Hier ist nun endlich der Text den ich beim Satsang, am Abend nach unserer Prüfung, vorgelesen habe.

Er ist mit einem leichten schmunzeln zu lesen, wobei einiges doch genau so war...


Tagebuch einer 4 Wochen Yogalehrerausbildung

1, Woche

5.20 Uhr der Wecker bimmelt.

Boah ist dat früh.

Mir fällt ein das ich gleich ½ Stunde stille Meditation habe, da ich kann ich ja weiter schlafen.

Ich schlurfe ins Bad, wasche den Fremden im Spiegel – der hat das nötig!

Dann: Stille Meditation, ich würde gerne schlafen, die Sitzhaltung würde es ja vielleicht zulassen, nicht aber mein Kopf.Der ist putzmunter und erzählt mir ganze Romane.

Anschließend schlurfe ich müde zum Satsang, an schlafen ist hier nicht zu denken, die laute Musik… über Lautsprecher dröhnt dasHarmonium, und der freudige Gesang der Mitschüler verhindern dasNickerchen.

Dem anschließenden Unterricht möchte ich gerne folgen, nur ist mein Geist jetzt total leer und still. Er weigert sich dem Unterrichtzu folgen. Das einzige was mich jetzt noch wach hält sind meineBeine die das lange Sitzen auf dem Boden nicht gewohnt sind.

9.00 Uhr Yogastunde: Hurrah endlich bewegen, dachte ich! Nach der Tiefenentspannung heißt es, setzt euch in eine bequeme (Haha)Haltung mit aufrechtem Rücken und gekreuzten Beinen für dasPranayama. Nach dem Pranayama endlich bewegen. Allerdings habe ichneue Probleme, mein Magensymbolisiert starken Hunger. Damitbeschäftige ich mich bis zur Tiefenentspannung. Dort kommt er dannendlich…. Der wohlverdiente Schlaf.

2. Woche

Habe eine Strategie gegen den erstaunlich mobilen Geist entwickelt.

Sie heißt: Mantraweihe! (tolle Sache übrigens!)

Ich empfange sie, und ziehe am nächsten Morgen, bewaffnet mit meinem Mantra, in die Meditation. Mein Geist wird sich wundern. Kaumdas ich sitze meldet er sich auch schon. Mutig schmettere ich ihmmein Mantra entgegen. Dann stelle ich fest, die beiden mögen sichganz doll! Während ich mein Mantra rezitiere, singt mein Geist„Smoke on the water“ und erzählt dem Mantra aus meiner Kindheit.Wow...

Spock aus der Serie Enterprise würde sagen FASZINIEREND.

Fernsehen ist nichts dagegen.

Im Unterricht häufen sich Worte die wie willkürliche Buchstabenkolonnen wirken. Sie entstammen der Sprache mit den schönenNamen Sanskrit und fangen meist mit „S“ an, wie Santoscha,Shatwapatti, Shakti, Shushumna, diese Sprache ist: FASZINIEREND

3. Woche

Ich erfreue mich in der Meditation an dem tollen Programm. Heute läuft: Mantra mit Ideen was ich mit der Ausbildung anfangen kann,unterlegt ist das ganze mit Songs der Rolling Stones.

Cool!

Um meinem regen Geist eins Auszuwischen habe ich mir einen spirituellen Namen zugelegt. Mein Geist ist davon aber völligunbeeindruckt!

Im Yogaunterricht haben wir jetzt Kundalini Yoga. Ich glaube fest daran, dass ich demnächst im vollen Lotussitz durch die Flureschweben werde.

Begleitet von einem leisem Zischen: Zzzzzzschhhhh….

Kundalini gibt Energie, viel Energie. Ich habe soviel Energie in den Armen, dass ich am Buffet einen Teil des Essens auf meinem Tellerplatziere, den Rest deplatziere ich auf dem Boden. Ich habeHochspanung in den Armen, meinen Mund zu treffen ist in diesen Tageneine Herausforderung.

Plötzlich fällt mir ein, ich sollte mal lernen. Ich setzte mich in der kurzen Freizeit hin um Sanskritbegriffe zu lernen.

Wieso hatte ich in der Schule Englisch? Das hilft mir jetzt kein bisschen! Auch die sehr bescheidenen Latein Kenntnisse helfen nicht!

4. Woche:

5.20 Uhr, der Wecker bimmelt.

Ich habe mich daran gewöhnt. Den Fremden im Badezimmerspiegel duze ich bereits, ich kenne ihn gut. Und er sieht auch wesentlichgepflegter aus als in der ersten Woche.

In der Meditation lasse ich meinen Geist reden und singen. Ich selbst bleibe in der Stille. Wenn er reden will, soll er…

Die Tage vergehen, die letzte Lehrprobe bestehe ich mit Bravour!

Ich unterrichte sogar eine weitere Stunde freiwillig. Und ich schwebe tatsächlich durch die Flure, nicht im Lotus, aber fast…

Dann der Freitag – letzter Tag vor der Prüfung, der Studientag. Und jetzt schaffe ich es!

Mein Geist ist still und leer.

Völlig still und völlig leer! (kurze Panik)

Kein Sanskrit regt sich. Gestern noch tanzten Ahimsa, Buddhi, Samskara, und Samadhi Ringelreihen, Heute absolute stille! Keiner da,niemand zuhause. Wie soll ich morgen die Prüfung schreiben?

Und dann im Abendsatsang passiert es. Es macht Bing, und ich merke ich weiß Tatsache alles! Ich kenne die Bhumikas, weiß allewichtigen Sanskritbegriffeund und ich spüre eine unendliche Freude,ist das Samadhi?

Swami Sivananda und Swami Vishnu Devananda zwinkern mir von Altar aus zu…

FASZINIEREND



Nachtrag: Prüfung mit 1 bestanden. Danke an alle!

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Kommentare

  • Hallo Gopala,
    wirklich sehr schön und inspirierend :-)
    Es hat schonmal eine Gruppe neuer Yogalehrer etwas ähnliches verfasst als Gedicht.
    Kannst dir ja mal anhören. Ich finde es auch super:

    http://www.yoga-vidya.de/de/service/blog/?s=Yogalehrergedicht&s...

    Om shanti und lichtvolle Grüße von Haripriya

  • Ihr Lieben, ich freue mich sehr darüber, dass ich so vielen Menschen anscheinend aus dem Herzen spreche. Humor ist das "I" Tüpfelchen des Lebens, das "I" selbst ist natürlich Yoga! Bewahre das innere Kind, lache, staune und genieße - vor allem über dich!
    Vielen dank für die schönen Reaktionen
    Om Tat Sat
    Gopala

  • superspannend, superschön... und so menschlich ;-))

  • **** Köstlich !

  • super..... :-)...... om shanti

  • Cool ;o))
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