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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute mit dem 4. Kapitel von Patanjalis Yoga Sutra, 21. Vers: „Würde ein Geist einen anderen Geist wahrnehmen, dann gäbe es die Absurdität von Wahrnehmung der Wahrnehmung sowie Verwirrung der Erinnerung.“

Wenn der Geist gleichzeitig den Geist eines anderes wahrnehmen würde, dann gäbe es eine Wahrnehmung der Wahrnehmung und daher eine Verwirrung der Erinnerungen. Es ist deshalb nicht empfehlenswert, zu sehr zu versuchen, den Geist der anderen immer wieder zu verstehen und zu lesen. Patanjali hat zwar vorher die Samyama Techniken angegeben, mit der du durch Konzentration auf das Herz eines anderen die Inhalte seines Geistes wahrnehmen kannst. Aber zu oft solltest du das nicht machen.
Wir haben Swami Vishnu ab und zu mal gefragt, ob er unsere Gedanken lesen könne, denn er hat sich manchmal ganz offensichtlich so verhalten, als ob er die Gedanken lesen würde. Bei mir war das relativ oft so. Ich habe mir monatelang alle Fragen, die ich nicht selbst beantworten konnte und für die ich auch vom Zentrumsleiter keine zufriedenstellende Antwort bekam, aufgeschrieben. Und wenn ich dann nach einer Weile wieder einmal zu Swami Vishnu kam, waren es meist ein paar Seiten voll. Dann habe ich immer ein paar Tage abgewartet, und in dieser Zeit hat er meistens den größten Teil meiner Fragen schon beantwortet. Entweder im Rahmen von Vorträgen, direkt oder indirekt, oder indem er mich zu sich hingezogen und mir irgendetwas erzählt hat, was dann genau die Antwort auf etwas war, was ich hatte fragen wollen.
Ich kann mich beispielsweise an ein Ereignis in Wien erinnern, in dem ersten Yogazentrum, das ich leitete. Ich war ein paar Monate dort und irgendwie lief es inzwischen sehr gut. Ein paar der langjährigen Mitarbeiter in anderen Zentren hatten Angst, mein Ego würde zu stark. Sie warnten mich, ich solle aufpassen. Nun wusste ich selbst nicht so genau, ist das jetzt mein Ego oder ist es Hingabe und Pflichterfüllung, Dienst an Guru und Gott? Während ich nun darüber nachdachte und ständig versuchte, an Gott zu denken und ihm alles zu widmen, kam plötzlich ein Brief von Swami Vishnu. Er schrieb mir: „Sukadev, deine Motivation ist genau die richtige. Swami Sivananda wirkt durch dich hindurch. Mache weiter so und bringe alles dem Meister dar.“
Damals habe ich wirklich sehr stark darüber nachgedacht. Swami Vishnu hatte aber mindestens physisch keine Ahnung, dass ich diese Fragen hatte. Der Kontakt von den Zentren in Europa zu Amerika war viel weniger stark als heute. Swami Vishnu hatte gespürt, dass da dieser junge enthusiastische Aspirant ist, der sein erstes Zentrum leitet und nun in Zweifel gerät. Er hat das irgendwo gefühlt und hat dann einen Brief losgeschickt. Als der dann acht Tage oder neun Tage später ankam, war es genau im richtigen Moment. So geschehen die Dinge, und große Meister handeln so, als ob sie Gedanken lesen können.
Aber auf die Frage, ob er Gedanken lesen könne, hat Swami Vishnu gerne geantwortet: „Ich habe schon genügend Probleme mit meinem eigenen Geist. Stellt euch vor, ich könnte die Gedanken von euch allen hier lesen. Ich würde innerhalb von fünf Minuten vollkommen verrückt werden.“
So können wir uns also bis zu einem gewissen Grad einfühlen in einen anderen Menschen, aber wir sollten das nicht übertreiben. Wenn man Yoga übt, kann es passieren, dass man sensibler und bewusster für andere wird. Dennoch, man sollte sich ab und zu mal bewusst werden: „Ich bin nicht für die Gedanken des anderen verantwortlich. Auch wenn ich anderen versuche zu helfen, ihnen Licht und Energie schicke. Meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit.

Hari Om Tat Sat



Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3


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Tags: chitta, inspiration, objekt, patanjali, sinne, sukadev, sutra, täglich, verstand, vrittis, Mehr...wahrheit, wahrnehmung, wirklichkeit, yoga

Kommentar von Rafaela am 4. Januar 2011 um 10:07pm
Klasse Vortrag! Danke.

Kommentar

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