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Gargi – eine selbstverwirklichte Heilige zur Zeit der Upanishaden

Gargi wörtlich: von einem Bullen. Gargi gilt als eine der großen heiligen und weisen Frauen aus der vedischen und upanishadischen Zeit. Es wird ja manchmal gefragt: „Kann man nur als Mann die Verwirklichung erreichen?“ Gut, ich glaube, das fragt jetzt heute keiner mehr, denn es ist bekannt, dass Frauen und Männer die höchste Verwirklichung erreichen können. Manchmal wird gefragt: „Es gibt die Rishis, das sind meistens Männer, gab es denn auch Frauen?“ Ja, in der Zeit der Upanishaden und Veden gab es auch viele Frauen. Es gab z.B. Mandalasa, die eine große Vedantin war, es gab Maitreyi, die eine große Heilige war, und vor allen Dingen gab es Gargi. Und Gargi war eine Vedantin, eine, die die Selbstverwirklichung erreicht hat, eine Wissende.

Es gibt dazu eine Geschichte: Es gab einen König und der König hatte gesagt, er wird jetzt einen Wettbewerb veranstalten, und wer die Schriften am besten deuten kann, dem wird er eine Menge von Rindern geben, an denen Säcke mit Goldmünzen befestigt sind. Und so fanden sich viele Pandits, also Schriftgelehrte, ein, um dort zu diskutieren und zu hoffen, dass sie diesen Gewinn bekommen würden. Schließlich kam dort auch Gargi, die große Weise. Sie kam dorthin und ohne lange zu reden, sagte sie: „Oh König, gib mir einfach die Rinder, denn ich weiß sowieso mehr als alle anderen.“ Das war ein Skandal und es gab einen großen Aufruhr. Und Gargi lächelte nur. Sie setzte sich einfach auf einen Bullen drauf – daher kommt auch der Ausdruck „von einem Bullen“, Gargi lehrte von einem Bullen aus - und dann stellte sie sich den Fragen von allen Anwesenden. Und da gab es viele Anwendende, unter anderem gab es Yajnavalkya, und sie stellten ihr Fragen über das Selbst und das Nicht-Selbst, über Atman, über Brahman, über den spirituellen Weg, sie stellten ihr Fragen über die Bedeutung der Veden. Sie konnte alles gut beantworten. Schließlich sahen alle ein: „Ja, Gargi, sie war sehr wohl die Weiseste von allen.“ Und so blieb Gargi einfach auf dem Bullen sitzen und der Bulle, einfach durch die Kraft ihrer Gedanken, ging einfach weiter und die anderen mit den Goldsäcken folgten ihr hinterher. Gargi – eine mystische Frauengestalt zur Zeit der Upanishaden. Gargi wörtlich: von einem Bullen aus. Gargi – eine Vedantin, also eine Frau, die das höchste Wissen erlangt hatte. Gargi – eine Lehrerin des Absoluten, des Unendlichen.

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Tags: Gargi, Heilige, Upanishaden, Yoga Vidya Sanskrit-Lexikon, Yoga Vidya Sanskrit-Wörterbuch

Kommentar von Bhajan Noam am 23. Mai 2015 um 9:36am

Es gibt noch eine etwas andere Version der Geschichte, die ich sehr schön finde.

Gargi 

Vor fünftausend Jahren, in den Kindheitstagen der Menschheit, zu jener Zeit, als die Upanischaden geschrieben wurden, war der Mann noch nicht so brutal mit den Frauen umgegangen. Damals rief der Herrscher des Landes alljährlich sämtliche Weisen zu einem Wettstreit zusammen. Er selbst war ein philosophisch interessierter Mann. Natürlich wäre kein Erleuchteter zu diesen Streitgesprächen gekommen, denn sie waren kindisch, auch wenn es eine hohe Belohnung gab. So geschah es einmal, dass der Herrscher ankündigte, er würde demjenigen, der als Sieger aus dem Wettstreit hervorging, tausend Rinder mit vergoldeten, diamantenbesetzten Hörnern geben.

 

Jagnavalkya war einer der berühmtesten und gelehrtesten Männern jener Tage. Er war sich seines Sieges völlig gewiss, und als er auf dem Gelände, wo die Debatte stattfinden sollte, eintraf, sah er die Rinder – und die eintausend Rinder mit ihren vergoldeten, diamantenbesetzten Hörnern waren im Sonnenlicht ein wahrhaft großartiger Anblick. Er sagte zu seinen Schülern: „Bringt die Rinder in unser Lager, damit die armen Tiere nicht so lange unnötig in der heißen Sonne stehen müssen.“

 

Die Schüler sagten: „Aber du musst sie doch erst gewinnen!“ Und er sagte: „Dafür sorge ich schon.“ Auch der Herrscher konnte ihn nicht abhalten. Und all die weisen Männer, die sich zu Tausenden versammelt hatten, sie alle konnten ihn nicht abhalten. Sie wussten, es war unmöglich ihn im Streitgespräch zu besiegen. Also führten seine Schüler die Rinder fort.

 

Doch kurz bevor er zum Sieger erklärt werden sollte, trat eine Frau namens Gargi vor, sie hatte auf ihren Ehemann gewartet, der ebenfalls bei der Debatte war. Und es wurde schon spät, darum ging sie ihn holen. Als sie das Gelände betrat, wurde sie der ganzen Szene gewahr, und sie sah, dass man die Rinder schon vor dem Sieg weggeführt hatte.

 

Sie sagte zum Herrscher: „Erkläre noch nicht seinen Sieg.“ Und zu Jagnavalkya gewandt sagte sie: „Mit diesen Philosophen hattest du ein leichtes Spiel. Aber lass mich, eine Frau, dir eine einfache Frage stellen. Wenn du sie beantworten kannst, behalte die Rinder, die du zu unrecht schon so früh in dein Lager geführt hast. Wenn du sie nicht beantworten kannst, musst du sie mir bringen lassen.“ Jagnavalkya war kurz irritiert, aber dann sagte er mit herablassendem Ton zu Gargi: „Stelle mir deine Frage, aber mache es kurz, ich habe heute noch einen weiten Weg mit den Rindern vor mir.“

 

Gargi, die sich nicht beeindrucken ließ, fragte Jagnavalkya, dem sie direkt in die Augen schaute: „Sage mir, ist alles, was existiert, erschaffen?“ „Ist das deine Frage“, lachte er, „ja gewiss, alles ist von Gott erschaffen! Und jetzt lass mich in Ruhe mit solchen albernen Fragen, die dir jedes Kind beantworten kann.“ „Langsam“, sagte Gargi, „ich bin noch nicht fertig. Jetzt bist du nämlich in Schwierigkeiten. Wer erschuf Gott? Denn er existiert genauso, und alles was existiert braucht einen Erschaffer.“ Jagnavalkya erkannte, dass es problematisch wird. Denn wenn er sagt, ein anderer Gott hat ihn erschaffen, wird die Frage von neuem beginnen – wer erschuf den anderen Gott? Du kannst es tausendmal beantworten, doch die Frage wird dieselbe bleiben: Wer erschuf den ersten Gott? Und wenn da jemand ist, der ihn erschuf, kann er sich nicht als den ersten bezeichnen.

 

Jagnavalkya wurde so ärgerlich, dass er sein Schwert zog und sagte: „Frau, wenn du nicht aufhörst, wird gleich dein Kopf zu Boden fallen!“ Aber Gargi sagte: „Tue dein Schwert zurück in die Scheide. Schwerter sind keine Argumente.“ Und sie sagte zum Herrscher: „Sage diesem Mann, dass er die eintausend Rinder zurückbringen muss.“ Es war so beschämend für Jagnavalkya, dass er später niemals mehr an einer Diskussion teilnahm. Und Gargi bekam alle eintausend Rinder. Sie ist die erste bekannte erleuchtete Frau in der Geschichte.

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