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Was denkt ihr zum Thema Religionsvermischung?

Meiner Meinung nach ist eine Religionsvermischung normal. Der Zen-Buddhismus hat sich mit dem chinesischen Taoismus vermischt. Der tibetische Buddhismus hat alle wichtigen Techniken aus dem indischen Tantra-Yoga übernommen (Hatha-Yoga, Guru-Yoga, Gottheiten-Yoga, Tantra, Kundalini-Yoga). Der Amitabha-Buddhismus praktiziert die christliche Gnadenlehre von Martin Luther. Der westliche säkulare Buddhismus hat sich mit dem Atheismus vermischt.

Der Begründer des indischen Yoga Patanjali hat viel von Buddha übernommen (die vier Unermeßlichen, Gewaltlosigkeit, Meditation, Gedankenarbeit). Der katholische Priester Williges Jäger praktiziert den Zen-Buddhismus. Der erleuchtete Priester Bede Griffiths meinte, dass alle Religionen zusammen das Ganze ergeben. Ramakrishna lehrte, dass alle Religionen Wege zur Erleuchtung sein können.

Die meisten Menschen im Westen praktizieren buddhistische Techniken, um inneren Frieden und seelische Heilung zu finden (achtsamkeitsbasierte Therapie). Wenn man nach Erleuchtung strebt, ist es hilfreich einen authentischen erleuchteten Meister zu haben. Andererseits haben auch erleuchtete Meister Fehler und man kann sich leicht auf dem spirituellen Weg verlaufen.

Aus meiner Sicht hat jeder die Erleuchtungsnatur in sich. Wir finden sie, wenn wir konsequent unser inneren Stimme folgen. Jeder kann seinen spirituellen Weg praktizieren, wie er will. Er kann das tun, was für ihn hilfreich ist.

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Kommentar von gorch am 18. September 2019 um 11:03am

Hallo.
Ich war sehr lange Zeit in der katholischen Kirche. Und bin dann ausgetreten, weil mir die Diskrepanz zwischen der Lehre und dem, was in der Struktur der katholischen Kirche passiert (Mißbrauch, Vertuschung, usw.), zu groß wurde und ich das nicht mehr mittragen wollte. Ein weiterer wichtiger Aspekt aber war, dass ich die Sicht der katholischen Kirche (der Texte der Bibel) auf den Menschen nicht mehr teilen konnte. Der immerschuldige Mensch, schon von Geburt an, muss sein Leben lang Buße tun, um diese Schuld abzulegen. Dieser Schuldkomplex zieht sich durch alles in zumindest der katholischen Kirche. Und ist ja klar: Der Einzige, der uns von dieser Schuld befreien kann, ist Gott. So sehe ich den Menschen nicht.

Was ich damit sagen will ist, dass sich Religionen wegen mir vermischen können wie sie wollen. Bestimmte Elemente finden wir sowieso bei allen namhaften spirituellen religiösen Richtungen. Was ich aber fundamental wichtig finde ist, dass man nicht unkritisch Elemente anderer Religionen übernimmt oder akzeptiert. Konkret heißt das für mich auch, dass auch wenn ein Mensch der Ansicht ist, er würde durch eine bestimmte Handlung das tun, was ihm sein Gott abverlangt, er nicht automatisch das Richtige tut. Jeder kann beliebig ganz viel für seine Erleuchtungskultur halten. Wenn aber Z. B. die Würde von Frauen und Homosexuellen im Islam verletzt wird oder die körperliche Integrität von Kindern bei beschneidungen beschädigt wird (und das wird sie strukturell), sollte man meiner Ansicht nach vorsichtig werden und solche Dinge nicht vor lauter Toleranz akzeptieren. Ich denke, an so einer Stelle braucht es dann Courage zu einer klaren Haltung. Und hier würde ich auch widersprechen, dass alle Religionen "Wege zur Erleuchtung sein können". Ja, "Können", vielleicht. Aber manche sind es bestimmt nicht und Du schreibst ja auch, dass auch "Meister Fehler haben können". Es sind eben letztlich doch "nur" Menschen, die eine Religion ausmachen. Gute und schlechte.

Was ich bis jetzt am Yoga und der Einstellung, die hier vorherrscht ganz gut finde ist, dass man offen ist. Dass man andere Religionen respektiert. Und warum sich nicht das ein oder andere abschauen? Keiner hat den einen wahren Gott (oder den Weg zur Erleuchtung) allein für sich gepachtet (auch wenn das zuweilen behauptet wird).

Jörg

Kommentar von Nils Horn am 18. September 2019 um 11:46am

Ich stimme dir zu.

Kommentar von Losang Sherab am 18. September 2019 um 1:41pm

Es gibt nur einen Gott, aber viele Manifestationen und Namen. Deshalb ist eine Religionsvermischung kein Problem, weil diese letztlich in ihrem Kern auf den gleichen Ursprung hindeuten. Es ist aber für den Suchenden selbst durchaus ein Problem, weil er vor lauter Verschiedenheit der Wege wild umherirren kann, ohne einen richtigen Halt zu finden. Deshalb ist mein Rat für spirituell Suchende: Finde erst einmal eine (!) Richtung die dir gut liegt und in der du dich geborgen und zu Hause fühlst. Dann versuche zum wirklichen Kern dieser Richtung vorzudringen, versuche die zentralen Aussagen der spirituellen Richtung zu ergründen und beschäftige dich mit dem Leben des jeweiligen Meisters. Wenn du so den wirklichen Kern der spirituellen Richtung zu begreifen lernst, wirst du selbst ein Teil des göttlichen Wegs. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Traditionen beginnen zu fallen und du erkennst das Gute in allen Richtungen. Dann spielt es keine Rolle mehr, ob du über Jesus, Buddha, Swami Sivananda oder jemand anderen in den Strom der Erkenntnis eingetreten bist. Du kannst das Gute aus allen Richtungen in dich aufnehmen und für deinen Weg nutzen.

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