und Anhäufung. Parichaya heißt, es hat etwas mit Vertrautheit und Anhäufung zu tun. Der vierte Zustand ist Nishpatti Avastha, also der Zustand der Vollendung und Vollkommenheit.
In allen Yogatechniken gibt es eine Chatuchtaya, eine Vierheit von Zuständen. Was auch immer du praktiziert, zuerst gibt es immer den Beginn, die Vorbereitung als Arambha. Dann gilt es, dass du ganz offen bist wie ein Ghata, ein Topf, Ghata Avastha. Wenn du das dann regelmäßig mit einem offenen Geist praktizierst, kommst du zu Parichaya, zu einer gewissen Vertrautheit, die Praktiken häufen sich an in ihrer Wirkung. Und schließlich kommt es bei Nishpatti Avastha zur Vollendung, zur Vollkommenheit. Nie hat etwas mit Nichts zu tun, mit nichts Beschränkten mehr und so führt jede Technik zur Vollkommenheit.
Also angenommen du willst Kapalabhati lernen, dann gilt es zuerst einmal Arambha im Sinne von beginnen sich vertraut machen wie geht das. Dann gilt es, dich ganz zu öffnen wie ein Topf, d. h. offen zu sein innerlich, bereit zu sein für diese Praxis und so häufst du einiges an Wirkung. Schließlich wird sich diese Wirkung immer mehr anhäufen, dann bist du im Parichaya Avastha, also der Zustand der Vertrautheit, wo du mehr und mehr die Wirkung spürst. Und Nishpatti Avastha ist dann die Vollendung die Vollkommenheit wo du über alle Grenzen hinaus gehst zum Unendlichen und Ewigen.
Was jetzt die verschieden Avasthas im Anahata Nada Yoga sind, darüber spricht er dann in den nächsten Versen. Aber egal was du übst, es gibt immer die vier Avasthas, der Beginn und die Vorbereitung Arambha, eine gewisse Aufnahmebereitschaft für das Üben, also Ghata Avastha, dann folgt die Vertrautheit und das Praktizieren und dadurch die Wirkung anhäufen durch Parichaya Avastha, was heißt, du musst lange üben und das führt dann irgendwann zur Vollendung Nishpatti Avatha, die gerade bei dann bei allen Yogapraktiken letztlich in Samadhi mündet.
Im Grunde genommen egal welche Praxis du machst, sie mündet immer in Samadhi. Sogar, wenn du die Vorwärtsbeuge machst. Am Anfang lernst du, wie du sie richtig machst, das wäre letztendlich Arambha äußerlich, wie macht man sie. Dann öffnest du dich wie ein Topf, du bist bereit, du bist neugierig, was sie bewirkt, Offenheit, Ghata Avastha. Dann übst du sie sehr intensiv und durch regelmäßiges Ausüben der Vorwärtsbeuge sammelst du viel Prana. Die Sushumna öffnet sich, Prana kann in die Nadis hineingehen und letztlich in die Sushumna eintreten. Du spürst die feinstoffliche Wirbelsäule, irgendwann erwacht die Kundalini und du erreichst Samadhi und so geht es im Grunde genommen mit jeder Praxis. Sie lernen mit offenem Geist ausführen, regelmäßigen praktizieren, die Wirkung häuft sich an und irgendwann kommst du in Samadhi.
Beim nächsten Vers geht es dann um Anahata Nada und Laya Yoga und wie das funktioniert dann beim nächsten Mal.
Du kannst nun überlegen, welche Yogapraktiken du machst und in welchem Stadium du dich befindest, bist du gerade dabei etwas Neues zu ergründen Arambha Avastha, bist du dabei etwas was du neu hast schon etwas zu praktizieren Ghata Avastha, bist du schon mit einigem vertraut und spürst die kumulierte Wirkung Parichaya und gibt es vielleicht schon eine Praxis, die dich in die Transzendenz führt Nishpatti.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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