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In einer der 108 Upanishaden kommt ein Schüler zu einem Lehrer und fragt den Lehrer: „Oh Meister, wie kann ich Brahman erfahren? Wie kann ich das Unendliche erfahren, das Ewige, das Absolute?“ Und der Meister antwortet: „Meditiere über den Atem. Indem du über den Atem meditierst, verstehst du, was Brahman ist.“ Der Dialog geht noch sehr viel weiter und es ist ein Dialog, der über mehrere Tage sich ausdehnt, aber zunächst mal: „Meditiere über den Atem.“


Der Mensch atmet durchschnittlich zwanzig- bis dreißigtausend Mal am Tag, wir nehmen zwanzig- bis dreißigtausend Atemzüge. Und der Atem hat auf verschiedensten Ebenen eine Bedeutung. Natürlich, physiologisch gesehen, ihr seid alle biologisch gebildet und ihr wisst, wir nehmen Sauerstoff auf und wir geben Kohlendioxid ab. Etwas zunächst mal ganz Banales. Aber so banal ist es wiederum nicht, wenn man so ein bisschen darüber nachdenkt, wir nehmen Stoffe auf, wir geben Stoffe wieder ab. Das zeigt zum einen ganz klar, wir sind verbunden mit unserer Umwelt. Wir sind nicht so getrennt von einander, wie wir das öfters denken, wo wir denken: „Ich bin allein. Ich bin einsam. Keiner mag mich.“ So ist es nicht, mindestens die Luft mag uns. Sie kommt sogar ständig in uns hinein und wir geben sie auch ständig wieder ab. Das ist auch ein anderes Symbol dafür, wir nehmen Sachen auf und wir geben auch wieder ab.

Angenommen, wir wären jetzt geizig und würden sagen: „Ich nehme nur Luft auf, ich gebe nichts ab.“ Für zwei Minuten kann man das machen, dann wird man gezwungen, auszuatmen. Das ist natürlich, wir nehmen auf und wir geben ab und das ist ein Kreislauf. Und Meditation über den Atem kann einen auch dazu bringen, wir können sagen: „Wir nehmen und wir geben.“ Angenommen, wir würden jetzt aber auch sagen: „Ich bin uneigennützig, ich gebe nur, ich nehme nichts. Ich atme nur aus, aber ich atme niemals ein.“ Wozu würde das führen? Also, wir nehmen auf und wir geben ab. Und in dem Maße, wie wir nehmen, können wir geben, in dem Maße, wie wir geben, können wir nehmen. Die meisten Menschen denken irgendwo: „Ja, ich nehme gute Luft auf und ich gebe schlechte Luft ab.“ Das ist aber auch nicht gut, oder? Viele Menschen verhalten sich so, wir saugen eben alles Gute zu uns hin und Abfall geben wir ab. Wir vergessen aber, was für den einen Abfall ist, ist für den anderen Lebenselixier. Z.B. für die Bäume, was wir an kohlendioxidreicher Luft abgeben, das ist Lebenselixier für die Bäume. Und was die Bäume abgeben, sauerstoffreiche Luft, ist vom Standpunkt der Bäume Abfall. Von unserem Standpunkt aus ist es Sauerstoff. Man könnte auch sagen, wir nehmen allen Abfall der Pflanzenluft auf und wir geben reines Kohlendioxid – das ist natürlich nicht rein – aber wir geben kohlendioxidangereicherte Luft ab, damit die Pflanzen überleben können. Die Pflanzen geben Sauerstoff für uns, wir geben Kohlendioxid für die Pflanzen. Genauso auch, das geht ja auch in vielerlei anderer Hinsicht.

Wenn ihr mal einen Komposthaufen anschaut, auf der einen Ebene ist das Abfall. Auf der anderen Ebene ist der Komposthaufen eines der größten Wunder des Universums. Was da alles an Kleinstlebewesen da ist, unglaublich. So können wir darüber meditieren und feststellen, es ist eine ständige Verbindung. Es geht aber noch weiter: Wenn wir ein- und ausatmen, atmen wir auch nicht nur Sauerstoff, behaupten die Yogis, wir nehmen Prana auf und geben Prana auch wieder ab. Wir nehmen Energie auf, wir geben Energie ab. Wir können diese Energie, die wir aufnehmen, auch aufladen und in subtilere Chakras bringen. Wir können bewusst atmen. Und wenn wir bewusst atmen, zum einen führt das zu einem Gefühl der Verbundenheit, zum anderen führt es zum Gefühl von mehr Energie. Und wann immer man Energie braucht, manche denken: „Ich muss irgendwo warten bis ich in Urlaub fahre.“ Natürlich, eine der Weisen, Energie aufzunehmen, ist, in einen Yoga Vidya Ashram zu kommen, dann könnt ihr euch zügig aufladen. Ihr müsst aber nicht solange warten, wie ihr alle wisst. Oder manche denken: „Es geht auch schön irgendwo sonst, ans Meer, in die Berge oder wo auch immer hinzufahren.“ Da kann man sich auch aufladen und das mag ja auch gut sein. Aber wir können mit jedem Atemzug mit Energie aufladen und wir können das bewusst machen. Wir können natürlich Pranayama üben und uns mit Energie aufladen. Wir können das auch immer wieder am Tag machen, immer wieder über Atem meditieren, immer wieder uns bewusst werden, wir nehmen etwas auf, wir geben etwas ab. Was für uns etwas Gutes ist, hat jemand anderes uns gegeben und was wir dann ausatmen, ist etwas, was wieder für jemand anderes, nämlich für irgendeine Pflanze und für viele Pflanzen gut ist. Letztlich sagt man auch noch so schön: Wir atmen alle die gleiche Luft. Auf gewisse Weise atmen wir sogar dieselbe Luft. Wenn wir hier in diesem Raum sind, nach den Gesetzen der Gasmechanik, schon während meinem Vortrag hat jeder hier Moleküle in seinen Lungen gehabt, die ich auch schon in meinen Lungen gehabt habe. Viele Menschen finden diese Vorstellung nicht so schön, aber auf einer anderen Ebene ist sie auch schön. Vor allem wenn wir noch dazu bewusst sind: Atem ist verbunden mit Prana und so sind wir auf verschiedensten Weisen miteinander verbunden, wir sind auf verschiedensten Weisen miteinander eins.

Hari Om Tat Sat

 

 

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

 

 

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Tags: Brahman, Sukadev, tägliche inspiration

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