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Ich lese etwas aus dem Buch „Göttliche Erkenntnis“ von Swami Sivananda, aus dem Kapitel „Japa – die Wiederholung eines Mantras“. Wir haben eben die Mantras gesungen und Mantrasingen ist eine der einfachsten Weisen, sein Herz zu öffnen, Energien zum Fließen zu bringen, Liebe zu spüren, Freude zu spüren, verschiedenste emotionale Spannungen zu lösen, die sich vielleicht aufgebaut haben. Singen an sich ist etwas, was eigentlich zum Menschsein dazugehört, und vor allem Singen mit anderen zusammen in der Gruppe, das kann vieles an emotionalen Spannungen lösen. Mensch braucht das. Und wenn wir das in einer Gruppe tun und wenn wir es vor allem mit Mantras machen, dann ist es nicht nur ein Auflösen von Spannungen, sondern letztlich auch ein Ausrichten unserer Gefühle, unseres Denkens, unseres Spürens nach oben und in die Weite zum Göttlichen, wie auch immer wir es ausdrücken wollen. Ich glaube, die meisten haben das schon erfahren, vielleicht erfahren sie es gerade in dieser Woche besonders. Und wir können das Mantra auch in der Meditation wiederholen und wenn wir das gleiche Mantra wieder und wieder wiederholen, sei es laut, sei es flüsternd, sei es geistig, nennt sich das Japa.
Swami Sivananda schreibt:
„In jedem Wort ist eine Shakti, eine spirituelle Kraft. Die Wiederholung eines Mantras oder eines Namen Gottes ist Japa. Japa ist ein wichtiger Teil im Yoga. Es ist spirituelle Nahrung für die hungrige Seele. Japa ist der Stock in der Hand des blinden Aspiranten, um sich auf der Straße zur Verwirklichung voranzuschleppen.“
Ich lese das nochmal:
„Japa ist der Stock in der Hand des blinden Aspiranten, um sich auf der Straße zur Verwirklichung voranzuschleppen.“
Soll ich es nochmal lesen?
Wir wollen zur Verwirklichung kommen, zum Höchsten. Wir sind aber bislang vielleicht so ein bisschen blind. Wir wissen nicht, was ist überhaupt Verwirklichung? Und selbst wenn wir viele Vorträge gehört haben, die Teilnehmer der 9-tägigen Weiterbildung, ihr hört ja von Chandra immer wieder über, „wir sind alle Brahman, Aham Brahmasmi, es gibt nichts anderes als Brahman“, wir wollen das erkennen. Aber wie erkennen wir es? Letztlich, Japa hilft, dass wir uns reinigen, so dass wir irgendwo in diese Richtung hingehen können, dass unser Intellekt so geschult wird. Und nicht Intellekt im Sinne nur vom logischen Denken, sondern letztlich die Fähigkeit, zu unterscheiden, dass die so weit geht, dass wir nachher leichter dieses erfahren können. „Straße zur Verwirklichung.“ Gut, und manchmal hat man auch das Gefühl, man schleppt sich so voran. Diejenigen von euch, die schon einige Jahre dabei sind, die wissen, wir schleppen uns voran, wir stolpern öfters, wir fallen hin, und da müssen wir wieder aufstehen. Und dort hilft dann manchmal der Stock des Japa, wieder aufzustehen und dann können wir weiter entlang gehen.
Hier sagt noch Swami Sivananda:
„Japa ist der Stein des Weisen, das göttliche Elixier, das Gottgleichheit schenkt.“
Sowohl in der indischen wie auch in der westlichen Alchemie gibt es so einen Stein der Weisen. Und dieser Stein der Weisen, egal, wo man ihn berührt, das wird zu Gold transformiert. Wörtlich genommen wäre das grässlich. Stellt euch vor, alles, was ihr habt, wird plötzlich zu Gold. Midas ist ja daran letztlich gestorben. Er konnte nichts mehr essen, weil alles, was er berührt hat, wurde zu Gold. Es ist also im übertragenen Sinne zu verstehen. Gold ist etwas Wertvolles. Und der Stein der Weisen kann alles, was wir berühren und was wir tun, zu etwas Wertvollem machen. Und genau das ist das Großartige von einem Mantra. Mantra können wir nicht nur in der Meditation wiederholen, sondern wir können es den ganzen Tag wiederholen. Z.B. angenommen, man spült Geschirr. Man wiederholt das Mantra, dann wird das Spülen des Geschirrs zu einer spirituell wertvollen Praxis. Man bügelt Hemden. Angenommen, man wiederholt dabei ein Mantra, wird das Hemdenbügeln zu einer wertvollen spirituellen Praxis, die einen regenerieren kann. Oder man kocht, man geht zur U-Bahn oder noch besser, man bleibt in einem Stau hängen. Das ist das Tollste, was einem passieren kann. Man bleibt im Stau hängen. Wisst ihr, was das heißt? Man hat Zeit gewonnen. Niemand kann einem ein schlechtes Gewissen einreden. Das Alte ist vorbei, das Neue hat noch nicht begonnen, man hat zwei, drei, vier Stunden gewonnen für Japa. Vor allem, wenn man allein ist, unglaublich wertvoll, wenn man unterwegs im Stau hängenbleibt. Ich weiß, wovon ich spreche. Auch wenn ich selten mit dem Auto fahre, aber wenn ich fahre, ist es meistens dann, wenn irgendwo ein Stau unterwegs ist. Unglaublich wertvolle Zeit. Und so können wir praktisch alles irgendwo in Wertvolles umwandeln. Auch Patanjali sagt über die Wiederholung eines Mantras, es führt zur erleuchteten Innenschau und zur Überwindung aller Hindernisse. Also, auch wenn man nachdenkt über irgendwas Wichtiges, vor wichtigen Entscheidungen steht, wenn man da zwischendurch auch noch ein Mantra wiederholt, dann führt das zu einer erleuchteten Innenschau, dann wühlen wir nicht irgendwo in unseren Emotionen rum und kommen nicht weiter, sondern wir wiederholen parallel das Mantra, und dann kommen wir zu einer erleuchteten Innenschau und die Hindernisse können überwunden werden. Also, eine Menge Gründe für die Wiederholung eines Mantras und ich habe erst drei Sätze gelesen. Es gibt ein ganzes Buch von Swami Sivananda, nennt sich „Japa Yoga“ oder eine Zusammenfassung davon im Buch „Göttliche Erkenntnis“.
Hari Om Tat Sat

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Transkription eines Kurzvortrages von Sukadev Bretz im Anschluss an die Meditation im Satsang im Haus Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Yoga Vorträge als mp3

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Tags: Konzentration, erkenntnis, göttliche, weisheit

Kommentar von durga am 3. Februar 2012 um 4:04pm

Danke Dir, Sukadev, das Du mich wieder erinnert hast, wie überaus wertvoll die Mantras auf dem Weg der Verwirklichung sind. Danke om shanti

Kommentar

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