1. Vers

प्रातर् मध्यन्दिने सायम् अर्धरात्रे कुम्भकान्
शनैर् अशीतिपर्यन्तं चतुर् वारं समभ्यसेत् ॥११॥

prātar madhyan-dine sāyam ardha-rātre ca kumbhakān… śanair aśīti-paryantaṁ caturvāraṁ samabhyaset

prātar* : morgens; madhyan-dine : am Mittag; sāyam* : abends; ardha-rātre : zur Mitternacht; ca : und; kumbhakān : Atemverhaltungen; śanais : langsam, allmählich (steigernd); aśīti : 80 (Kumbhakas pro Sitzung); paryantaṁ : bis auf; catur : vier; vāraṁ : mal; samabhyaset : man soll üben, praktizieren (sam + abhi + as)

Morgends, Mittags, Abends und zur Mitternacht, soll der Yogi diese Atemübung (Kumbhaka) praktizieren, vier mal langsam steigernd bis zu 80 runden.

 

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass es sich jeweils um die Morgen- bzw. Abenddämmerung (Sandhya) handelt, also die Zeit vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang.

 

Man sollte Kumbhaka, das Atem anhalten, vier Mal täglich ausführen. Am frühen Morgen, mittags, abends und zu Mitternacht bis man die Zahl auf 80 steigert.

Vier Mal am Tag sollte Pranayama geübt werden: morgens um 6 Uhr, mittags um 12 Uhr, abends um 18 Uhr und um Mitternacht, um 24 Uhr.

Wieviel solltest Du üben?

Letztlich 40 Runden Wechselatmung sollten in jeder dieser Sitzungen geübt werden. Davor praktizierst du Kapalabhati. Es ist wichtig zusätzlich Asanas zu üben und die Meditation.

Wenn du jeweils 40 Runden Wechselatmung machst, kann das schon lange andauern. Angenommen du hast den Rhythmus 5-20-10, das sind 40 Runden Wechselatmung in etwa 45 Minuten. Angenommen du hast den Rhythmus 6-24-12, ist die Zeitspanne noch länger. Wenn du den Rhythmus hättest 16-64-32, sind das 2 ½ Stunden Wechselatmung pro Sitzung. Es ist eine lange Zeit, die diese Atemübung in Anspruch nimmt.

Wie kann ich das Üben erfolgen für so eine lange Zeit am Tag, wenn man zu gleich arbeiten geht?

Die Antwort darauf ist: Das ist gar nicht möglich.

Das geht schon an einem Tag, aber nur in den Ferien oder in deinem Urlaub bei freier Zeit.

Bei Yoga Vidya haben wir das „Sadana- Intensiv.Seminar“, welches in der 2. Juniwoche, stattfindet. In diesem sehr intensiven Seminar können Menschen tatsächlich 4 x am Tag Pranayama üben.

Wir gestalten die Durchführung etwas anders. Die Zeiten des Übens sind nicht identisch mit denen, die Svatmarama vorgibt. Wir machen es nicht um 6-12-18 und 24 Uhr. Wir richten uns nach der Angabe von Swami Vishnu, wie er es gelehrt hat. Morgens um 5.30 Uhr beginnt das erste Üben von Pranayama, dann nochmal gegen 9.30 Uhr, gegen 14 Uhr und die letzte bzw. die nächste Sitzung ist um 21 Uhr. Wir haben sogar fünf Mal Pranayama, 14 Uhr kurzes Pranayama, aber dann um 16.30 Uhr nochmal ein längeres Pranayama und 21 Uhr Pranayama. Es sind vier Hauptsitzungen Pranayama plus zwei Mal am Tag Asanas. Nach jedem Pranayama gehen wir in die Meditation. Dazu kommt zwei Mal am Tag der Satsang. Dies sind sechs Meditation am Tag. Es ist eine intensive Pranayama-Praxis, die sehr viel bringt.

Wenn du denkst, dass du keine Zeit dafür zur Verfügung hast, kann ich nur antworten: „Du kannst dir diese Zeit nehmen“. Menschen haben Zeit, ein paar Wochen Urlaub auf Mallorca zu verbringen. Sie machen Ferien in einem anderen Land, haben Zeit durch Indien zu reisen und verbringen den Sommer am Strand. Die Menschen haben Zeit zwei Wochen ihr Apartment zu renovieren und gehen diversen Hobbys in ihrer Freizeit nach. Dafür haben die Menschen ausreichend Zeit zur Verfügung. Demnach kannst du, wenn du wirklich den Wunsch und den Willen hast, zwei Wochen finden für intensives Pranayama. Diese sinnvoll genutzte Zeit wird dir sicher mehr geben, als zwei Wochen am Strand herum zu liegen. Du hast die Zeit. Du musst sie dir nur nehmen und etwas Sinnvolles mit ihr machen. Fülle deine Zeit mit dem Üben von intensivem Pranayama.

Mein Tipp ist das regelmäßige Üben von Pranayama. Wenn Du nicht so viel üben kannst, dann übe mindestens 20 Minuten Wechselatmung am Stück jeden Tag. Davor übe Kapalabhati, die Schnellatmung. Übe jeden Tag Asanas und Meditation. Du kannst in deinem Tagesablauf diese Übungen integrieren und sicherlich eine Zeitlücke finden, die du mit diesen Praktiken sinnvoll füllen kannst.

 

  1. Vers

कनीयसि भवेद् स्वेद कम्पो भवति मध्यमे
उत्तमे स्थानम् आप्नोति ततो वायुं निबन्धयेत् ॥१२॥

kanīyasi bhaved svedaḥ kampo bhavati madhyame… uttame sthānam āpnoti tato vāyuṁ nibandhayet

kanīyasi : im niedrigsten („geringsten“ Stadium); bhavet : es gibt; svedaḥ : Schweiß; ampaḥ : Zittern; bhavati : es gibt; madhyame : im mittleren (Stadium); uttame : im höchsten (Stadium); sthānam* : (den höchsten) Ort; āpnoti : man erreicht; tataḥ : daher, deshalb; vāyuṁ : (den) Atem, Prana („Wind“); nibandhayet : man soll anhalten

Im Anfangsstadium schwitzt der Yogi. Im Mittelstadium tritt Zittern auf. | Im höchsten Stadium erreicht man den (höchsten) Ort. Daher soll der Yogi den Atem anhalten.

 

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass man im höchsten (Uttama) Stadium der in den Strophen 7 bis 10 beschriebenen Form des Pranayama das Brahmarandhra, den „Öffnung Brahmas“ genannten Ort (Sthana), erreicht (āpnoti): uttame prāṇāyāme sthānam brahma-randhram āpnoti. Eine weitere Bedeutng von sthānam ist „vollkommene Ruhe“, der „Stillstand“ des Geistes.

 

Auf der ersten Stufe gerät der Körper in Schweiß, auf der zweiten Stufe ist ein Zittern durch den ganzen Körper zu spüren. Im höchsten Zustand geht Prana zum Brahmarandhra. So sollte man Pranayama üben.

Er sagt, im Anfangsstadium schwitzt der Yogi. Wenn der Yogi schwitzt, erfolgt eine Reinigung. Beim Üben von Pranayama, werden die Nadis praktisch langsam geöffnet. Wenn dein Prana durch die leicht geöffneten Nadis fließt, entsteht eine Art Reibung. Dieser Vorgang des Reibens erzeugt Wärme, welchen du als Wärme spüren kannst. Zudem kann eine erhöhte Schweißabsonderung in Erscheinung treten. Der Schweiß, der beim Pranayama entsteht, ist ein anderer als der beim Sport entsteht.

Ich hatte einen Teilnehmer, der Chemiker war. Bei seiner Pranayampraxis hat dieser Chemiker seinen abgesonderten Schweiß bewusst gesammelt, um ihn nachher chemisch zu analysieren. Er wollte herausfinden, welchen Inhalt dieser Schweiß hat. Sein Ergebnis bestätigt den Unterschied zwischen dem Schweiß, der durch die sportliche Betätigung abgesondert wurde und den Schweiß, der beim Pranayama entstanden ist. Es handelt sich bei diesem Schweiß um einen Reinigungsschweiß. Das geschieht am Anfang des Übens. Im Mittelstadium kommt ein Zittern in Erscheinung. Es kann sein, dass der Bauch vibriert, pulsiert oder ein Gefühl entsteht, die Wirbelsäule pulsiert. Ein Erzittern des ganzen Körpers kann ebenfalls auftreten. Manche Menschen beginnen in dieser Phase mit einer Art des „Hopsens“. Dies kann sich durch leicht hüpfende Bewegungen am Boden bemerkbar machen. Andere haben das Gefühl, dass der Astralkörper vor- und zurückgeht. Manche Menschen machen die Erfahrung, dass die Augenlider zittern oder es können innere Schwingungen entstehen. Das sind alles Zeichen, dass eine Nadireinigung erfolgt. Im Prozess der Reinigung erzittern die Nadis. Das kann auch den Körper erzittern lassen. Es entsteht das Gefühl des Erzitterns. Wenn du diese Erfahrung wahrnimmst, ist es ein gutes Zeichen.

Nicht jeder Mensch erfährt diese Symptome in seinem Körper. Es muss kein zittern oder schwitzen auftreten. Jeder Mensch hat andere Empfindungen. Das Ausmaß ist ganz verschieden und individuell. Es gibt Menschen, die durch Pranayama sehr in die Tiefe gelangen können. Sie kommen tief hinein ohne diese Hitze und das beschriebene Erzittern zu erfahren.

Im höchsten Stadium, wie er hier sagt, erreicht man Uttama sthānam, den höchsten Ort, der als Brahmarandhra bezeichnet wird. Brahmarandhra ist die Öffnung von Brahman, die in der Scheitelgegend, im Sahasrara Chakra zu finden ist. Darüber erfährt man Gott.

Durch die Wechselatmung, sagt er hier, Uttama sthānam, wird der höchste Ort erreicht. Das ist der Wohnsitz Gottes. Er lobt die Wechselatmung und betont, dass man durch die Wechselatmung selbst Gott erfahren kann.

 

  1. Vers

जलेन श्रमजातेन गात्रमर्दनम् आचरेत्
दृढता लघुता चैव तेन गात्रस्य जायते ॥१३॥

jalena śrama-jātena gātra-mardanam ācaret… dṛḍhatā laghutā caiva tena gātrasya jāyate

jalena : mit dem Schweiß („Wasser“); śrama : (durch die) Anstrengung; jātena : (der) entstanden ist; gātra : (des) Körper(s); mardanam : (das) Einreiben; ācaret : man soll durchführen; dṛḍhatā : Festigkeit, Kräftigkeit; laghutā : Leichtigkeit; ca : und; eva : gewiss; tena : dadurch; gātrasya : des Körpers; jāyate : entsteht

Der Yogi soll seinen Körper mit dem durch die Anstrengung (der Pranayamapraxis) entstandenen Schweiß einreiben. | Dadurch entsteht physische Kraft und zugleich Leichtigkeit des Körpers.

 

Im Folgevers sagt Svatmarama: „Verreibe den ausgetretenen Schweiß gut auf dem Körper. Das macht die gesamte Verfassung stark und leicht.“

Er empfiehlt, den beim Pranayama entstandenen Schweiß nicht mit einem Tuch weg zu wischen, sondern ihn zu nutzen, deinen Körper damit einzureiben. Dieser soll sehr gut sein für die Haut. Der Schweiß soll sehr gesund sein. Er führt zum einen zu dṛḍhatā (Festigkeit), aber auch zu laghu (Leichtigkeit).

Hier ein kleiner Tipp: der Schweiß, der beim Pranyama auftritt, sollte nicht unbedingt mit einem Tuch weggewischt werden. Reibe nur ein bisschen davon mit der Hand auf deinen Körper. Diese Maßnahme ist gut für deinen Körper.

Svatmarama hat gesagt, wozu Pranayama gut ist, insbesondere die Wechselatmung, die der Nadireinigung dient. Sie ist zudem sehr gut, um den höchsten Bewusstseinszustand zu erlangen. Auf dem Weg dorthin gibt es einige Reinigungserfahrungen. Letztlich ist Wechselatmung sehr wichtig für eine Klarheit des Geistes und zur Konzentration. Daher übe die Wechselatmung.

 

Intensive Wechselatmung kannst du in dem zweiwöchigen „Sadana intensiv“ üben. Ebenfalls kannst du intensives Pranayama in den Kundalini-Yoga Intensivseminaren bei Yoga Vidya praktizieren, die wir immer wieder als Wochenenden und Intensivwochen im Programm haben. Bei Yoga Vidya in Bad Meinberg gibt es jeden Morgen um sechs Uhr intensives, fortgeschrittenes Pranayama bis 6.50 Uhr. Zweimal in der Woche finden zwei Stunden intensives Pranayama statt, welches angeleitet wird.

Wenn du zu Yoga Vidya nach Bad Meinberg kommst, kannst du das Shivalaya-Retreat-Center besuchen. Wenn du genaue Kenntnisse über die Übungen gesammelt hast und Erfahrung mit den Praktiken besteht, zudem vielleicht bei Yoga Vidya die Kundalini-Yoga Intensivwoche mitgemacht hast, kannst du für dich selbst und eigenständig im Shivalaya viermal am Tag Pranayama üben, um die machtvolle Wirkung dieser Praktiken zu erfahren.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

 

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