YVS033 Verdauungsprobleme – Yoga Hausrezepte

Probleme und Beschwerden mit der Verdauung treten in den verschiedensten Teilen des Verdauungstraktes auf und haben unterschiedliche Symptome: Durchfall (Dünndarm), Dickdarm (Verstopfung). Dann gibt es noch verschiedene Krankheiten wie Magengeschwüre, chronische Entzündungskrankheiten wie zum Beispiel Morbus Crohn oder das Reizdarmsyndrom. 

Yoga kann gegen all diese Krankheiten helfen, aber an dieser Stelle werden nur zwei Krankheitsbilder behandelt, die plötzlich auftreten oder auch chronisch sein können:

Durchfall (Diarrhö)

Man spricht von Diarrhö, wenn man innerhalb von 24 Stunden dreimal oder öfter breiigen oder dünnflüssigen Stuhlgang hat und die Menge des Stuhlgangs überdurchschnittlich groß ist.
Die folgenden Hausrezepte helfen sowohl bei akutem Durchfall als auch bei chronischen Beschwerden. 
Natürlich solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn du dir einen Magen-Darm-Virus eingefangen hast, der womöglich noch mit Fieber verbunden ist. Das Gleiche gilt, wenn der Durchfall chronisch ist.

Auch hier verweise ich wieder auf die fünf Säulen des Hatha Yoga:

Das lange Halten der Asanas, insbesondere das Üben der Vorwärtsbeuge hilft gegen Durchfallbeschwerden und Reizdarmsyndrom. Vielleicht schaffst du es bei akutem Durchfall die Vorwärtsbeuge eine halbe Stunde oder sogar eine Stunde zu halten. Wenn du das zwei- bis dreimal am Tag machst, kann es sein, dass du eine Magen-Darm-Verstimmung, die sonst mehrere Tage Elend bewirken würde, in einem Tag vorbei ist. Natürlich solltest du dabei darauf achten, dass es deinem unteren Rücken gut geht.

Durchfall ist oft eine Übersteuerung des Pitta, also gilt es diese zu reduzieren. Durch sanftes Pranayama, insbesondere die Wechselatmung und eventuell ein oder zwei Runden Kapalabhati kann man dies erreichen. 

Regelmäßige Tiefenentspannung trägt dazu bei, dass sich die Verdauungsorgane harmonisieren und beruhigen können.  
Unterstützend wirkt natürlich eine gesunde, yogische Ernährung. Bei einer Magen-Darm-Verstimmung solltest du nicht fasten, sondern lediglich Vollkornreis, Zwieback oder Salzstangen essen. Der Vollkorn Reis sollte ausreichend gesalzen sein. 

Auch Meditation hilft insbesondere bei chronischem Reiz-Darm-Syndrom, welches mit Durchfall verbunden ist. Meditation beruhigt und harmonisiert. Bei chronischen Verdauungsbeschwerden sind auch Kriyas (Reinigungsübungen) gut, insbesondere täglich Agni Sara (rhyhtmisches Einziehen und Bewegen der Bauchmuskeln), Uddiyana Bandha (Bauchverschluss) und vielleicht einmal die Woche Kunjar Kriya (Trinken und anschließendes Erbrechen von ein bis zwei Litern lauwarmen Salzwassers).
Auch bei akuten Beschwerden übe Kunjar Kriya und mache zusätzlich noch einen Einlauf. Die Krankheitserreger werden dadurch schnell ausgespült. Iss danach mäßig und reizarm, also nichts Scharfes oder Saures. Trinke 2 bis 3 Liter täglich Wasser oder Kräutertee. 

 

Verstopfung

Verstopfung ist oft ein Überschuss an Kapha. Der Körper hält fest, er ist zu ruhig, also gilt es Asanas zu machen, die die Verdauung anregen: aktivierende Übungen wie der Sonnengruß, Rückbeugen wie Kobra und Bogen, Drehsitz, Umkehrstellungen wie Kopf- und Schulterstand.

Bei Verstopfung hilft Kapalabhati besonders gut. Aber nicht nur drei Runden, sondern besser 4/5/6 Runden und übe die jeweiligen Runden mit mehr Ausatmungen, das beschleunigt den Verdauungsvorgang. Auch hier ist die Tiefenentspannung ein wichtiges Element, da der Körper sich regenerieren und “loslassen” kann.  
Auch über die Ernährung kann man vieles bewirken. Auch hier gilt: Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte, Zucker und Weißmehlprodukte, dafür mehr Vollkorn. Eventuell kannst du auch mal 1–12 Wochen deine Ernährung auf Rohkost umstellen. Du wirst schnell spüren, dass sich deine Verdauung einpendelt. Auch regelmäßiges Meditation kann dir helfen, innerlich loszulassen.  
Auch die Anwendung der Reinigungsrituale, der Yoga Kriyas, können hier wiederum sehr hilfreich sein, deine Beschwerden in den Griff zu bekommen: tägliches Agni Sara und Uddiyana Bandha, vielleicht einmal die Woche Dhauti und einmal im Monat Basti, also zum Beispiel mit einem Einlauf.  

Vielleicht bei Durchfall und Verstopfung noch etwas: Es gibt viele Menschen, die haben eine sehr enge Vorstellung, wie ihre Verdauung zu funktionieren hat. Schulmedizinisch gesehen ist es absolut in Ordnung und normal, wenn man fünfmal am Tag Stuhlgang hat oder auch nur einmal alle fünf Tage.  
Man kann die ganze Sache also etwas beruhigter angehen. Vom gesundheitlichen Standpunkt aus gesehen gibt es eben große Unterschiede, wie die Verdauung funktioniert.  
Vom Standpunkt desYoga und Ayurveda aus gesehen ist es allerdings erstaunlich, da es hier heißt, dass 1–3 mal Stuhlgang am Tag gut sei und wenn der Stuhlgang seltener auftritt, sollte man etwas ändern.  Letztendlich kommt es auf dein Körpergefühl an, das heißt, wenn Du Dich nicht sonderlich wohlfühlst, wenn du nur alle paar Tage Stuhlgang hast, dann beherzige die Tipps. Falls Du aber trotz all dieser Tipps entweder fünfmal am Tag Stuhlgang hast oder doch nicht jeden Tag, brauchst du dir keine großen Sorgen zu machen. Es scheint nicht so tragisch zu sein wie du vielleicht denkst. Gehe allgemein etwas entspannter mit deiner Verdauung um, das kann auch schon helfen.

 

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Auszug aus der Transkription der Yoga Vidya Schulung Videoreihe, Begleitvorträge zur Yogalehrer Ausbildung, von und mit Sukadev Bretz.

Mehr zum ganzheitlichen Yoga findest zu z.B. auch in seinen Büchern „Der Pfad zur Gelassenheit“ und „Die Bhagavad Gita für Menschen von heute“.

 

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