Mahaguhya in der Hatha Yoga Pradipika – Kommentar zu den Versen 30 und 31 des 3. Kapitels aus der Hatha Yoga Pradipika
„Diese drei sind Mahaguhya, das große Geheimnis. Sie überwinden Alter und Tod. Sie steigern das Verdauungsfeuer und kultivieren die übernatürlichen Fähigkeiten wie Kleinsein wie ein Atom und viele andere.“ (3. Kapitel, HYP, 30. Vers)
Wir sind im 3. Kapitel der Hatha Yoga Pradipika und Svatmarama hat die drei beschrieben, die Triada. Maha Mudra, Maha Bandha und Maha Veda.
Drei ganz besonders wichtige Mudras. Maha Mudra ist die Vorwärtsbeuge mit einem Bein auf bestimmte Weise ausgeführt. Maha Mudra bringt das Prana in die Sushumna hinein. Maha Bandha bestehend aus Mula Bandha, Uddiyana Bandha und Jalandhara Bandha. Die Bandhas halten das Prana in der Sushumna drin und sorgen dafür, dass das Prana nach oben geht. Und Maha Veda hilft die Kundalini zu aktivieren und so nach oben zu führen.
Diese drei sind ein großes Geheimnis. Und zwar deshalb, weil es nicht ausreicht, die Übungen nur mechanisch zu machen. Man muss vorher vorbereitet, gereinigt sein, es braucht die richtige Konzentration.
Und warum übt man das Ganze? Sie überwinden Jara (das Alter) und Mryu (den Tod). Sie aktivieren auch Agni (das Verdauungsfeuer), auch Vahni genannt. Vahni heißt Feuer. Und damit steigert es nicht nur das Verdauungsfeuer, sondern allgemein das Feuer. Enthusiasmus, Freude, Mut, Willenskraft und Begeisterung. Sie entwickeln besondere Eigenschaften (Guna-Pradam). Also gute Eigenschaften, solche wie Anima. Anima bedeutet hier klein zu werden und adi heißt hier „viele andere auch“. Das heißt, er nimmt auf die acht großen Fähigkeiten, die ashta-siddhis, die auch als animadi guna-pradam bezeichnet werden. Eigenschaften, wie klein zu werden. Klein zu werden heißt natürlich bescheiden und demütig zu sein.
Also es ist gut, diese drei zu üben. Nochmal, Maha Mudra, Maha Bandha und Maha Veda.
Man kann zum Beispiel diese mit Bhastrika verbinden wie in der Bhastrika Mudra Reihe. Man kann sie am Ende des Pranayama nochmal separat üben. Im Grunde genommen könnte man sagen, man übt erst Pranayama, danach Maha Mudra. Dann bringt man seinen Körper in Maha Bandha und mit Maha Veda aktiviert man die Kundalini.
Nochmal der Vers auf Sanskrit: etat trayaṁ mahā-guhyaṁ jarā-mṛtyu-vināśanam |
vahni-vṛddhi-karaṁ caiva hy aṇimādi-guṇa-pradam ||30||
Und jetzt kommen wir zum 31. Vers. Diesen zunächst auf Sanskrit. aṣṭadhā kriyate caiva yāme yāme dine dine | puṇya-saṁbhāra-sandhāyi pāpaugha-bhiduraṁ sadā | samyak-śikṣāvatām evaṁ svalpaṁ prathama-sādhanam ||31||
„Und wahrlich, wenn man ‚trayaṁ mahā-guhyaṁ‘, dieses dreifache Geheimnis alle drei Stunden ausführt, verleiht es stets eine Vielzahl von ‚puṇya’s, spirituellen Verdiensten und überwindet eine Vielzahl von ‚pāpa’s, Sünden. Sogar diejenigen, die es korrekt gelernt haben, sollten zu Anfang die Praxis langsam beginnen.“
Also, diese Dreiheit kann man achtmal am Tag üben, alle drei Stunden. Und warum sollte man es üben? Um so Punyas zu entwickeln, spirituelle Verdienste. Spirituelle Verdienste heißt, man entwickelt zum einen Tugenden. Man entwickelt positive Kräfte, Prana (Lebensenergie), Ojas und letztlich verschiedene spirituelle Kräfte. Es ist also gut, jeden Tag zu üben, und zwar sogar achtmal am Tag. Natürlich sollte man schrittweise beginnen und nicht alle auf einmal.
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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.
Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.
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