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Yin Yoga ist gerade voll angesagt – überall. Auch meine Yin Yogastunden, die ich ab und zu Samstag Vormittag bei Yoga Vidya gebe sind immerzu voll. Bisherige Seminare zu Yin Yoga waren gut besucht und auch der grosse Anandasaal war mit 36 Teilnehmern während der 1. Yin Yogalehrerausbildung bei Yoga Vidya im Juli bei Maheshwara Lehner gut gefüllt. Da muss doch was dran sein?

Ich habe seit einem Jahr auch selbst mit Begeisterung diesen Yogastil in meine fast tägliche Asanapraxis integriert, bin nahezu süchtig danach geworden. Beruflich im Umbruch mit vielen neuen Herausforderungen, 2 kleine Kinder und der älter werdende Körper – alles Stressfaktoren, die meinem derzeitigen (Yang)Alltag dominieren. Da braucht es viel Yin als Gegenpol, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen, körperlich als auch geistig. Dass also gerade jetzt auch bei mir Yin Yoga in mein Leben getreten ist – alles Zufall? Eher nicht. Und es ist auch kein Zufall, dass ich mich letztes Jahr gleich als bereits schon länger praktizierende Yogalehrerin und Yogatherapeutin, zusätzlich zur Yin Yogalehrerin habe ausbilden lassen. Nicht weil es eine neuer Yogatrend ist, sondern weil ich meine guten Erfahrungen damit weitergeben möchte an meine Schüler. Es macht schon Sinn anatomisch und physiologische Hintergründe und Wirkungen der speziellen Yin Yogapositionen zu kennen und auch wie der Einsatz von diversen Hilfsmitteln wie Kissen, Klötze und Gurte dazu verhelfen können, sich in einer Yin Position über längere Zeit mit wenig oder keiner Muskelaktivität hinein zu entspannen. Das lernt man nicht nur aus Büchern. Für mich war es jedenfalls eine neue Erfahrung während der Ausbildung, sich nicht in eine Standard Asana zu quälen, wenn es der Körper anatomisch nicht hergibt und das bei Kompression dann eben Schluss ist. Wer das nicht weiss oder missachtet kann sich auch im Yoga die Gelenke kaputt machen. Manche Körper hat Gott gut ausgestattet, so dass es für sie spielend einfach ist in die Asanas zu kommen. Und manche eben nicht.

Klar gibt es dann noch diverse Verspannungen in Rücken, Schulter und Nacken, Hüfte, Po und anderen zuviel oder zu wenig beanspruchten Körperregionen durch unseren Yang geprägten Lebensstil, die verhindern, dass unser Bewegungsspielraum eingeschränkt ist. Daran können wir natürlich mit Yin Yoga gut arbeiten. Aber alles braucht seine Zeit, die Erfahrung mit dem sinnvollen Einsatz der Hilfsmittel und die Bereitschaft loszulassen, was mit das Schwierigste ist. Gemeint ist dabei nicht nur die körperliche Muskelanspannung loszulassen während der Yin Yogaposition, sondern auch unsere alten Konzepte und Gewohnheiten wie eine perfekte Asana auszusehen hat. Wie auch schon Bernie Clark es treffenderweise ausdückte: „Yin Yoga zielt nicht darauf ab, dass der Körper eine Asana erreicht, sondern dass die Asana den Körper erreicht.“ Jeder Körper ist einzigartig und deshalb auch sollte auch jede Asana dazu individuell angepasst sein. Nur so kann eine Yin Yogapostion zum Genuss werden und durch das sanfte Dehnen tief liegende Gewebespannungen, meist in Form von verfilzten Fasziengewebe, gelöst werden.
Ich sage immer meinen Teilnehmern: „Wenn du eine sanfte gesunde Dehnung in der Asana spürst und das Gefühl hast, ewig in dieser Position verweilen zu wollen, dann bist du in Deiner Asana angekommen und Prana kann wieder fliessen und Heilung stattfinden.“ Kommt der Körper zur Ruhe, kann auch der Geist zur Ruhe kommen, was ja auch letztlich das Ziel des Yoga ist.

Aufgrund der großen Nachfrage von Yogalehrern, Yin Yoga in die eigene Unterrichtspraxis zu integrieren, biete ich noch in diesem Jahr eine 5-tägige Yin Yoga Weiterbildung für YogalehrerInnen und Yin Yogapraktizierende an, die vom 6.-11.September bei Yoga Vidya in Bad Meinberg stattfindet. Infos und Anmeldung unter https://www.yoga-vidya.de/seminare/leiter/shanti-wade/
Weitere Weiterbildungen, Seminare, Workshops und Retreats zu Yin Yoga unter www.yoga-bewusst-leben.de

Stärke Deine YINtuition!

Shanti Wade

DIESER BEITRAG WURDE BISLANG: 1157 X ANGESCHAUT

Kommentar von Satyavan am 21. Juli 2015 um 11:34am

wenn ein anderer nahme euch yogis in die tiefe der erfahrungen mit körper geist und seele eindringen lässt, ist das schon witzig. ...aber schön :-)

Kommentar von Shanti Wade am 21. Juli 2015 um 12:40pm

Neuer Name und neuer Ansatz Yoga zu praktizieren - eigentlich ganz egal wie das alles benannt wird. Die positive Erfahrung damit zählt und die ist es Wert weiterzugeben...

Kommentar von Bhajan Noam am 21. Juli 2015 um 4:00pm

Bernie Clark: „Yin Yoga zielt nicht darauf ab, dass der Körper eine Asana erreicht, sondern dass die Asana den Körper erreicht.“ - Ein wahrer und guter Satz, der für jede Form von Yoga gilt und den sich jeder Lehrer hinter die Ohren schreiben sollte.

Kommentar von Ina am 24. Juli 2015 um 3:05pm
Alles ist immer in Wechselwirkung ;-)
Kommentar von jailakshmi am 25. Juli 2015 um 11:14am

... dass die asana den körper erreicht ... gelingt mir und meinen yoga-praktizierenden mit der klass. rishikesh-reihe genau so (oder auch weniger...). wieder so ein hype, um daraus ne gelddruck-maschine zu machen. nun gibts den YIN-yogalehrer und ausbildungen ohne ende ... tsss - ich find s erlässlich ! doch; chaqun a son gout ... aloha und om shanti - jailakshmi

Kommentar von miramuun am 25. Juli 2015 um 12:09pm

Namaste,

ich denke, dass ist nicht vergleichbar, dass man mit der klassischen, schnell (oder langsam) durchpraktizierten Rishikesh-Reihe die Erfahrung einer langgehaltenen Asana machen kann.

Patanjali und die Hatha-Yoga-Pradipika z.B., bringen das sehr schön zum Ausdruck, was gemeint ist. Eine Körperübung, eine Asana, ist eine Vorbereitung auf Meditation, das bedeutet, der Körper soll erst die Asana erreichen.

Wenn es dem Körper gelingt, in der Asana vollkommen angekommen zu sein und diese vollkommene Asana aus der Mitte heraus in Vollendung den Körper erreicht, kann Meditation geschehen. Inas "Alles ist in Wechselwirkung" bringt es auf den Punkt. Beides ist verbunden.

aum
miramuun

... dass die asana den körper erreicht ... gelingt mir und meinen yoga-praktizierenden mit der klass. rishikesh-reihe genau so (oder auch weniger...). wieder so ein hype, um daraus ne gelddruck-maschine zu machen. nun gibts den YIN-yogalehrer und ausbildungen ohne ende ... tsss - ich find s erlässlich ! doch; chaqun a son gout ... aloha und om shanti - jailakshmi
Kommentar von jailakshmi am 25. Juli 2015 um 8:43pm

... yin- und yang-yoga hört sich total gut an - ida- und pingala-yoga auch und ein- und ausatmen-yoga auch,oderrrr ?
ohne humor gelingt nichts so richtig, gelll ? hari om - jailakshmi

Kommentar von Ina am 26. Juli 2015 um 3:23pm
Ich sehe das genauso Ravidas. Und Namen sind Klanghüllen, die wieder individuell vertont werden und Schwingung erhalten ;-)
Kommentar von Shanti Wade am 26. Juli 2015 um 11:11pm

Danke für eure Anregungen auf meinen Artikel. So wie sicher jeder von euch verschiedene Erfahrungen mit dem Praktizieren von Yin Yoga gemacht hat, so vielfältig sind die Meinungen. Und das ist völlig in Ordnung. Denn ist es doch egal, ob es dynamisch (Asthanga, Vinyasa, Kundalini,...) oder eher statisch (Sivananda, Yin,...) ist. Jeder praktiziert doch was für ihn in der gegenwärtigen Situation am besten ist. Aber diese Erfahrung muss man eben erstmal machen. Das kann und sollte sich auch immer wieder ändern, da wir ja nicht in allen Lebensphasen gleich drauf sind. So wie Yin und Yang auch im Gleichgewicht sein sollte. Wichtig ist jedoch, im Yoga immer wieder auf die Körpersignale zu hören und wahrzunehmen wieviel an Dehnung gut tut oder wo man über den "Wohlfühldehnungsschmerz" geht, weil vielleicht der Ehrgeiz einen treibt, eine Asana besonders gut zu machen. Meistens merkt man erst später, dass es zuviel war und manchmal braucht es aber eben genau diese Erfahrung, um wieder achtsamer in den Asanas zu sein. Es gibt kein Patentrezept, sondern nur die eigene Erfahrung damit, also das Ausprobieren. Seit ich Yoga (Yoga Vidya Reihe) praktiziere und auch unterrichte, musste ich auch erst viele auch schmerzhaft Erfahrungen machen, um heute dahin zu gelangen, was mir gut tut, also "in der Asana vollkommen angekommen zu sein". Und die Erfahrungen werden weiter gehen, da ich mich ja auch verändere. In meiner jetzigen Lebenssitutaion hat es eben den Namen Yin Yoga bekommen. (Könnte auch heissen "Sanfte Alternativen zur Yoga Vidya Reihe" oder "Die Yoga Vidya Reihe therapeutisch exakt" wie ich es auch vorher schon oft unterrichtet habe.) Ich kann nur das weitergeben, was ich selbst als positiv erfahren habe. Sonst wäre es nicht authentisch.
Falls ihr es also noch nicht ausprobiert habt, dann vielleicht jetzt (mit erfahrenen Yin YogalehrerInnen, die es ja nun auch gibt:-) und ich freu mich dann auf eure feedbacks, die natürlich auch konstruktiv kritisch sein können.:-) Und wenn nicht jetzt, dann vielleicht später...

Kommentar von Cornelia am 28. Juli 2015 um 12:34pm

Was Du hier beschreibst, liebe Shanti, entspricht genau meiner Erfahrung in den vergangenen Monaten. Ich hatte bloß kein Wort dafür.

Ich habe auf einem Gita-Seminar von R. Sriram begriffen und erfahren, wie der Atem fließt, wenn man ihn lässt. Anders als in der Yoga Vidya-Reihen war der Aha-Effekt für mich, keine tiefe Ein- und Ausatmung oder pumpendes Pranayama zu machen, sondern vielmehr wahrzunehmen, wie der Atem von alleine fließt und das Ein- und Ausströmung das "Bett" meiner Lebendigkeit ist. Dazu kam für mich das Begreifen des Loslassens in der Asana, bei ganz einfachen Übungen, die Sriram angeleitet hat. Mein Verständnis-Durchbruch betraf den Moment, in dem die Asana erreicht ist und in ihr alles an unnötigem Halten losgelassen wird. Da geschieht ein Erweichen und Schmelzen, das ganz tief nach Innen führt.

Dazu kam das Buch "Atem. Die Essenz des Yoga" von Sandra Sabatini, die sich ihre Praxis jenseits des Leistungsanspruches selbst neu erarbeitet musste und in dem Buch auf wunderbare sanfte Art mitteilt. Schließlich gehört zu meiner Weg-Orientierung von der Rishikesh-Reihe ein Ausspruch von Sundaram, den ich in seinem Seminar und auch auf seiner Hanuman-Übungs-CD gehört habe: Das Leben ist kein Selbstoptimierungsprojekt. - Ich erweitere diese Aussage dahingehend: Yoga ist für mich kein spirituelles Selbstoptimierungsprojekt. Ich muss nicht auch noch spirituell einem Höher, Weiter, Reiner, das ich bei Yoga Vidya immer wieder wahrnehme, folgen. Mein Erleben ist, dass ich durch das Lassen jedweder Optimierungsziele lebendig und „tief“ werde, nach den mir gerade gegebenen Möglichkeiten.

Seitdem kann ich die Rishikesh-Reihe nicht mehr durchpraktizieren. Ich mache mein Free Style-Yoga und erfahre dabei immer wieder, wie meine Körperintelligenz mich leitet, wenn ich keinen Zielen folge, sondern spüre, was durch mich und in mir Geschehen und Getan werden will. Mit viel Zeit für das Hinspüren und der Verfeinerung des Atems gelange ich in einfache Asanas, in denen sich nach und nach zeigt, wo etwas gelöst werden kann, wo etwas nachgeben will, wie die für mich ganz persönliche richtige Haltung und Position ist. In dieser Stimmung kann ich Asanas lange halten und "tief" werden. Viele Asanas sehen dann nicht mehr wie die klassischen Asanas aus, weil ich nur so weit gehe, wie ich spüre, dass die Asana zu mir kommen und sich entfalten kann.

Etwas traurig macht mich dabei, dass ich mit meinem Experimentieren alleine bin und ich bislang keinen Unterricht eines Lehrers oder einer Lehrerin von Voga Vidya erlebt habe, der/die ein Blick oder Verständnis für diese Feinheit gezeigt hat. Immer geht es nach Schema F und mit den klassischen Haltungszielen im Gruppenunterricht. Da wird z.B. in Arda Matsyendrasana der Schüler durch die Korrekturgriffe reingedreht als wäre es allen gegeben, sich in diese idealtypische Endhaltung zu begeben und unter Vernachlässigung der Tatsache, dass bei dieser Asana die Erdung über die Sitzbeinhöcker genauso wichtig ist wie die Intensität der Drehung.

Nachdem ich ein wenig recherchiert habe denke ich, dass ich intuitiv bei Yin Yoga angekommen bin. Hier fühle ich mich wohl und lebendig und einigermaßen unbelästigt von irgendwelchen Optimierungsvorgaben und -zielen. Nach meinen Free Style-Runden kann ich dann auch in Ruhe sitzen, ohne dass Füße, Knie oder Hüften schreien. Das spricht für sich/mich/Yin Yoga und für die Suche nach dem eigenen Yoga-Weg.

Liebe Grüße, Cornelia

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