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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute geht es um das die zweite Zeile in dem Kirtan: „Hey Prabhu - Oh Gott“. Dort heißt es: „Nimm meine schlechten Gewohnheiten von mir.“

Das ist ein frommer Wunsch. Die meisten von euch sind schon eine Weile dabei, beim bewussten Leben und manche haben festgestellt, dass einige schlechten Gewohnheiten tatsächlich ganz von selbst von einem abfallen. Bei vielen Menschen - sowie sie mit Yoga zu üben beginnen - fallen eine Reihe von Sachen weg, ohne dass sie sich besonders bemühen müssen. Eine ganze Menge hören fast ohne Anstrengung auf zu rauchen, eine ganze Menge stellen ihre Ernährung um, fast ohne es zu merken, einfach weil der Appetit auf Gesünderes stärker wird. Eine ganze Menge Menschen merken, dass sie ganz von selbst mehr in die Natur gehen, mehr spazieren gehen wollen und vieles andere. Eine Menge passiert von selbst.

Aber, die meisten von euch wissen auch, dass nicht alles von selbst passiert. Manche Menschen arbeiten dann bewusst an sich. Das ist manchmal ein kleiner Nachteil beim Yoga: es gibt uns sehr hohe Ideale. Ich glaube, jeder von uns wüsste sofort etwas, bei er oder sie alte Denkgewohnheiten, Reaktionsgewohnheiten, emotionelle Reaktionsgewohnheiten gerne überwinden würde. Wir hätten gerne, dass wir liebevoll, energetisch, harmonisch, engagiert, einfühlsam und dennoch stark sind. Und es ist gut, dass man sich darum bemüht.

Bei allem Bemühen gilt es aber auch immer zu erkennen, dass unsere bisherigen Gewohnheiten nichts Bösartiges oder Schlechtes sind. Man kann eher sagen, sie sind geschickt und weniger geschickt, sie sind dem spirituellen Fortkommen förderlich und nicht förderlich, sie sind einem harmonischen Zusammensein mit anderen Menschen förderlich oder nicht förderlich. Aber die alten Gewohnheiten sind deshalb nicht schlecht. Auch wenn man irgendwelche negativen Tendenzen in sich spürt, das Grundanliegen dahinter ist positiv. Dennoch ist es wichtig, daran zu arbeiten, es zu transformieren, es umzuwandeln. Manches können wir aus eigener Anstrengung machen. Dafür haben wir Raja Yoga. Man kann lernen, damit umzugehen und wie man anderen Menschen dabei ebenfalls helfen kann. Mit klassischem Raja Yoga und moderner westlicher Psychotherapie, mit Coaching und Ähnlichem können wir da eine Menge schaffen. Nur bei manchem stellt man fest: „Ich packe es nicht allein.“ Und wenn alles, was wir ausprobiert haben, nicht wirkt, wenn nichts funktioniert hat, dann können wir die Hände hoch in die Luft werfen und sagen: „Oh Gott, ich kriege es nicht hin. Bitte, hilf Du mir. Du bist meine einzige Zuflucht.“

Wenn wir das machen, dann kann es plötzlich geschehen, dass uns entweder eine Einsicht kommt, wie wir irgendwie einen Schalter umlegen. Es kann auch passieren, dass irgendetwas von uns wegfällt. Es kann plötzlich geschehen, dass es uns leicht fällt, zu ändern, was wir ändern wollten. Das ist eines der Geheimnisse im Bhakti Yoga. Vor allem, wenn es wirklich vom Herzen kommt.
Darum sagt man auch oft: „Es muss einem erstmal richtig schlecht gehen, damit es einem anschließend gut geht.“ Das muss glücklicherweise nicht so sein. Aber wenn es einem schlecht geht, dann kann das auch etwas Gutes sein, es kann der Übergang zu etwas Gutem sein. Wenn es dir mal richtig schlecht geht, freue dich, denn das kann dir zum nächsten Schritt helfen. Wenn du wirklich nichts mehr hast, an das du dich wenden könntest, dann wende dich von ganzem Herzen an Gott. Dann kann plötzlich eine Transformation stattfinden. Manchmal dauert es eine Weile, manchmal geht es auch schnell. Aber ganz sicher ist, wenn wir uns von ganzem Herzen so an Gott wenden, dann geschieht diese Transformation.
Aber wie gesagt, es muss einem nicht schlecht gehen dafür. Wir müssen nicht warten, bis es uns ganz schlecht geht, um uns an Gott zu wenden. Man kann sich auch schon vorher an Gott wenden. Es ist nicht so, dass es uns unbedingt schlecht gehen muss, damit die Transformation stattfinden kann. Wir müssen uns nur an Gott wenden. Wenn wir das schon können, bevor es uns schlecht geht, kann die Transformation schon vorher stattfinden.

Wir können es aber auch erst aus eigener Kraft versuchen, mit Raja-Yoga-Techniken, mit Jnana-Yoga-Techniken, mit psychotherapeutischen Techniken, mit systemischen Techniken, mit hynotherapeutischen Konzepten, mit psychoanalytischen oder kognitiven oder sonstigen Konzepten. Probiere erstmal alles, was dir einfällt. Vieles wird dir gelingen. Wenn es dann nicht klappt, wende dich an Gott. Sei so ähnlich wie ein Kind: Das probiert auch erst alles und wenn es dann nicht geht, dann ruft es: „Mami!“. Der Bhakta bleibt wie ein Baby. Also, wenn irgendwas nicht klappt, sagt er: „Oh Gott, bitte hilf mir.“ und dann kommt auch die Hilfe. Aber nicht jeder bleibt dieser einfach gestrickte Bhakta und so können wir vielleicht mehr ein Raja-Yogi oder ein Jnana-Yogi sein. Aber immer, wenn wir feststellen, dass es nicht klappt, dann sagen wir, „Mami“ oder „Papi“ oder „Hey Prabhu, bitte, hilf mir.“

Hari Om Tat Sat

Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: beten, bitten, grenzen, he, hilfe, inspirationen, prabhu, sukadev, tägliche, um, Mehr...überwinden

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