1. Vers

अथ प्लाविनी
अन्तः प्रवर्तितोदारमारुतापूरितोदरः
पयस्य् अगाधेऽपि सुखात् प्लवते पद्मपत्रवत् ॥७०॥

atha plāvinī-
antaḥ-pravartitodāra-mārutāpūritodaraḥ… payasy agādhe’pi sukhāt plavate padma-pattra-vat

atha : nun (folgt); plāvinī : Plavini (das „Vollpumpen“); antar : ins Innere (des Körpers); pravartita : geleiteter („gesendeter“); udāra : vorzüglicher, ausgezeichneter; āpūrita : vollständig gefüllt ist (mit); udaraḥ : (ein Yogi, dessen) Bauch; payasi : Wasser; agādhe : auf tiefem („nicht seichtem“); api : sogar; sukhāt : mühelos, leicht; plavate : er schwimmt, schwebt; padma : (eines) Lotus; pattra-vat : wie das Blatt

Nun Plavini: Voll von bester Luft in den Bauch geschluckt, | schwimmt (der Yogi) mit Leichtigkeit wie ein Lotus-Blatt sogar auf tiefem Wasser.

 

Plavini und seine Wirkungen

Svatmarama schreibt:

Nachdem er die Lungen vollständig mit Luft angefüllt hat, bis sie aufgeblasen sind, bewegt sich der Yogi auf Wassern von großer Tiefe wie ein Lotusblatt. Das ist Plavini.

Plavini, eine der acht Kumbhakas (Atemübungen) im Hatha Yoga, wird hier sehr kryptisch beschrieben. Er sagt: Atha Plavini, was soviel bedeutet wie jetzt Plavini. Plavini kann man übersetzen mit „Vollpumpen des Körpers“. Es hat auch etwas zu tun mit Plava (Floß). Plavini ist etwas „das schwimmt“. In der Übersetzung kann es ein Floß sein, das schwimmt. Plavini kann letztlich mit der „Floßübung“ übersetzt werden.

Er schreibt: Jetzt folgt die Floßübung.

 

Was macht man bei dieser Übung?

Man füllt das Innere des Körpers (Antar) vorzüglich oder ausgezeichnet (Udara) mit Maruta ( Luft, Wind). Dies geschieht apurita (vollständig). Dann sagt er: Ein Yogi, dessen Bauch (Udara) so gefüllt ist, der kann auf Payasi (Wasser) von großer Tiefe (Agadha) sogar Sukhat (mühelos) plavate (schwimmen). Dies geschieht ähnlich wie Pattra (das Blatt) von Padma (einem Lotus). Hier gebraucht er ein Wortspiel: Udara heißt „vorzüglich, prächtig und ausgezeichnet“ und zudem „Bauchhöhle, Hohlraum und Bauch“.

Natürlich könntest du das tatsächlich ausprobieren. Wenn du im Schwimmbad bist, kannst du in den Lotus gehen, deine Hände hinter dem Kopf falten und dich in dieser Position auf das Wasser legen. Du atmest dann sehr tief ein. Darauf atmest du wenig Luft aus und ein. Du hältst die ganze Zeit die Lungen relativ gut gefüllt. In die gut gefülltes Lungen atmest du etwas ein und aus. Mit dieser Technik kannst du ganz bequem und anstrengungslos auf dem Wasser schweben. Wenn du genügend Körperspeck hast, geht das natürlich ohne dass du Plavini übst. Viele Menschen können „Toter Mann“ im  Schwimmbad spielen ohne unterzugehen. Im Salzwasser geht es noch sehr viel leichter.

Wenn du Plavini übst, hat das eine zusätzliche Wirkung. Wenn du vollständig mit Luft angefüllt bist und in die gefüllten Lungen wenig Luft ein- und ausatmest, kannst du probieren, dein Herz weit zu machen und dich zur Himmelsenergie öffnen. Das kann ein ganz überwältigendes Gefühl geben. Es kann ein Gefühl von Freude, Weite, Leichtigkeit und Verbindung entstehen.

Das geht besser, wenn das Schwimmbad nicht zu voll ist. Du kannst bei dieser Übung in eine Art Ekstase geraten. Du solltest nicht so weit gehen, dass du dein Bewusstsein verlierst, das ist im Schwimmbad eher ungünstig. Ich habe von niemandem gehört, für den das gefährlich gewesen wäre. Irgendwann atmest du vielleicht aus, wenn du in Ohnmacht fällst. Dann wachst du wieder auf, wenn das Wasser in die Nase geht und deine Reflexe sind sofort wieder da. Du kannst diese Übung in der beschriebenen Form ausprobieren.

Plavini ist zudem eine Übung, die als Pranayama im Sitzen geübt werden kann. Sie kann auch in die Asanas (Körperstellungen) integriert werden. Sie besteht daraus, dass du tief einatmest und deine Lungen füllst. Dann atmest du in die gefüllten Lungen sanft ein und aus. Es gibt gute Gründe, warum Plavini die letzte der ashta Kumbhakas (Atemübungen) ist, die Svatmarama beschreibt: Es ist gerade vor der Meditation eine schöne Übung. Während der Meditation trifft dies ebenfalls zu. Wenn dein Geist zu sehr wandert, dann übe Plavini. Der Geist wird sehr wach und ruhig.

Plavini gehört zu den fortgeschrittenen Atemübungen, die in einfacher Variation von anderen geübt werden kann.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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