Amaroli in der Hatha Yoga Pradipika – Kommentar zu den Versen 96 bis 97
- Vers: „Nun Amaroli: Verwerfe das Pitta enthaltende im ersten und letzten Strom des Urins, der wertlos ist. Nutze den kühlenden Mittelstrahl. Das ist Amaroli in der Meinung der Khandakapalikas.“
Also letztlich wird hier Urin Trinken empfohlen. Dort nimmt man den Morgenurin. Man nimmt dort nicht den ersten Strahl, auch nicht den letzten, sondern den mittleren. Im Ayurveda wie auch im gesundheitsorientierten Hatha Yoga gibt es die Aussage, dass der Urin ein besonderer Saft ist, viele Heilfähigkeiten hat. Man kann Urin auf die Haut auftragen zum Beispiel zum Heilen bei bestimmten Hauterkrankungen, bei Hautentzündungen. Man kann sie bei Gelenkerkrankungen und Nervenreizungen nehmen. Natürlich sollte man sich anschließend gründlich mit Wasser abreiben. Man kann den Strahl trinken und da sollen auch Heilwirkungen dabei sein.
Es gab in den 1990er Jahren auch in Deutschland ein bisschen so einen Hype um das Trinken von Urin. Das scheint jetzt heute etwas weniger geworden zu sein. Wir finden das auch in einigen anderen Kulturen.
Ich muss allerdings dazu sagen, ich habe selbst damit noch keine Erfahrungen. Aber ich kenne einige Menschen, die gesagt haben, dass das Trinken des Mittelstrahls des Morgenurins ihnen geholfen gegen verschiedene Allergien, auch gegen verschiedene Autoimmunerkrankungen und auch dass Hauterkrankungen damit geheilt werden konnten, auch Rheuma. Also es ist durchaus denkbar, dass gerade bei diesen Krankheiten, wo der Körper sich selbst zerstört, das Trinken des Urins hilfreich ist, weil der Körper dort mit sich seinen eigenen Stoffen nochmals zusätzlich konfrontiert wird.
- Vers: amarīṁ yaḥ piben nityaṁ nasyaṁ kurvan dine dine | vajrolīm abhyaset samyak sāmarolīti kathyate ||97||
„Der, der täglich mit der Nase das Amari trinkt, der praktiziert Vajroli korrekt. Auf diese Weise ist Amaroli erklärt.“
Hier wird gesagt, letztlich man trinkt Amari durch die Nase. Übrigens heißt Amari wörtlich jetzt nicht das Trinken von Urin. Amari heißt einfach unsterblich, die Unsterbliche. Amari wird im übertragenen Sinn Urin, weil vom Urin gesagt wird, dass man gesund wird. Den kann man auch durch die Nase hineingeben. Das ist wie eine Art Neti. Das soll besonders gut für die Nase sein.
Ich muss zugeben, für mich klingt das etwas eklig. Habe es deshalb auch noch nie ausprobiert. Aber es soll eben reinigen. Wenn man so Amari, den Urin, trinkt, wird man durch die Nase gereinigt.
Danach kann man Vajroli üben. Das heißt, die Energien im Geschlechtsverkehr nach oben ziehen. Danach Sahajoli, das heißt den anderen verehren zum Beispiel durch das Auftragen der heiligen Pulver und dann zusammen in der Meditation verweilen und Einheit spüren.
______
Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
Kommentare