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Leben Reloaded-- die etwas andere Autobiografie eines Yogi

Leben Reloaded

von Dieter Gurkasch ist die Biografie eines Menschen, der vom Mörder zum Yogi und Yogalehrer wurde.

Für mich war es die reinste Selbsterfahrung, dieses Buch zu lesen.

Leben reloaded beginnt indem Dieter Gurkasch von seinem zweifachen Herzstillstand berichtet, den er nach einer Schießerei mit der Polizei erlitt. von diesem Moment an wurde sein Leben reloaded. Dieter Gurkasch beschreibt seine Kindheit als normal. Er wächst in einer bescheidenen Familie auf, der es an nichts fehlte. Auch, wenn es keine körperliche Nähe gab, beschreibt er die Beziehung zu seiner Mutter als liebevoll und unterstützend, bis sie sich emotional zurückzieht, als er etwa zehn Jahre alt ist. Er vermutet, dass seine Mutter so handelte, um ihn abzuhärten und auf das Leben vorzubereiten. Dieter Gurkasch beschreibt sich selbst als Rockzipfelkind, das weich, lieb und verletzlich war. Durch mehrere Schlüsselerlebnisse im Kindesalter bekommt er die Auffassung, dass Menschen stolz auf ihn sind, wenn er Härte zeigte, Gewalt anwendet und sich durchsetzt. Mit 14 Jahren zieht er zusammen mit seiner Schwester in eine Wohnung im Haus neben der elterlichen Wohnung und gerät mehr und mehr in die Drogensucht und Dealerei. Um seiner damaligen Freundin Geld für einen Rückflug aus Griechenland zu besorgen, begeht er einen Überfall, der schiefgeht. Ab diesem Zeitpunkt wird er von der Polizei gesucht und ist auf der Flucht. Seine Freundschaften zerbrechen, als er nicht mehr viel Geld und viele Drogen besitzt. Diese Ablehnung schürt umso mehr den Hass in Dieter Gurkasch. 1985 begeht er bei einem weiteren Überfall, den er gemeinsam mit einem Freund ausübt, den brutalen Mord an Inge D. Dieter Gurkasch springt der am Boden liegenden Frau mit Stiefeln ins Gesicht. Sie stirbt an den Folgen im Krankenhaus. Er wird wegen Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt. In den Gefängnisalltag in der Justizvollzugsanstalt Santa Fu lebt er sich schnell ein und bezeichnet sich selbst als hohes Tier in der Gefangenenhierarchie. In Santa Fu beschäftigt er sich hauptsächlich mit Ausbruchsplänen. Dieter Gurkasch verbringt viel Zeit in der Isolierhaft, flieht, wird in ein anderes Gefängnis verlegt und ist maßgeblich an Gefangenenrevolten beteiligt. In der Zeit im Gefängnis lernt er seine heutige Frau Fee kennen, die eine wichtige Rolle in seinem Leben einnimmt. Nach seiner Entlassung steigt Dieter Gurkasch erneut in die Kriminalität ein und wird letztendlich bei einer Schießerei mit der Polizei getroffen und landet im Gefängniskrankenhaus. Leben Reloaded : Dieter Gurkasch beschreibt eine innerliche Veränderung nachdem sein Leben reloaded wurde. Zum einen wurde er tatsächlich zurück ins Leben geholt, zum anderen beschreibt er, dass er den Hass, welchen er schon sein Leben lang mit sich trägt, nicht mehr spürt. Seine Frau Fee und er beginnen, sich mit Spiritualität und vor allem Yoga zu beschäftigen. Dieter Gurkasch findet den einstieg vor allem über die körperliche Ebene. Seine Frau und er tauchen immer mehr in diese neue Welt ein. Neben seiner eigenen Yogapraxis animiert Dieter Gurkasch auch andere Insassen zum üben von asanas. Er übernimmt Verantwortung, betreibt die Gefangenebibliothek und beginnt zu meditieren. Er beschreibt seinen Zustand wie ausgewechselt, als er die Kundalinierweckung durchlebt. Zwar baut er körperlich ab, befindet sich jedoch in einem ekstatischen Zustand und ist zunehmend offen und friedlich. Das Yogajournal sowie einige Yogalehrer melden sich und unterstützden Dieter Gurkasch, nachdem er eine Yogagruppe im Gefängnis ins Leben ruft. Durch eine Gesetzesänderung wird er plötzlich entlassen, statt in Sicherheitsverwahrung zu bleiben. Er spürt, dass sein Leben tatsächlich reloaded ist, als er wieder in Freiheit ist. Er lebt bei seiner Frau und praktiziert weiter Yoga. Die kriminelle Laufbahn schlägt er nicht mehr ein. Von dem Gedanken, dass Yoga im Gefängnis ein Medium sein kann, mit dem die Inhaftierten ähnlich positive Erfahrungen, wie er machen können, kommt er nicht mehr los. Wichtig ist ihm jedoch, dass in einem totalitären System wie dem Gefängnis Yoga nicht von der Leitung für ihre eigenen Ziele instrumentalisiert wird. Er beschäftigt sich mit vielen Konzepten, die mit Yoga in Gefängnissen arbeiten und kommt zu dem Schluss, dass es besonders wichtig ist, auch die Angestellten des Gefängnisses an den Stunden teilnehmen lassen zu können. Empathie auf beiden Seiten würde so gefördert. Zusammen mit seiner Frau und einer befreundeten Yogalehrerin gründet er den Verein YuMiG(Link zur Seite) , was "Yoga und Meditation in Gefängnissen" bedeutet. Ziel des Vereins ist es, Yoga im Gefängnis als niedrigschwelliges Therapieangebot einzuführen. Der Verein ist sowohl für Inhaftierte, als auch für Yogalehrer Ansprechpartner. Mann kann entweder aktives- oder Fördermitglied werden, wobei der Beitrag für Inhaftierte nur einen Euro pro Quartal beträgt. Dieter Gurkasch macht seine Yogalehrerausbildung bei Yogavidya und bemüht sich um die Verbreitung von Yoga im Gefängnis.

Und warum nun Selbsterfahrung?

Das Buch von Dieter Gurkasch hat mich durch unglaublich viele Ebenen meiner Seele Geführt. Im Grunde habe ich genau so wie Dieter ein Leben voller Gefühlsgewitter gehabt und mich systematisch mit Drogen, Erbrechen Schneiden und anderem destruktiven Verhalten für meine Existenz bestraft. Bekanntlich richten sich die Aggressionen bei Mädchen ja eher nach innen und bei Jungs nach außen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstehen konnte, warum ich nicht aufhören kann, Dieter Gurkasch zu verurteilen und zu bewerten. Auch, wenn alle anderen es tun, ich kann ihm den Mord an Inge D. nicht verzeihen. Irgendwann erkannte ich dann die Parallele zu mir. Ich habe mich auch nur aus den Umständen heraus zu einem Menschen entwickelt, der im Grunde einen Mord in kleinen Stückchen begangen hat- und zwar an jedem positiven Gefühl für mich selbst. Genau wie Dieter Gurkasch in wollte ich im Grunde nur geliebt werden und habe dafür fast alles in Kauf genommen. Ich bewundere ihn für die Tatsache, dass er sich offensichtlich vollkommen vergeben und einen Neustart machen konnte. Ich denke, dass meine innere Abwehrhaltung gegen seine Wandlung daher rührt, dass ich mir selber noch nicht vergeben habe und den Neustart in ein freies Leben Wagen kann. Für mich ist auch eher abschreckend, dass vor jedem Kapitel jemand zu Worte kommt, der etwas Gutes über ihn erzählt. "Wer lässt die Anghörigen von Inge D. denn zu Worte kommen" frage ich mich dann unentwegt und warum veröffentlicht nicht jeder normale Yogi ein Buch und wird von dem Yogamassen gefeiert, der keinem anderen die Zeit auf Erden geraubt hat? Muss man erst jemanden umbringen, um so viel Aufmerksamkeit zu bekommen und ist ein Wandel vom aggressiven Mörder zum Yogi Gutmenschen auf allen Ebenen nicht etwas extrem? Wo sind da die Grauzonen? Und auch hier wieder meine Parallele: Mein Leben hat auch keine Grauzonen, ich bin eine Schwarz- Weiß Denkerin. Es fällt mir nicht schwer, dies an ihm abzulehnen.

Was mich an dem Buch gerührt, gefreut und beeindruckt hat,

ist die starke Kraft und Bestärkung, welche von seiner Frau Fee ausging- und geht. Beim Lesen und auch, wenn ich Fotos von den beiden sehe, kann ich die Reinheit dieser Liebe förmlich spüren. Ich denke, dass das Buch zu einem viel größeren Teil eine Liebes- als eine Yogageschichte ist, aber das ist sehr sehr subjektiv empfunden. Ich möchte Euch dieses Buch von ganzem Herzen empfehlen, denn es ist ein wunderbares Medium, um mit sich selbst zu kommunizieren. Es macht einem möglich, mit Dieter Gurkasch in sein früheres Leben und in seine tiefen Gefühle einzutauchen. Auch eröffnet es einen tiefen Einblick in den Alltag im Gefängnis.

Mein persönlicher Wunsch für ein zweites Buch wäre eins über die Arbeit und die Ergebnisse des Vereins YuMiG, denn diesen Verein und die Beweggründe und Ziele, die es dort gibt, halte ich für eine absolut Gute und unterstützenswete Sache.

Hier könnt Ihr das Buch kaufen YuMiG , der Verein

Das Buch hat Dieter Gurkasch mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr auf meinem Blog vorbeischaut.

Seit heute bin ich wieder online

http://yogascha.de/

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Tags: Dieter, Gurkasch, Yoga, Yogarette, Yogascha, YuMiG

Kommentar von D.Jahnke am 18. Februar 2015 um 3:28pm

Selbstverständlich - ist dass eine total unterstützenswerte Sache, denn die Gesunden benötigen nicht den Arzt.

Kommentar von Natascha Nazar am 18. Februar 2015 um 5:03pm
Da stimmt ...
Kommentar von Natascha Nazar am 18. Februar 2015 um 6:10pm

Oh das glaube ich. Da wäre ich gerne dabei gewesen.
Ich vermisse bad Meinberg im Moment wie verrückt.
Mein Nicht Yogi Liebster hat aber fürs Wochenende ein Hotel an der Nordsee gbucht.
Dann kann ich endlich mal den Ashram dort besuchen.
Shanti Shanti <3

Kommentar

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