Dies ist ein Vortrag im Rahmen der Yoga-Vidya-Schulung. Es handelt sich um eine Vortragsreihe mit mehreren Hundert Vorträgen zum Thema „ganzheitlicher Yoga-Vidya-Weg für Gesundheit, psychische Entwicklung und spirituelle Erfahrung“. Dies ist der vierte Vortrag zum Thema „Yoga-Ernährung“ in dieser Reihe. Heute geht es um Sivanandas Ratschläge zur gesunden Ernährung.

Swami Sivananda war ein indischer Arzt und ein Yoga-Meister; er lebte von 1887 bis 1963.

Schon als Jugendlicher hat er sich mit dem Thema Ernährung beschäftigt. Er studierte Medizin, war aber nicht nur interessiert an der westlichen Schulmedizin, die er in einer südindischen medizinischen Hochschule studierte. Als Student setzte er sich auseinander mit der Vollwerternährung und befasste sich mit den westlichen Theorien von Bircher-Benner, der Kollath-Ernährung, englischer Naturheilkunde, Ayurveda und Hatha-Yoga-Ratschlägen. So entwickelte er ein wunderbares Gesundheitskonzept, dass auf der Basis der Naturheilkunde, Schulmedizin, Hatha Yoga und Ayurveda aufbaut.

Daher hat er Verschiedenes empfohlen, und schon die letzten Vorträge über Ernährung sind in Harmonie mit Swami Sivanandas Lehren.

Swami Sivananda hat diverse Bücher geschrieben über Hatha Yoga und Gesundheit. Aus diesen Büchern sind einige Tipps abgedruckt: zum Beispiel die Regeln für die Ernährung aus dem „Yogalehrer Handbuch“ bzw. Yoga Kochbuch aus dem Yoga-Vidya-Verlag.

Einige von diesen Tipps möchte ich hier weitergeben und dazu noch einige Ratschläge.

Swami Sivananda beginnt mit

 „Esse mäßig. Stehe erst vom Tisch auf, wenn der Magen zu drei Viertel gefühlt ist. Überlade deinen Magen nicht.“

Ein altes Yoga-Prinzip lautet: „Fülle den Magen zur Hälfte mit fester Nahrung, zu einem Viertel mit flüssiger Nahrung und lass ein Viertel leer zur Bewegung der Gase.“ Oder man sagt auch: „Bring den Rest Gott dar.“

Es heißt auch so schön, dass es gut ist, leicht hungrig zu sein – also nicht zu viel zu essen. Darauf kommen wir später noch einmal zurück.

„Esse nur, wenn du tatsächlich hungrig bist. Misstraue falschen Hungergefühlen.“

Es ist gut, nicht zu häufig zu essen. Und es ist gut, nicht zu viel zu essen.

„Esse nichts zwischen den Mahlzeiten.“

In der westlichen Ernährungsmedizin, der Ökotrophologie, wurde bis vor ein paar Jahren gelehrt, dass man fünf Mal am Tag essen soll – also besser viele kleine Mahlzeiten, als wenige große Mahlzeiten. Heutzutage gilt das als überholt, es wird empfohlen, zwei bis maximal drei Mahlzeiten zu sich zu nehmen und dazwischen nichts zu essen. Das gilt als besonders gesund für die Verdauungsorgane und den ganzen Körper.

„Esse gesunde Nahrung in vernünftigen Mengen zu festgelegten Zeiten.“

Der Mensch ist ein rhythmisches Wesen, und wenn du jeden Tag zur gleichen Zeit isst, werden die Verdauungssäfte sich darauf vorbereiten.

Es gibt Teile der Welt, wo man nur einmal am Tag isst, und die Menschen sind zwischen den Mahlzeiten auch nicht hungrig. Wenn der Mensch weiß, dass es nur zu einem bestimmten Zeitpunkt essen gibt, dann stellt sich der Körper darauf ein.

Gerade bei Menschen, die zu viel Vata (Unruhe) neigen sind feste Essenszeiten hilfreich.

„Nimm keine zu heiße oder zu kalte Nahrung zu dir. Das reizt den Magen und ruft Unverdaulichkeit hervor.“

Nahrung von normaler Temperatur ist am leichtesten für den menschlichen Körper verdaulich. Eis essen ist nicht so gut und zu heiß essen auch nicht.

„Esse nichts, was du nicht magst. Aber esse nicht alles, was du magst.“

Diese Aussage bezieht sich auf die natürliche und gestörte Intuition. Die natürliche Intuition sorgt dafür, dass du das magst, was gesund für dich ist. Und um diese gesunde Intuition zu fördern, solltest du nichts essen, was du nicht magst.

 

 „Reduziere den Verzehr von gekochten Speisen auf ein Minimum.“

 Je roher etwas ist, umso mehr Prana enthält es.

Zwar sind alle Menschen unterschiedlich, aber für die meisten gilt, dass gekochte Getreide und Hülsenfrüchten gut sind und etwas gekochtes Gemüse. Aber man sollte viel Rohkost zu sich nehmen und viel Obst.

Im Ayurveda unterscheidet man zwischen Vata, Pitta und Kapha, aber das war bereits Thema eines anderen Vortrags.

„Nimm nur vier bis fünf verschiede Nahrungsmittel pro Mahlzeit zu dir. Verzichte auf zu vielfältige Kombinationen und Mischungen. Die Verdauungssäfte können verschiedenartige und komplexe Zusammensetzungen nur schwer verdauen.“

Das ist ein wichtiger Ratschlag. Mittags ist es gut, etwas anderes zu essen als abends und auch nicht zu viel Verschiedenes in einer Mahlzeit.

Es ist von Vorteil, über die Woche ein breites Nahrungsmittelspektrum zu sich zu nehmen aber eben nicht in einer Mahlzeit.

 

 

„Esse schweigend.“

In manchen indischen Ashrams, zum Beispiel im Sivananda Ashram in Rishikesh, wird tatsächlich im Schweigen gegessen. Im großen Speisesaal, wo mehrere hundert Menschen zusammen essen, wird geschwiegen.

Auch bei Yoga Vidya in Bad Meinberg haben wir einen Speisesaal, der nur zum Essen im Schweigen reserviert ist. Das ist aber der kleine Speisesaal. Es gibt dort auch den großen Speisesaal, in dem gesprochen werden darf.

Die meisten Familien haben ihre Gesprächsmöglichkeit beim gemeinsamen Essen, denn tagsüber sind sie häufig in unterschiedlichen Veranstaltungen. Da wäre es vermutlich nicht gut, wenn sie beim gemeinsamen Essen schweigen würden. Aber es ist dann hilfreich, während der Mahlzeiten nur respektvolle, freundliche Unterhaltungen zu haben, keine Auseinandersetzungen oder Streitgespräche.

Es ist gut, meditativ zu essen.

Wenn du es mal ausprobierst, deine Mahlzeit bewusst und schweigend zu essen, wirst du das vielleicht zu schätzen lernen.

Es gibt einige Menschen, die auch deshalb zu Yoga Vidya nach Bad Meinberg kommen für ihre Yoga-Ferien-Seminare, denn wenn viele Menschen zusammen schweigend essen, entsteht eine große Stimmung der Achtsamkeit und Aufmerksamkeit.

 

 

„Vermeide spätabendliches Essen.“

Wenn du direkt vor dem Schlafengehen isst, kann das zu Alpträumen und Unruhe führen und der Schlaf bringt weniger Erholsamkeit.

Ein bis drei Stunden vor dem Schlafengehen sollte man möglichst nichts mehr essen. Im Tagesablauf bei Yoga Vidya ist das Abendessen um 18:00 Uhr, dann gibt es um 20:00 Uhr Satsang und anschließend einen Vortrag. Und so hast du zwischen 19:00 Uhr und 22:30 Uhr, wenn die meisten Ashram-Gäste schlafen gehen, noch 3,5 Stunden Zeit, sodass bereits ein großer Teil verdaut ist und du besser schlafen kannst.

„Esse nicht, wenn du zornig oder verärgert bist. Ruhe einen Augenblick, bis dein Geist die Ruhe wiederfindet. Esse erst dann.“

Wenn man zornig ist, scheiden die Drüsen Gifte aus, die ins Blut geschickt werden, wodurch die Verdauung beeinträchtigt wird.

Mache es dir zu Gewohnheit, ruhig zu werden, bevor du isst. Deshalb führe auch keine Auseinandersetzungen beim Essen.

Eine gute Hilfe ist auch, vor dem Essen ein Tischgebet zu sprechen oder sich einen Moment lang zu sammeln, das OM zu wiederholen, das Essen mit den Händen zu segnen oder Dankbarkeit auszudrücken.

„Nimm die Nahrung wie Medizin zu dir. Sei nicht naschhaft.“

„Faste einmal pro Woche. Durch Fasten werden Gifte ausgeschieden, der innere Mechanismus wiederhergestellt, und die Organe können sich erholen.“

Man kann einmal pro Woche für einen Tag fasten oder ein bis zwei Mal im Jahr fünf Tage lang am Stück und vielleicht alle paar Jahre auch ein längeres Fasten machen.

Fasten ist ein Thema, worauf ich in einem anderen Vortrag dieser Reihe ausführlicher eingehen werde.

„Während der Mahlzeiten und zu jeder Zeit denke daran, dass Gott in allen Nahrungsmitteln wohnt, in Früchten und im Gemüse. Er schenkt allen Nutzen. Bete zu ihm unmittelbar vor und nach dem Essen.“

Auch das Essen kann zur spirituelle Handlung werden, wenn du dich vor der Mahlzeit mit dem Göttlichen verbindest, mit Mutter Erde und all denen, die die Nahrung angebaut, geerntet, auf den Marktplatz gebracht und gekocht haben. Das ist eine wunderschöne spirituelle Übung.

Nach dem Essen Dankbarkeit zu zeigen, sich einen Moment zu sammeln, Segensgedanken in die ganze Welt zu schicken ist etwas Wunderbares und hilft auch der Verdauung, aber vor allen Dingen erhebt es deinen Geist.

Spirituelle Praxis ist nicht nur Meditation, Pranayama, Asanas und Mantra Singen. Spirituelle Praxis kann auch das Essen sein.

Soweit die Regeln für die Ernährung von Swami Sivananda. Du findest diese im „Yogalehrer Handbuch“ und „Yoga Kochbuch“ aus dem Yoga-Vidya-Verlag und natürlich auch auf unserer Website www.yoga-vidya.de. Gebe im Suchfeld „Regeln für die Ernährung Swami Sivananda“ ein, dann findest du diese Empfehlungen von Swami Sivananda.

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Gekürzter Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

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