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Ein Beitrag zum Frieden: Bibelverständnis am Beispiel eines ungeliebten, verwirrenden und vielleicht gefährlichen Psalms

"Glücklich, der deine Kinder ergreift und sie am Felsen zerschmettert!" Psalm 137, Vers 9 

Christen und auch Nichtchristen, die auf diese Stelle stoßen, fragen sich entsetzt: "Wie kann in der Heiligen Schrift ein solcher Satz stehen?" Gerade in der heutigen Zeit, in der diese Taten ja tatsächlich vor unseren Augen im Fernsehen geschehen, verlangen Menschen nach einer Antwort. Und dann steht auch der Vergleich im Raum: "In unseren hochheiligen Schriften stehen ja die gleichen Hassparolen, die wir bei anderen anprangern." Wie gehen wir damit jetzt um?

 

Man liest den Tanach, das Alte Testament, unter verkehrten Voraussetzungen und gleitet in Missverständnisse, wenn man dieses Buch nicht klar in drei Sparten einteilt. Aus Missverständnissen kann Bedrohung und Gefahr erwachsen, aus rechtem Verständnis möge Verständigung und Frieden entstehen. Das Alte Testament ist einerseits ein Buch, das allgemein gültige Werte und Weisheiten vermittelt. Dann ist es aber auch ein Geschichtsbuch, das Geschichtsbuch des jüdischen Volkes, das über viele Ereignisse detailliert berichtet, wie z. B. über die Babylonische Gefangenschaft, die heute auch wissenschaftlich als eine Tatsache gilt. Dieser Zeit ist der oben zitierte Ausspruch zuzuordnen. Als Drittes ist es ein Buch, das viele persönliche Ansichten, Überzeugungen, emotionsgeladene Aussprüche der jeweiligen Autoren wiedergibt. Letztere werden aber nicht als Gesetze oder Anordnungen gewertet, sondern als das angesehen, was sie sind, die persönliche Wut eines Menschen, die er in seiner Situation in eben diesen Worten zum Ausdruck bringt - und sich damit auch zum Spiegelbild von uns macht. Denn wir alle haben, ob wir es uns eingestehen wollen oder nicht, schon häufig hasserfüllte Gefühle in unserem Leben verspürt.

"Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug." Psalm 119, Vers 130

Die weisen Rabbiner nutzen diese Textstellen, um uns den Spiegel vorzuhalten. Sie offenbaren uns den tieferliegenden Sinn. Und sie erzählen uns dazu die ganze Geschichte, nicht nur ein Bruchstück. Sie berichten uns von den Folgen solcher Gedanken oder Aussprüche. Die Bibel ist voller Geschichten, aus denen wir lernen können, wenn wir sie aufmerksam und mit Bedacht lesen. Niedere Gedanken und Worte haben ihre Folgen, gute Gedanken und Worte haben ihre Folgen. So war es König David z. B. verwehrt, den Tempel in Jerusalem zu bauen, weil er trotz großer Frömmigkeit sich mit schlechten Taten befleckt hatte. Erst sein Sohn Salomon durfte nach den Plänen des Vaters das Werk vollenden. Eine wahre Fülle an Begebenheiten beschreibt das Alte Testament, die alle ein Abbild der Menschheit, wie auch von uns Einzelwesens sind. Durch das Studium dieser Texte erfährt man  nach und nach die Abgründe, aber auch die lichten Höhen seiner eigenen Seele und entwickelt dadurch ein Verständnis und ein Mitgefühl für seine Mitmenschen.

Ich wiederhole nochmals, die Dreiteilung darf man beim Lesen und Studieren des Alten Testaments nicht aus den Augen verlieren: 1) Weisheiten, 2) geschichtliche Überlieferungen und 3) persönlich gefärbte Aussagen. Bei uns heißen Altes und Neues Testament zusammengenommen "Die Heilige Schrift". Das ist aber falsch. Im Judentum ist das sog. Alte Testament der "Tanach". Das Wort Tanach besteht aus den drei hebräischen Konsonanten Taw, Nun und Kaph. TNK ist das Akronym der Anfangsbuchstaben seiner drei Teile, nämlich TORA (Weisung), NEVI'IM (Propheten), KETUVIM (Schriften). Nirgendwo ist die Rede von heilig. Mögen meine bescheidenen Worte einen Beitrag zum tieferen Verständnis der Schriften und zur allgemeinen Verständigung leisten. OM Shanti, Frieden, Salam, Shalom.

- Bhajan Noam -

Seiten des Lebens: www.bhajan-noam.com

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Tags: Altes_Testament, Bhajan_Noam, Bibel, Bibelverständnis, Frieden, Judentum, Rabbi, Tanach, Verständigung, Verständnis

Kommentar von jailakshmi am 14. Januar 2016 um 9:46am

auge um auge, zahn um zahn - auch die 10 gebote aus dem alten testament wurden durch den einen satz jesu "liebe deinen nächsten wie dich selbst" aufgehoben, ausgeglichen - so gilt ab dieser zeit das Neue Testament. dass das die juden immer noch nicht wahr haben wollen ...tsss ! jailakshmi

Kommentar von Bhajan Noam am 15. Januar 2016 um 9:32am

Liebe Jailakshmi, das ist nicht das Judentum, sondern ein weit verbreitetes Vorurteil gegenüber dem Judentum. Zu Jesu Zeiten lebte der weise Rabbi Hillel, er starb im Jahr 7 n.Chr. und war das Oberhaupt der Sanhedrin. Seine Lehren werden bis heute von allen Juden geehrt und vielleicht hat auch Jesus in seiner Schule gelernt. Denn von ihm gibt es diese berühmte Geschichte: Ein Nichtjude kam zu Rabbi Hillel und sagte zu ihm: "Wenn du mir die Tora erklären kannst, solange ich auf einem Bein stehen kann, konvertiere ich". Und Hillel antwortete ihm: "Was dir nicht lieb ist, das tue auch deinem Nächsten nicht. Das ist die ganze Tora und alles andere ist nur die Erläuterung; geh und lerne sie." Wie du siehst ist diese Weisheit urjüdisch, es gab sie schon vor Jesus. Und es wird oft vergessen, dass Jesus Jude war, jüdisch dachte und lehrte und wie er an vielen Stellen betont, nur zum jüdischen Volk sprechen wollte. Dass sich später jeder seinen eigenen Jesus gebastelt hat, ist eine andere Geschichte. Jesus hat keine neue Religion gegründet. Auch folgendes wird hier nicht verstanden, das Judentum ist keine Religion, es ist eine Lebensweise. Das sagt auch der Buddhismus von sich. Im Judentum,wie auch im Buddhismus, gibt es keine Hierarchie, jeder ist eigenverantwortlich und kann sich unmittelbar an Gott wenden. Interessant ist ,dass Buddha das Wort Gott nie benutzt hat und auch im Judentum wird es nur umschrieben. Gott ist unerklärbar, er hat keine Form und keinen Namen, da er alles ist. - Erhebe dich nicht über Jemanden, den du gar nicht verstanden hast. Warum soll das Judentum das Neue Testament annehmen, willst du den Koran annehmen, der ja noch neuer ist? Das Judentum ist glücklicherweise die einzige "Religion", die nicht missioniert. Eine jüdischer Gelehrter drängt sich keinem auf, aber man könnte ein Menge von ihm lernen, wenn man sich darauf einließe. Wenn es dich interessiert lies mal zum Einstieg "Die Weisheit der Chassidim" von Martin Buber. Es ist ein Buch, das auch für viele christliche Theologen, Pfarrer und Priester eine Quelle der Inspiration ist. Oder lies mein Buch "Die Nacht mit Elia", danach verstehst du einwenig mehr über das Judentum. OM Shanti, Bhajan ***    

Kommentar von jailakshmi am 15. Januar 2016 um 9:51am

ok, danke dir bhajan für deine lange ausführung - sie haben ihn gekreuzigt, ihren juden, sie schrien danach und warten noch heute auf den messias, den sie in ihm nicht erkannt haben - dann ist das alles nonsens ? sie haben ihren eigenen jüdischen prediger, der ihnen suspekt erschien, verraten. beschimpften ihn als gotteslästerer, weil er von sich sagte, dass er gottes sohn sei ... alles nonsens ?
hierarchie in der synagoge sehr wohl - frauen sitzen getrennt von männern, wie in der moschee. das frauenbild ist dem im islam sehr ähnlich. frauen arbeiten, ihre locken-männer studieren die tora genau so fanatisch, wie mullahs, imame ... kämpfen um den gleichen heiligen berg, ogott, sag ich da nur !!!
sorry, das Eine nimmt mich da mehr mit, als all die alten bart-gestalten im namen einer religion...
om shanti - jailakshmi

Kommentar von Bhajan Noam am 15. Januar 2016 um 11:11am

Überall wo Menschen sind, gibt es Gutes und Schlechtes. Das hat nichts mit der jeweiligen Religion zu tun, der die Menschen mehr oder weniger zufällig angehören. Die Christen müssen in der Beziehung besonders still sein. Die letzte Hexe wurde in Deutschland 1775 zum Tode verurteilt. Anna Göldi wurde als 1782 in der Schweiz hingerichtet. 1793 fand europaweit die letzte Hinrichtung statt. Das ist noch nicht lange her. Exorzismus wird heute noch ganz offiziell betrieben. Und wenn Jesus heute wieder erscheinen würde, die Christen wären die ersten, die ihn wieder ans Kreuz nageln. Jesus ist gefährlich! Das meine ich im positiven Sinn.  - Ich habe in Israel gelebt und fliege immer wieder hin, mit mir kannst du nicht so oberflächlich übers Judentum reden. Ich habe viele gute religiöse Menschen kennengelernt, Menschen, wie es sie hier gar nicht mehr gibt. Ich habe Israel als das Heilige Land erfahren, jenseits von den grausamen politischen und kriegerischen Ereignissen. Das ist in Wahrheit Oberflächengeplätscher. Darunter ist eine heilige Zeitlosigkeit, die mit diesen Dingen keine Berührung hat. Das ist keine Schwärmerei, das ist eine Erfahrbare Tatsache. Auf der "rationalen" Ebene weiß ich um alle Ereignisse und Geschichten rund um Israel und ums Judentum, ich habe mich mehr als zehn Jahre fast ausschließlich aus allen Blickwinkeln damit befasst. Aber das ist, wie oben gesagt, Oberfächengeplätscher. Auch wenn es nicht dein Geschmack ist, urteile nicht darüber. Wenn du Jesus verstehen willst, hänge ihn nicht ans Kreuz und setze ihn auf keinen Thron. Lebe das Leben, dass er gelehrt hat. Oder Lebe das Leben, das Buddha gelehrt hat und das viel andere erwachte Meister gelehrt haben. OM Shanti, Bhajan ***

 

Kommentar von OM Ursula am 15. Januar 2016 um 1:46pm

Lieber Bhajan,
missioniert der Buddhismus? Missioniert der Hinduismus?
Ich habe mich einige Jahre intensiv mit dem tibetischen Buddhismus befasst und war auf vielen Retreats - es gab keinerlei Versuche oder Texte, die auf das schließen lassen...
Mir ist das nur vom Christentum und seinen vielen "einzig wahren" Untergruppen bekannt...

@Bhajan Das Judentum ist glücklicherweise die einzige "Religion", die nicht missioniert.

Leider ist das, was allen Religionen oder Philosophien gemeinsam ist, bei vielen Machtbesessenen nicht gern gesehen und wird entsprechend umgeformt.
Mein tiefstes inneres Gefühl sagt, dass wir in Harmonie und Frieden leben könnten, wenn ALLE die aus ihrer Kultur gewachsenen Lehren/Lebensweisheiten/Philosophien, wie auch immer, verstehen und leben würden

Herzliche Grüße durch dichtes Schneetreiben Ursula

Kommentar von Bhajan Noam am 15. Januar 2016 um 2:15pm

Liebe Ursula, ich habe mich unklar ausgedrückt. Ich meinte damit die einzige der abrahamitischen Religionen. Eine buddhistische Mission gab es zumindest in früheren Zeiten sehr ausgeprägt, sonst hätte er sich nicht so rasant verbreitet. Vom Hinduismus (den es ja so, wie wir ihn gewöhnlich sehen, nicht wirklich gibt) ist mir das nicht bekannt, außer vielleicht die Krishnabewegung. - "Wenn", "würde" und "hätte" gibt es leider nicht, insofern werden wir immer auf uns selbst zurückgeworfen. Denn nur hier können wir etwas ändern, nur hier in uns können wir das verwirklichen, was wir für richtig halten. Om Shanti, Bhajan ***

Kommentar von miramuun am 15. Januar 2016 um 6:09pm

Wenn man diesen Satz im Kontext liest, ihn nicht isoliert betrachtet, dann ist dieser in keinster Weise eine Hassparole oder dergleichen.

Es geht um Tochter Babel, das Baby Babylon, das Sinnbild für Verwirrung. Die Kinder (Babys) dieser Verwirrung sind Irrungen, Unverständnis, Furcht, Angst, Orientierungslosigkeit, Abtrennung oder Getrennt sein vom Göttlichen, Gespalten sein, Entwurzelung, Unruhe, Unfrieden, Käuflichkeit und so manches mehr. In Babel wurde (sinnbildlich) die Menschen-Sprache, die des Herzens verloren. Glücklich, wer die Kinder dieser Verwirrung zerschmettert.

aum
miramuun

"Glücklich, der deine Kinder ergreift und sie am Felsen zerschmettert!" Psalm 137, Vers 9

Christen und auch Nichtchristen, die auf diese Stelle stoßen, fragen sich entsetzt: "Wie kann in der Heiligen Schrift ein solcher Satz stehen?" Gerade in der heutigen Zeit, in der diese Taten ja tatsächlich vor unseren Augen im Fernsehen geschehen, verlangen Menschen nach einer Antwort. Und dann steht auch der Vergleich im Raum: "In unseren hochheiligen Schriften stehen ja die gleichen Hassparolen, die wir bei anderen anprangern." Wie gehen wir damit jetzt um?

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