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Einheit in Verschiedenheit war eines der großen Leitmotive von Swami Sivananda. Nicht nur von Swami Sivananda, schon von Ramakrishna, Mahatma Gandhi, von VivekanandaYogananda und so vielen spirituellen Meistern des Yoga im 19. und 20. Jahrhundert. Viele Wege, ein gemeinsames Ziel, viele Namen, eine gemeinsame Wahrheit. Das ist ähnlich, wenn ich jetzt Wasser trinke. Ich trinke jetzt Wasser. Angenommen, ich komme nach Indien und sage, „ich hätte gerne einen Schluck Wasser“, dann werden sie mich komisch angucken. Wenn ich sage, „water, please.“, dann kriege ich auch Wasser. Manche sprechen aber kein Englisch, dann muss ich in Nordindien sagen: „Chala“ und in Südindien, in Kerala, ist das dann eher „Pani“.
Wenn ich aber darauf bestehe, ich will nur Wasser haben und sie sagen, „hier Chala“, dann sage ich, „nein, nur Wasser, ich bin deutsch, ich nehme nur Wasser, ich stamme aus einem deutschen Kulturkreis, ich trinke kein Chala, ich trinke nur Wasser“, dann werde ich dort relativ schnell verdursten. Ähnlich auch mit dem Essen und das sind sogar unterschiedliche Gewohnheiten. Wenn ich nach Indien gehe und sage, „ich bestehe auf Müsli und gebackenes Vollkornbrot“, dann werde ich Probleme bekommen. Da werde ich mit Chapati, was ja auch Vollkornbrot ist, aber es ist eben ein anderes, da werde ich Chapati haben. Wenn ich sage, „ich esse aber nur Roggenbrot“, dann habe ich Probleme, dort gibt es Weizenbrot. Und in der heutigen Zeit hat man noch eine gewisse Wahl. Man kann italienisch Essen gehen, man kann, es gibt auch vegetarische deutsche Vollwertküche, es gibt griechische und es gibt indische und so viele verschiedene. Alles dient dem, dass wir essen können.

Und so ähnlich, der Mensch hat ein tiefes spirituelles Bedürfnis. Letztlich geht es darum, Gott zu erfahren. Und manche wollen es nicht Gott nennen, sondern Göttin, göttliche Mutter. Manche wollen es auch so nicht nennen. Höheres Selbst. Manche wollen es so nicht nennen. Kosmische Intelligenz. Manche wollen es so nicht nennen. Unbeschreibbar. Manche wollen es so nicht nennen. Nirwana, das nicht Vorstellbare, das Nichts oder Shunyata, die Leere, leer von allem, was wir uns vorstellen können. Oder Nirwana, nichts von dem, was wir uns vorstellen können.

Oder im Vedanta wird es manchmal als Purna bezeichnet, das Allumfassende, oder eben Brahman, das Absolute, das, was jenseits von allem ist, was wir uns vorstellen können. So viele Namen und dennoch gibt es nur eine einzige kosmische Wirklichkeit. Das Paradoxe ist, alle Religionen sagen, Gott ist allgegenwärtig, also muss er überall sein. Und dann streiten sie sich darum, ist er hier oder ist er dort und hat er diesen Namen oder hat er jenen Namen. Wenn Gott allgegenwärtig ist, dann ist er überall. Dann ist er jetzt nicht in einer Kirche mehr als in einer Moschee, dann ist er nicht in der Synagoge mehr als in einem Tempel und dann ist er nicht auf der Erde weniger als im Himmel, sondern Gott ist überall. Und wenn es nur einen einzigen Gott gibt, dann gibt es auch nur einen einzigen Gott. Dann muss er logischerweise alle anderen Götter auch sein. Wenn es nur einen Gott gibt, dann kann es nicht mehrere geben. Es gibt nur eine allumfassende Wirklichkeit, die man nennen kann auf verschiedene Weisen oder verzichten kann, auf irgendeinen Namen hinzuweisen. Und diese eine allumfassende Wirklichkeit, die manifestiert sich in so vielen verschiedenen Weisen.  Letztlich, jede Vorstellung von Gott ist notwendigerweise falsch, denn mit unserem kleinen menschlichen Hirn können wir Gott nicht erfassen. Dennoch können wir auch sagen, jede Art von Vorstellung von Gott muss auch irgendwo in gewissem Maße richtig sein.

Also z.B. Maitri kann sich jetzt nicht vorstellen, was Bharata eigentlich ist, dass er hier ein Bereichsleiter ist, er ist verantwortlich für Boutique, für Seminarplanung, für Zahlungsverkehr, für Ayurveda-Oase. Außerdem hat er alle möglichen spirituellen Erfahrungen in Meditation und Pranayama. Er hat schon so viele Erfahrungen gehabt. Das weiß die Maitri jetzt nicht. Da hat sie keine Ahnung von all dem. Für sie ist Bharata einfach ihr Papa, der sie in den Arm nimmt, der ihr Schutz gibt, den sie mag. Und Bharata ist damit ganz zufrieden. Es sieht mindestens ganz so aus. Und genauso ist es auch mit Gott. Wir können Gott nicht erfassen und wir haben keine Ahnung, was Gott eigentlich ist oder wie auch immer wir es nennen wollen. Wir können aber Gott auf unsere Weise lieben und mögen und Gott wird dabei ganz zufrieden sein. Und wir können Gott spüren und so Gott erfahren. Und so gibt es eine allumfassende Wirklichkeit, egal, wie wir sie nennen oder nicht nennen wollen, egal, welchen Zugang wir haben. Und das ist eine der großen wichtigen Aufgaben, meine ich, der entstehenden Zivilisation, das anzuerkennen und diese Einheit in der Verschiedenheit zu sehen.


Hari Om Tat Sat

 

 

 

Unbearbeitete Niederschrift eines Kurz-Vortrags mit Sukadev Bretz. Gehalten im Rahmen eines Satsangs nach der Meditation bei Yoga Vidya Bad Meinberg. Mehr Infos:

 

 

 

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Tags: Sukadev, tägliche inspiration

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