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„Hey Prabho Ananda Data, Gyana Hamako Dijiye” ist der Anfang und das Ende dieses Verses und immer wieder der Refrain von diesem Bhajan. Hey Prabho. Prabho heißt Gott. Hey heißt hey. Es drückt eine sehr starke Nähe aus. Ich glaube, in unseren Breiten wäre es jetzt nicht so, „Hey Gott“. Gut, „Hey“ in Indien ist etwas mehr mit Ehrerbietung verbunden als unser „Hey“, aber es drückt auch eine starke Nähe aus. Wenn man sagt, „Oh Gott“. Es drückt aus letztlich, das, was uns am nächsten ist, ist letztlich Gott. Das klingt manchmal etwas komisch, denn man würde sagen, viel näher sind uns unsere Verwandten, Angehörigen, Kinder, Partner, Geschwister, Freunde, Kollegen usw. Und Gott irgendwo – jemand, der an Gott glaubt, denkt, irgendwo gibt es den vielleicht auch noch. Aber letztlich ist Gott uns näher als alles andere, denn wir sind immer umgeben von Gott. Gott ist immer in unserem Herzen. Gott heißt letztlich, unsere wahre Natur, Gott ist das, was wir wirklich sind.

Letztlich, Gott manifestiert sich als die ganze Welt. Gott manifestiert sich als die Intelligenz der ganzen Welt. Gott manifestiert sich in jedem Menschen, der um uns herum ist. So können wir immer wieder sagen: „Hey Prabho. Oh Gott, Du manifestierst Dich auf so viele verschiedenen Weisen.“ Und wir können Gott auf verschiedenste Weise sehen. 

Arjuna fragt den Krishna im 10. Kapitel: „Oh Gott, wie kann ich Dich erkennen?“ Vorher hat Krishna dem Arjuna gesagt im 9. Kapitel: „Ich bin die Intelligenz hinter dem ganzen Universum und ich bin das ganze Universum. Ich bin in allen Geschöpfen, aber nicht begrenzt auf irgendein Geschöpf.“ Und dann sagt Arjuna: „Das ist mir ein bisschen zu kompliziert. Wie kann ich Dich tatsächlich wahrnehmen?“ Und dann sagt Krishna: „Ok, du kannst Gott zunächst wahrnehmen in allem, was großartig ist.“ Da zählt er alles Mögliche auf. „Also, wenn du einen besonders schönen Berg siehst, sieh dort Gott drin. Wenn du einen besonders schönen Baum siehst, sieh Gott darin. Wenn du einen Menschen siehst, der eine außergewöhnliche Fähigkeit hat, die irgendwo bewundernswert ist, siehe Gott darin. Sogar wenn du jemanden siehst, der einen außergewöhnlichen Wutausbruch hat, auch darin kannst du Gott sehen.“ Das nächste Mal, wenn euch jemand irgendwie anpflaumt, anstatt jetzt irgendwo euch darüber aufzuregen, entwickelt dieses Staunen, wie jemand, der vorher so freundlich war, plötzlich explodiert. Das hat irgendwie etwas. Es hat nur einen Nachteil, wenn ihr diese Reaktion habt, es könnte sein, dass der Wutausbruch des anderen bald aufhört. Ihr könnt ihn dann also nur kurz genießen. Und in so vielem anderen. Man kann erst mal Gott im Außergewöhnlichen sehen. Erst mal im außergewöhnlich Schönem, damit fängt Krishna an.

Dann in allem, was außergewöhnlich ist. Und dann schließlich in jedem. Und wir können Gott besonders erfahren in dem, was Wonne ist. Da steht hier: „Ananda Data. Du bringst mir Wonne.“ Also, z.B. wir singen Mantras und wer das wirklich vom Herzen her singt, mit Konzentration und Bewusstheit, wird Wonne spüren. Nicht immer, aber doch relativ häufig. Vermutlich für den, der sich darauf einlässt, die einfachste Weise, Gott zu spüren, ist Mantras zu singen, dabei Wonne zu spüren, bewusst zu sein: „Was ich dort an Wonne und Liebe spüre, das ist letztlich Gott.“ Aber auch egal, was euch sonst Wonne bringt – nicht Vergnügen, sondern Wonne – auch das ist Gott. Obgleich es im Raja Yoga es ja auch heißt, jedes Vergnügen ist nichts anderes als Ausdruck des eigenen Selbst.

Also auch, wenn es vielleicht heute zum Frühstück oder zum Abendessen was ganz außergewöhnlich Gutes gibt, dann kann man auch sagen: „Ah, die Freude, die ich dort habe, während ich das bewusst esse, das ist auch eine Manifestation Gottes. Irgendwann wurde hier das Tahini-Dressing eingeführt. Das halte ich für die perfekte Salatsoße. Es ist nicht verbesserbar. Das ist Gott manifestiert in der Salatsoße. Das ist tatsächlich so. Jedes Mal, wenn ich mir Tahini-Dressing auf den Salat mache, denke ich, da ist Gott manifestiert in der Salatsoße. Die perfekte Salatsoße gefunden. Das ist jetzt für mich so. Es mag sein, dass das nicht für jeden so ist. Und dann gibt es einmal vielleicht einen Tag ohne Tahini-Salatsoße, dann sage ich: „Oh Gott, wo bist Du heute Morgen geblieben?““ Ananda Data Hamako Dijiye. Gib mir auch Weisheit.“ Also, in Wonne ist Gott vielleicht am leichtesten zu erfahren. Als Weisheit ist es etwas schwieriger. Das sieht man daran, auch wenn wir Gott mal in Freude gespürt haben, im nächsten Moment kann irgendwas anderes passieren und dann vergessen wir wieder alles.

Weisheit ist etwas, was länger andauert. Ananda ist zwar etwas, was immer da ist, aber wir können uns dessen bewusst sein oder nicht. Ein weiser Mensch ist der, der diese Weisheit hat in guten wie auch in schlechten Zeiten. Ihr würdet keinen Menschen als weise bezeichnen, wenn er mal kluge Worte von sich gibt und im nächsten Moment die größte Dummheit begeht. Weise ist jemand, der aus einer höheren Warte, aus einem höheren Ideal, mit einer gewissen Gelassenheit lebt und aus einer Erkenntnis, die er irgendwann gewonnen hat, handelt, die nicht erschütterbar ist oder nicht leicht erschütterbar ist durch die Höhen und Tiefen des Lebens. So sagen wir: „Gott, ja, Du bist erfahrbar als Ananda und ich spüre Dich immer wieder. Bitte gib mir auch diese tiefe Weisheit, aus der ich heraus im Alltag und jederzeit handeln kann.“

Hari Om Tat Sat

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

 

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Tags: Sukadev, tägliche inspiration

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