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Sozialökonomie - Eine Fabel

Löwe und Gazelle philosophierten über die Wetterbedingungen als Grundlage ihres Überlebens in der Savanne. Die Gazelle, welcher der Löwe höflich das erste Wort ließ, meinte: „Da es im letzten Jahr viel regnete, hatten wir Gazellen entsprechend Gras und Kräuter zu fressen und konnten uns somit recht ordentlich vermehren. Das kommt natürlich auch euch Löwen zugute, die ihr jetzt viele Gazellen fangen und verzehren könnt. Ich habe aber in meinem kurzen Gazellenleben ein wenig über Folgendes nachgedacht:

Durch die zuvor herrschende jahrelange Trockenheit, die eine Dezimierung von uns Gazellen zur Folge hatte, hattet auch ihr enorme Nahrungsprobleme und viele Löwen sind vor Hunger gestorben. Wenn jetzt die Wenigen von euch, sich über die jetzt wieder Vielen von uns hermachen, werdet ihr euch überfressen, träge werden und durch irgendwelche Zivilisationskrankheiten aussterben. Uns Gazellen wird das anfangs natürlich sehr freuen, endlich angstfrei grasen und die Idylle der Savanne genießen zu können. Dann werden aber auch wir uns überfressen, faul und träge werden und ebenfalls an vorher unbekannten Krankheiten sterben. Ohne Gazellen wird bald das Gras überhand nehmen, dann folgen Büsche und Bäume folgen und bald ist dort ein undurchdringlicher, unwirtlicher Urwald, wo früher so reiches Leben blühte. Dieser Urwald wird Nebel ausdünsten, was zu mehr Regen führt, der wiederum den Urwald noch üppiger wachsen lassen wird. Was, mein lieber, weiser Löwe, sagst du zu diesen meinen Ausführungen, die unser beider Zukunft so düster malen? Welche Lösungsansätze hat dein kluger Geist uns allen zu bieten?“

Happs, war noch der einzige Laut, den man hörte. Danach trat eine friedlich Stille ein, in der der Löwe sein ausgedehntes Mittagsschläfchen hielt. Es war nur eine aufdringliche Mücke gewesen, nach welcher der Löwe geschnappt hatte, bevor er in sein Dösen verfiel, denn zu viel Denken lag ihm nicht und machte ihn zumeist schläfrig. Trotzdem kreisten während seiner Mittagsruhe die durch die Worte der Gazelle angeregten Gedanken selbsttätig in ihm weiter und als er wieder die Augen öffnete, sprach er zu ihr: „Meine liebe Gazelle, du hast das alles aus deiner sehr eingeschränkten Sichtweise beschrieben, ich, der Löwe, der viele Beziehungen mit aller Welt pflegt, kann dir ein anderes Szenario schildern:

Nun, ihr Gazellen, Dank des Regens und des Grases, und wir Löwen, Dank euch Gazellen und einiger anderer Tierchen, haben uns bald enorm vermehrt. Das macht die Zweibeiner auf uns alle aufmerksam. Sie werden zuerst mit ihren Feuerrohren kommen und uns aus reinem Spaß dahinschlachten. Dann, wenn wir wieder drastisch weniger geworden sind, werden Fänger kommen und uns in ihre zoologischen Gärten und Zirkusse bringen zur Belustigung ihrer eigenen Rasse und für unser Überleben, wie sie sagen. Unsere Nachkommen werden elendig in kalten, hässlichen Ländern hausen. Außerhalb von Gitterstäben wird es nur noch die laut lärmenden Zweibeiner geben. Der würzige Duft der Savanne, die süßen Gesänge der Freiheit, der scharfe Wind des lebendigen Lebens wird nicht mehr existieren, nur ihr eigener stinkender Kot und ihr Angstschweiß, ihre jämmerlichen Heimwehlieder und der klägliche Tod durch eine Giftspritze werden noch auf sie warten. So wirst Du verstehen, meine liebe Gazelle, unsere treue Gefährtin auf dieser schönen, erhabenen Savanne, wenn ich dich jetzt fresse, einfach weil ich Hunger habe, nicht aus Gier und Völlerei, tue ich das zum Wohle unserer aller Kinder, Enkelkinder und Urenkel. Und ich verspreche dir als dein König: Solange ich lebe, werden weder deine noch meine dunklen Träume Wirklichkeit. Bist du bereit, so brauchst du nur zu nicken und die Augen zu schließen.“ – Und die Gazelle nickte ein ganz kleinwenig mit ihrem schönen Kopf und ließ die sanften Lieder über ihre traurigen dunklen Augen sinken.

~ Bhajan Noam ~

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Tags: Bhajan_Noam, Fabel, Gazelle, Löwe, Sozialökonomie

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