YVS160 Devanagari und Transliteration

Wie wird Sanskrit geschrieben? Was hat es mit der Devanagari Schrift auf sich? Und wie kann man Sanskrit Wörter auch schreiben in Europäischen Schriftarten, also in Römischer Schrift, in der wir ja auch z.B. Deutsch schreiben.

Sanskrit ist eine Sprache. Sanskrit ist eine Indoeuropäische Sprache. Sanskrit gibt es schon seit einigen Jahrtausenden. Sanskrit wird geschrieben auf Devanagari. Devanagari wird manchmal übersetzt als die Sprache der Städter. Nagar ist die Stadt. Devanagari kann man übersetzten als die Göttliche der Städte.

Manchmal wird auch gesagt es ist die Schrift, die geschrieben wird und die aus dem Licht herauskommt und ins Licht hin führt. Deva heißt auch Gott, heißt Engelswesen, Gottheit, heißt auch lichtvoll und strahlend. Devanagari hat auch eine mystische Wirkung. Und wenn du Devanagari schreibst, kannst du merken, da ist etwas Besonderes, gerade bei Mantras.

Devanagari hat andere Buchstaben als Europäische Schriften, insbesondere als die Römische Schrift. Deutsche Sprache wird in Römischer Schrift geschrieben. Du könntest jetzt sagen um die Yoga Begriffe zu lesen und um auch die Mantras richtig aus zu sprechen, müsstest du als erstmal Devanagari lernen.

Aber das ist nicht so einfach und so gab es, seit die Europäer nach Indien gekommen sind, Versuche, die Sanskrit Wörter und auch die Wörter anderer Indischer Sprachen, in Römischer Schrift zu schreiben.

Es haben sich verschiedene Konventionen entwickelt und die zwei wichtigsten Konventionen sind die Hunter Transliteration und die Wissenschaftliche Transliteration IAST. Die Hunter Transliteration stammt aus dem Jahr 1872. Es gab einen Beamten der Englischen Kolonialverwaltung, der hieß eben Hunter. Er entwickelte ein einfaches System, was heute auch als vereinfachte Transliteration bezeichnet wird.

Hunter hat einfach die fünfzig Buchstaben des Sanskrit Alphabets, in 26 im Römischen Alphabet zugeordnet. Er hat nur die Buchstaben verwendet, die auch im Englischen verwendet werden und die auch heutzutage auf jeder Schreibmaschine und jeder Computer Tastatur sind. Die meisten Yogabücher in Indien wie auch die meisten im Westen, verwenden die eine oder andere Variation von Hunter.

Die zweite Transliteration ist die so genannte Wissenschaftliche Transliteration auch IAST genannt. IAST heißt International Alphabet of Sanskrit Transliteration. Manchmal auch International Agreement of Sanskrit Transliteration. 1894 haben sich einige Indologen getroffen in Genf. Und haben dann eine Konvention entwickelt, die sie die IAST Transliteration genannt haben, die auch als Wissenschaftliche Transliteration bezeichnet wird.

Und diese IAST Schrift, die hat Längen und Kürzen gezeigt mit Strichen drüber. Sie beschreibt die Zerebralisierung mit einem Punkt darunter und unterscheidet verschiedene Zischlaute mit Punkt darunter oder mit Strich darüber. Der Vorteil der IAST Schrift ist, das ein eindeutiges Schriftzeichen für einen eindeutigen Klang steht. Wenn du also wissen willst, ob ein Vokal wie a oder u kurz oder lang gesprochen wird in Devanagari wird das klar geschrieben, weil es ein unterschiedliches Buchstabenzeichen gibt für kurzes u und langes u.

Wie du z. B. hier sehen kannst u ù und dann kannst du mit der Wissenschaftlichen Transliteration ist das lange u oder auch bei a kurz und a lang. Während dessen Devanagari hat ein Schriftzeichen für kurzes a und eins für das lange, eins für kurzes i und eins für langes i. In der Wissenschaftlichen Transkription macht man eben eine Strich darüber. So ist die Wissenschaftliche Transkription das, was sich mehr und mehr durchsetzt inzwischen auch in Yoga Kreisen. Auch Yoga Vidya ist nun dabei im Wesentlichen auf die IAST Transliteration umzuschwenken.

Die vereinfachte Transliteration hat verschiedene Variationen. Dort wird normalerweise ein langes oder ein kurzes a gleich geschrieben. Das kurze i ist wie das i. Das lange i wird entweder auch wie das i geschrieben oder vom Englischen abgewandelt ein doppelte. Wenn du jemals in einem Yoga Text ein doppeltes "e" findest, dann spreche es wie ein langes i aus und nicht wie ein doppeltes e.

Das u kurz wird das normale Schriftzeichen. Das lange u wird manchmal auch wie das normale u geschrieben und manchmal mit einem doppelt u.

Das Re wird ri geschrieben und das re auch re geschrieben. Und das li wird li geschrieben und das lange li wird li geschrieben.

E, ei, o ist genauso und für das au gibt es au oder ou oder ow. Es gibt die Variationen, es kann auf all diese Weisen geschrieben werden. Es ist immer dieses Schriftzeichen. Und dann gibt es noch am und a bzw. ah.

Ähnlich gibt es das auch bei den Konsonanten. Da gibt es auch verschiedene Punkte drunter oder es gibt auch Haken darüber. Was die im Einzelnen zu bedeuten haben, darüber werde ich bei einem nächsten Vortrag sprechen, wo es um die Sanskrit Vokale und die Sanskrit Konsonanten geht.

Neben diesen beiden Grundtransliterationen Hunter und IAST gibt es als Drittes noch sogenannte Enkryptionen. Enkryptionen waren ursprünglich gedacht, damit man Sanskrit auch schreiben kann mit einer normalen Computer Tastatur, oder mit einer Schreibmaschine wo nämlich keine Punkte und Häkchen sind. Man hat sich manchmal damit beholfen indem man den Französischen Akzent genommen hat. Das ist eine der alten Möglichkeiten. Aber man hat zum Teil bestimmte Enkryptionen gefunden indem man z. B. die Buchstaben groß geschrieben hat. Und wenn ein Buchstabe groß geschrieben wird hat er eine andere Bedeutung, als wenn er klein geschrieben wird.

Eine Weile, so etwa von 1998 bis 2005 wurden sehr viele Texte im Internet in diesen Transliterationen geschrieben. Heute gelten sie als Enkryptionen.

Ich werde gleich sagen warum das Enkryptionen heißt. Die populärste ist letztlich Harvard Kyoto wo z. B. das kurze a ist klein geschrieben. Das lange a wird groß geschrieben. Kurzes i klein, langes groß. U u und e, ei klar u au. Und dann als Besonderheit ist dann eben das Ri, das mit dem großen R geschrieben wird wenn verlängert mit doppelt r und auch das Ri wird mit großem R geschrieben.

Sehr nah am Harvad Kyoto ist das sogenannte I-Trans. Das war so von 2000 bis 2005 ziemlich populär. Dort gibt es nur den Unterschied, dass es mehrere Möglichkeiten gibt. Das lange a kann man auch als aa schreiben und das lange i als ii oder eben groß geschrieben. Und dann ist jemand auf die Idee gekommen man könnte ja auch dieses Schriftzeichen, also was in der Computer Tastatur auch existiert auch verwenden und man könnte auch einen Punkt hinter etwas machen.

Weniger populär ist Welt Huis geworden. Und irgendwer hat mal gedacht wir müssen das Harvard Kyoto noch verbessern und hat daraus das sogenanne SLP 1 entwickelt.

Ich selbst meine am schönsten ist dieses Harvard Kyoto. Es ist sehr leicht zu lernen. Und wenn du das kennst, dann kannst du es nämlich nutzen um IAST oder auch Devanagari zu schreiben.

Du würdest den Text auf Harvard Kyoto in die Computer Tastatur schreiben und dann gibst du das ein, in ein sogenanntes Transliterations Tool. Die findest du mit Google zahlreich. Du gibst einfach Sanskrit Transliteration Tool ein. Und dann findest du das. Links gibst du Harvard Kyoto Enkryption ein und rechts kriegst du dann IAST oder Devanagari ausgespuckt. Das kannst du dann kopieren und du nutzt es.

Indologen machen es natürlich noch anders. Sie nehmen eine besondere Schrift. Und dann können sie mit Strg und Alt usw. die Computer Tastatur so um funktionieren, das man auch direkt auf Devanagari oder IAST eingeben kann.

Ich kenne eine Indologin, die ist da sogar recht flott drin, aber ich selbst schreibe immer die Texte in Harvard Kyoto und gebe es dann in ein Transliterations-Tool rein. Danach habe ich Devanagari und IAST. So sind z. B. die meisten Sanskrit Einträge im Yoga Wiki entstanden. Und auch die meisten Mantras, die ich selbst geschrieben habe, wurden nicht von einer anderen Quelle kopiert, sondern ich habe sie so transkribiert.

Und dann kam das ISO 15919. Das ist letztlich identisch mit dem IAST. Das ISO 15919 ist deshalb wichtig, weil das in die modernen Computer Schriftarten eingeflossen ist. Wenn du z. B. modernes Arial oder auch Roman hast oder auch Calibri, Cambria usw. Die haben alle die sogenannte UTF Encoding. Die können deshalb die Römische Schrift, wie auch Sanskrit Schrift und zwar sowohl in Devanagari also auch in IAST. Und die können sogar noch Urumuki und alle anderen Schriften auch. Also dieses UTF hat hunderte, vielleicht sogar tausende von Buchstaben, die möglich sind in der gleichen Schriftart zu schreiben. Und dazu braucht es eine Konvention. Und das ist eben die ISO 15919.

Die Harvard Kyoto ist die wichtigste. Die anderen haben sich Itrans und SLP1 haben sich davon ab geleitet. 

Übrigens die Itrans ist irgendwie geschützt. Wenn du das irgendwo machst und nicht aufpasst meldet sich ein Professor bei dir. Auch ein Grund warum du besser Harvard Kyoto verwendest.

Ja, soweit zu den Transliterationen. Transliteration, Transkription, Umschrift sind übrigens drei Wörter, die in etwa das Gleiche bedeuten.

Kurze Zusammenfassung: Sanskrit ist die Sprache. Sanskrit heißt wörtlich „die Wohlgeformte“. Devanagari ist die Schrift. Also letztlich die wunderschöne Schrift, die nach oben, nach Deva, zum Göttlichen ausgerichtet ist. Und Sanskrit kann man natürlich auch schreiben in jedem anderen Indischen Alphabet, denn alle Indischen Alphabete haben in etwas diese 50 Schriftzeichen. Die sehen zwar anders aus, aber sie können immer das Sanskrit eindeutig auch schreiben.

Und wir können Sanskrit auch schreiben in einer Transliteration. Da gibt es die vereinfachte Transliteration, die so genannte Huntersche Transliteration wo du nicht genau weißt ob die Längen lang geschrieben werden, ob es ein kurzes oder ein langes a ist, ob es eine cerebralisiertes oder ein normales t ist. Wenn du das richtig aussprechen willst dann schreibst du es eben auf IAST, die international Alphabet of Sanskrit Transliteration, welches gleichzeitig eine Möglichkeit ist zu schreiben und zu sprechen.

Und da IAST und Devanagari schwierig an der Computer Tastatur einzugeben ist, ist es am klügsten, du lernst eine der anderen Enkryptions Möglichkeiten. Eine einfache wäre Harvard Kyoto. Und dann kannst du über ein Transliteration Tool durch die Eingabe von Harvard Kyoto, IAST oder Devanagari bekommen.

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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