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Mann: Hallo Nils, tolles Thema. Wirkt für mich wie ein Lichtschein in einem dunklen Tunnel!

Nils: Für mich auch.

Frage: Welche Erfahrungen hast du gemacht, bei denen das positive Denken wirklich gewinnbringend war?

Nils: Für mich ist das positive Denken eine wichtige Technik. Vor 39 Jahren habe ich in einer Lebenskrise sehr negativ gedacht und mich dadurch in eine schwere Depression gebracht. Durch intensives positives Denken kam ich wieder heraus. Seit dem praktiziere ich das positive Denken täglich.

Frau: Ich habe die Erfahrung gemacht dass positives Denken mich handlungsfähiger macht. Ich bin nicht so blockiert, wie wenn ich mich nur im Pessimismus suhle, ich habe mehr Kraft Dinge zu meistern und auch mehr Geduld. Und ein positiver Fokus hilft mir eher durchzuhalten und mit "Biss" an den Alltag heran zu gehen. Ich gebe aber zu das ist auch eine Übungssache... es gab auch schon ganz andere Zeiten bei mir, da konnte ich das einfach nicht. Aber ich denke man sollte die Macht der eigenen Gedanken nicht unterschätzen. Natürlich fliegen von einer positiven Einstellung nicht alle Probleme einfach so weg, aber ich konnte so mehr Kraft mobilisieren wie wenn ich negativ gedacht habe. Finde das also existenziell wichtig. Zumindest für mich.

Nils: Für mich ist das positive Denken auch existentiell wichtig. Das Leben ist oft nicht einfach. Durch das positive Denken hat man die Kraft den Alltag zu bewältigen. Man bekommt eine optimistische Einstellung und hat insgesamt mehr Lebensfreude. Meine Beziehung wäre ohne positives Denken schon lange gescheitert. So besinnen wir uns immer wieder auf das Positive in uns und in unserer Partnerschaft. Und bekommen dadurch eine glückliche Beziehung.

Frau2: Hätte ein Therapeut so mit mir gesprochen, nachdem mir gleich mehrere Kinder gestorben sind, ich wäre völlig eskaliert. Ich finde das positive Denken ist eine sehr gewagte Methode und irgendwie empfinde ich das als unprofessionell. Ein Therapeut ist doch da um neutral zu unterstützen, da wo der Patient gerade steht. Und nicht um eine Situation bzw. eine Person zu bewerten. Ich finde negative Emotionen wie Trauer, Wut, Verzweiflung dürfen und sollen in solchen Extremsituationen ihren Raum haben.... für manche Menschen ist das wichtig um zu heilen und dann später offen zu werden für neue Wege oder wieder positivere Gefühle.

Nils: Danke für deine Meinung. Es gibt auch bei mir verschiedene psychische Phasen. Wenn etwas Unschönes passiert, das mich traurig oder wütend macht, dann muss ich in der ersten Phase meine Trauer und dann meine Wut ausleben. Meistens mache ich das beim Spazierengehen. Dann komme ich innerlich zur Ruhe und bleibe eine Zeitlang in der Ruhephase. Ich entspanne mich und dann kann ich plötzlich wieder positiv denken. Dann hilft mir positives Denken weiter. Es kommt also darauf an zu erkennen, in welcher Phase man sich gerade befindet. Bei kleineren Problemen genügt es meistens sich auf einen positiven Gedanken zu besinnen. Bei sehr großen Problemen muss ich sehr gründlich nachdenken und überlegen, was mir jetzt gerade hilft. Das kann ein positiver Gedanken sein. Das kann aber auch eine positive Tat, ein Gespräch oder eine Meditation sein.

Ich habe früher einige Jahre lang Positiv-Denken-Gruppen in einem Gesundheitszentrum geleitet. Ich habe die Teilnehmer gefragt, ob ihnen positives Denken hilft. Dabei habe ich festgestellt, dass für 90 % der Menschen positives Denken hilfreich und für 10 % der Menschen nicht hilfreich ist. Manche Menschen können mit suggestiven Sätzen nichts anfangen. Sie brauchen Empathie und Verständnis. Sie müssen selbst ihren Weg finden. Von anderen Menschen können sie schlecht etwas annehmen. In Einzeltherapien muss man sehr genau hinsehen, was ein Mensch gerade braucht und was hilfreich für ihn ist. Insofern ist es gut, dass es verschiedene therapeutische Wege gibt.

Frau: Positives Denken kann man trainieren. Das ist aber nicht so einfach. Wer "negativ" denkt bzw immer die Nachteile einer Situation betrachtet, immer nach Fehlern sucht, immer alles als verbesserungswürdig sieht und unzufrieden ist, kann nicht mit dem Finger schnippen und einfach so zufrieden sein, nur in dem sie/er die Sichtweise ändert. Das sind ja alles Programme und Strategien, die wir übernommen haben, die unsere Persönlichkeit ausmachen und die wir nicht einfach so ablegen können.

Nils: Positives Denken kann man trainieren. Wie du erkannt hast, ist das aber meistens nicht so einfach. Der erste Punkt ist bereits, dass die Menschen sehr unterschiedliche positive Sätze brauchen. Es hängt von ihrem Glaubenssystem ab, was für sie hilfreich ist.

Und dann gibt es positive Sätze, die nur begrenzt wirken. Und mache Sätze, die sehr tief gehen und tief in der Psyche etwas lösen und heilen können. Das richtige Wort zur richtigen Zeit kann einen zur Erleuchtung bringen. Das falsche Wort zur falschen Zeit kann einen Menschen depressiv machen. Worte haben eine große Macht. Je mehr man daran glaubt, desto größer ist die Macht. Ich habe eine lange Zeit ausprobiert, welche Gedanken für mich hilfreich sind. Die übe ich regelmäßig.

Und hier kommen wir zum zweiten Punkt. Positives Denken verlangt Ausdauer und Selbstdisziplin. In meinen Positiv-Denken-Gruppen ging es den meisten Menschen gut, solange sie an der Gruppe teilnahmen. Aber danach sind die meisten schnell wieder in ihre alten negativen Denkmuster verfallen. Nur wenige Menschen haben die Kraft alleine den Weg der konsequenten Gedankenarbeit zu gehen. Die meisten brauchen Hilfsmittel oder hilfreiche Menschen. Ein gutes Hilfsmittel ist die tägliche Selbstbesinnung (Kurzmeditation), das tägliche Lesen in einem positive Buch oder das Anschauen positiver Filme. Ich arbeite auch gerne mit positiven Orakelkarten.

Zum positiven Denken fällt mir noch ein, dass aus meiner Sicht das Ziel eines Menschen die Selbstverwirklichung ist. Selbstverwirklichung bedeutet Lebenszufriedenheit, Lebensfreunde und inneres Glück. Positives Denken ist kein Ziel an sich. Wer dogmatisch positiv denkt, kann sich selbst verfehlen. Es ist wichtig sich immer wieder genau selbst zu beobachten, seine Psyche zu analysieren und dann herauszufinden, was einem persönlich gerade gut tut.

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Kommentar von Diamir am 16. Dezember 2019 um 9:41am

Ich habe mich früher intensiv mit den Werken von Gerald Jampolski beschäftigt.
Er ist ein Psychiater, der den Grundsatz vertritt das die Einstellungen zum Leben extrem wirksam das Leben bestimmen, das ein Mensch lebt.

Es gibt Einstellungen, die glücklich und erfolgreich machen.
Es git einstellungen, die unglücklich und krank machen.

Jeder Mensch kann prüfen welche Einstellung oder Meinungen er zum Leben hat und kann diese wählen.

Es gibt hier Seiten wo darauf ein gegangen wird:

https://www.ah-germany.de/Die_12_Prinzipien.html

Und:

https://www.ah-germany.de/Innere_Heilung.html

Kommentar von Nils Horn am 16. Dezember 2019 um 10:32am

Das ist ein Yoga-Grundsatz. Erst hast du einen Gedanken, dann ein Verhalten, dann einen Charakter und dann dein Schicksal.

Kommentar von Turiya am 18. Dezember 2019 um 10:19am

Ich finde ich, das positive Denken müsste hier erst genauer definiert werden. Geht es darum sich etwas Positives auszudenken, also um etwas Erdachtes, Unreales, also darum sich eine rosarote Brille aufzusetzen? Oder darum, dass man sich auf positives Erlebnisse oder auf echte, selbst erlebte schöne Dinge besinnt?
Ich denke nämlich, dass es nichts bringt, sich etwas Schönes aber Unreales auszudenken und damit die schlechten Gedanken einfach nur zu verdrängen. Das kann auf längere Sicht sogar schlecht ausgehen, weil es eben nicht echt ist und sich das Unterbewusstsein nicht betrügen lässt.
Wenn man positive Gedanken kultivieren will, sollten es reale positive Gedanken sein. Jeder Mensch hat schon schöne Dinge erlebt oder war auch schon mal an einem schönen Ort oder an einem Ort, an dem er sich wohl und geborgen gefühlt hat oder hat schon mal etwas getan, was ihm gut getan hat. Wenn man sich also an solche Sachen erinnert und darauf besinnt, dass das Leben auch schön sein kann, dann ist das für mich die richtige Form des „positiven Denkens“.
Dann muss man auch wissen, dass der Mensch grundsätzlich so veranlagt ist, sich eher negative Erlebnisse zu merken und sich damit gedanklich zu beschäftigen. Das kann zu einer Gedankenspirale führen, aus der man nicht mehr herauskommt. Man kann sich das aber bewusst machen und immer wenn ein negativer Gedanke auftaucht, sich bemühen, stattdessen an etwas Schönes zu denken, etwas Schönes, das man selbst einmal erlebt hat oder sich an einen Ort erinnern, an dem man sich wohl gefühlt hat und dort in Gedanken spazieren gehen. Das ist meine bevorzugt Methode.
Und wenn einem gerade gar nichts Positives einfallen will und man aber die schlechten Gedanken einfach mal unterbrechen will, kann man einfach immer wieder nur „OM“ denken.
Der einzige Haken an der Methode ist, dass man selbst etwas dafür tun muss, man muss selbst an sich arbeiten und es auch eine Weile durchhalten oder sogar zu einer ständigen Übung, zu einer Gewohnheit werden lassen und meiner Erfahrung nach tun sich damit alleine viele schon schwer.

Kommentar von Anne T. am 18. Dezember 2019 um 9:56pm

Ja, das positive Denken müsste genauer definiert werden. Ist es eine affirmative Technik oder ist es eine Sichtweise, deren Grundlage (bzw. Ziel?) (Ur-)Vertrauen, Optimismus, Weisheit - oder gar närrische Naivität ist?
Oft geht das Denken einer Handlung voraus oder hinkt ihr hinterher. Wie kann man unmittelbar positiv denken, wenn man direkt von einer negativen Handlung betroffen ist, zum Beispiel Gewalt?

Es wäre schon enorm, wenn wir etwas so wahrnehmen könnten, wie es ist, jenseits von Positivität oder Negativität.

Bis dahin mag es angenehmer sein, nicht an einen rosafarbenen Elefanten zu denken als nicht an … (denkt euch doch selbst nicht was Negatives aus :-))

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