Erweckung der Kundalini mittels Shakti Chalani – Hatha Yoga Pradipika, 3. Kapitel, Verse 114 bis 120
Shakti Chalani gehört zu den intensiv beschriebenen Übungen in der Hatha Yoga Pradipika. Letztlich hat er vorher schon ab Vers 104 darüber geschrieben. Verse 104 bis 120 sind alles Verse über Shakti Chalani. Jetzt sagt er, wie man Shakti Chalani üben soll.
- Vers: „In Vajrasana sitzend soll der Yogi beide Füße fest halten, am Platz nah am Knöchel und den Kanda dort drücken.“
- Vers: „Der Yogi, in Vajrasana sitzend, soll, nachdem er die Kundalini bewegt hat, fortwährend Bhastrika üben. Er soll die Kundalini schnell erwecken.“
- Vers: „Der Yogi soll die Sonne zusammenziehen, und die Kundalini bewegen. Wo ist dann die Furcht vor dem Tod, selbst wenn er vor den Mund des Todes kommt?“
- Vers: „Durch dieses furchtlose Schütteln über zweimal 48 (ca. 96) Minuten lang, geht die Kundalini in der Sushumna ein wenig nach oben.“
Hier beschreibt er die Technik. Heute kennen wir Vajrasana als Fersensitz. Du könntest theoretisch in den Fersensitz gehen, die Hände auf die Fußgelenke geben. Dabei ist es am besten, du hast die Füße so weit auseinander, dass das Becken auf den Boden ist. Dabei übst du so fest du kannst Bhastrika. Danach übst du Nauli oder Agni Sara. Dann atmest du durch das rechte Nasenloch ein, hältst die Luft an. Dann gibst du das Becken immer wieder hoch und runter, immer wieder auf den Boden. Danach atmest du links aus. Vajrasana wir nicht immer nur die Bezeichnung für den Fersensitz. Vajrasana gibt es auch, wo du die Füße kreuzt und die Fersen direkt unter dem Kanda hast. Die Fersen kreuzen sich, dann sind die Fersen ganz nah beieinander und du bringst sie an den Kandapunkt. Du lässt den Beckenboden immer wieder darauf hinunter. Oder du kannst einfach den Lotussitz nehmen.
Das ist das, was Swami V. empfohlen hat, wenn du den Lotussitz kannst. Es geht auch in jeder anderen sitzenden Stellung, sogar auf den Stuhl: Hände auf den Boden und Becken heben und senken. Dann sagt er noch „Sonne zusammenziehen“. „Sonne zusammenziehen“ kann man zum einen als Bhastrika-Atem interpretieren, wo du mit dem Bauch atmest, natürlich auch mit der Brust. Man kann es auch interpretieren, dass du bevor du einatmest, ausgeatmet hast und dabei Uddiyana Bandha übst (Bauch einziehen). Dann rechts einatmen und Kundalini aktivieren, indem du das Becken hebst und senkst. Oder du kannst Uddiyana Bandha auch mit leeren Lungen üben, dann Shakti Chalani üben, indem du das Becken hebst und senkst. Und dann rechts einatmen und Luft anhalten und dann nochmals Becken heben und senken. Es gibt also so mehrere Variationen. Er empfiehlt, das eineinhalb Stunden lang zu praktizieren. Eine Runde nach der anderen. Dazu brauchst du gesunde Lungen und du musst ein gereinigtes Energiesystem haben. Es ist auch das Ende des 3. Kapitels. Du solltest schon eine reine Ernährung haben, täglich Asanas üben, schon eine Phase gemacht haben, wo du wirklich viel Wechselatmung geübt hast. Wo du dann die Ashtakumbhakas, insbesondere Ujjayi, Surya Bheda und Bhastrika, geübt hast. Und dann hatte er schon vorher über Uddiyana Bandha gesprochen, das du auch vorher geübt haben solltest. Und dann kommt Shakti Chalani.
- Vers: „Dadurch verlässt die Kundalini sicher ihren Platz von diesem Mund der Sushumna. Daher kann dieses Prana alleine sich in der Sushumna bewegen.“
- Vers: „Deshalb soll er fortwährend die gemütlich schlummernde Arundhati bewegen. Dadurch ist der Yogi durch das Bewegen wahrlich von Krankheiten befreit.“
So kann man die Arundhati (die Kundalini Energie) aktivieren. Wenn Kundalini aktiviert ist, sind wir von allem befreit. Ob man dann immer physisch gesund ist, ist eine andere Frage. In jedem Fall werden wir geistig und spirituell gesund sein.
- Vers: „Durch dieses Schütteln der Kraft (Shakti Chalani, sañcālitā śaktiḥ) wird der Yogi zum Empfänger von übernatürlichen Kräften (Siddhi). Warum mehr darüber sprechen? Spielend überwindet er die alles zerstörende Zeit (Kala).“
Er will uns ermutigen: Mach das! Bevor du jetzt intensiv Shakti Chalani Mudra übst, übe alles andere. In den Yoga Vidya Ashrams lernst du im Rahmen des Kundalini Yogas, der 2-jährigen Yogalehrer Ausbildung oder den Hatha Yoga Pradipika Weiterbildungen, wie du Shakti Chalani Mudra in deine normale Praxis integrieren kannst.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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