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Depression – Teil 6 Sinn einer Depression, Teil 1: In die Gegenwart kommen

Hallo und herzlich willkommen zum Depressions-Podcasts, Umgang und Überwindung von Depressionen. Momentan bin ich dabei, erst mal zu sagen, alle negativen Stimmungen – oder negativ ist vielleicht ein falsches Wort, aber die Stimmungen von Traurigkeit, Pessimismus, Melancholie, Depression, alle haben auch ihren Sinn. Und es ist erst mal wichtig, dass du anerkennst, ja, da ist ein Sinn dahinter und es ist gut. Heute will ich mal sprechen über den Sinn einer Depression, im Sinne einer Phase, die eine Niedrigenergiephase ist, sogar so weit, dass du unfähig bist, etwas anderes zu machen. Kann das einen Sinn haben, in eine Depression zu rutschen? Ich behaupte, ja.

Letztlich die Evolutionsforscher würden das ja auch sagen, denn egal, was der Mensch erlebt und egal, was der Mensch an Stimmungen hat, all das muss in irgendeinem Kontext einen Sinn haben. Gut, die Evolution sieht das meistens vom Standpunkt aus des Überlebens und der Entwicklung der Art. Ich stamme mehr aus einer spirituellen Richtung, wo es darum geht, Erfahrungen zu sammeln, Persönlichkeit zu entwickeln und in diesem Sinn kann eine Depression auch eine wichtige Funktion haben. Es gibt zwei Autoren, die ich dazu zitieren werde. Auf den einen werde ich heute etwas mehr eingehen, wobei ich sagen muss, ich gehe nur vom Ansatzpunkt dort ein, ich werde jetzt nicht genauer die Autoren verfolgen. Der eine Autor Rüdiger Dahlke und die zweite ist Verena Kast. Rüdiger Dahlke spricht davon, dass Depression der Zwang ist, in die Gegenwart zu kommen. Durch eine Depression ist der Mensch nicht mehr in der Lage, an die Vergangenheit und Zukunft zu denken, er ist gezwungen, in der Gegenwart zu sein. Verena Kast spricht davon, dass Depression eine Art Auszeit ist, wie eine Art Schwangerschaft, ein Ausbrechen aus dem Alltag, damit etwas Neues ausgebrütet werden kann. Hier ein paar Worte über den ersten Ansatz:

Die Depression zwingt einen, in die Gegenwart zu kommen und das ist gut. Jemand, der in einer Depression ist, vor allem wenn es mehr als nur eine kleine depressive Stimmung ist, ist nicht mehr in der Lage, an die Zukunft zu denken. Schon ein paar Wochen oder Monate in die Zukunft zu schauen, ist unglaublich bedrückend, geht gar nicht. Manche können noch nicht mal den Tag weiter planen. Es ist einfach keine Energie dafür da. Und zu überlegen, „wie bin ich dort in die Depression hineingekommen“, ist auch manchmal kaum möglich. Und irgendwo zu überlegen, „was war irgendwo“, ist auch schwierig. Jemand in der Depression kann auch nicht mehr sich um andere Menschen kümmern, er kann nicht mehr überlegen: „Was sind meine Aufgaben?“ Jemand, der in einer Depression ist, ist gezwungen, vollständig im Hier und Jetzt zu sein und was jetzt hier möglich ist. Nicht, was sollte möglich sein, nicht, „was müsste ich tun“, „was soll eigentlich sein“. Jemand, der in einer Depression ist, der muss einfach alles, was er gelernt hat, irgendwo vorübergehend mal loslassen. Er muss sagen: „Ja, ok, alles, was ich sollte, geht nicht. Alles, was mir gesagt wurde, was ich tun sollte, geht nicht.“ Und dann kann er überlegen: „Was ist jetzt möglich?“ Auch nicht überlegen: „Wie kann ich jetzt für die Zukunft planen?“ In einer bestimmten Phase der Depression ist das auch nicht möglich. Und so kannst du selbst überlegen, falls du in einer solchen Depression bist und falls du selbst jemanden kennst, der in einer Depression ist, was ist jetzt möglich? Bewusst loslassen, „für die jetzige Phase vergesse ich die Vergangenheit, vergesse die Zukunft. Ich vergesse die Vergangenheit in dem Sinne, ich vergesse alles, was ich machen sollte. Ich vergesse alles, was mir gesagt wurde. Ich schaue jetzt, was ist jetzt möglich.“ Und auch nicht überlegen, „oh, was passiert alles in der Zukunft“, denn da ist jetzt auch nichts möglich. Jetzt ist da, und in diesem Moment, jetzt, ist vielleicht der Atem da. In diesem Moment, jetzt, ist es vielleicht möglich, ein paar Schritte zu gehen. In diesem Moment, jetzt, ist es vielleicht möglich, ein paar Sachen anzuschauen. In diesem Moment, jetzt, ist es möglich, ein gewisses Vertrauen zu haben. Jetzt, in diesem Moment, ist einiges möglich.

Daher, falls du in der Depression bist oder jemanden kennst, der in der Depression ist, überlege, ist jetzt die Phase da, wo du das bedingungslose in die Gegenwart Kommen übst, das zu tun, was jetzt möglich ist, das zu genießen, was jetzt möglich ist und eventuell auch den Weltenschmerz und das schlechte Gewissen und die Gedanken auch bewusst anschauen. Du kannst sie ja nicht verdrängen, aber du kannst sie anschauen. Vielleicht gelingt es dir sogar ein bisschen Abstand dort zu bekommen. Das ist ja auch das ganze Thema „Achtsamkeit und Achtsamkeitsmeditation“, das sich durchaus bei der Behandlung von depressiven Verstimmungen als hilfreich erwiesen hat. Also auch, wenn du hilflos deinen Stimmungen und deinen Gedanken und Phantasien usw. ausgeliefert bist, auch da kannst du in der Gegenwart sein. Du kannst vielleicht nichts ändern, beobachte es. Gehe davon aus, konfrontiert zu werden mit dieser Schattenseite von dir, dass ist das, was jetzt in der Gegenwart ist. Und wenn du es nicht ändern kannst, dann nimm es an. Gehe davon aus, was jetzt in der Gegenwart möglich ist, das ist jetzt gut. Jetzt atmen, jetzt schauen, jetzt spüren, jetzt dir deiner Gedanken bewusst zu sein, jetzt dir deiner Schattenseiten zu sein, jetzt dir deiner Stimmungen bewusst zu sein, vielleicht ist das der Sinn deiner Depression. Und wenn du das zulässt, dann kann es sein, dass bald Kräfte in dir kommen, die dich zur Änderung bringen. Du brauchst es jetzt nicht selbst in die Wege zu leiten, du kannst es geschehen lassen.


Das waren jetzt ein paar Ratschläge, die für eine bestimmte Phase der Depression hilfreich sind. Aber für jede Phase der Depression kann es auch hilfreich sein, auch für Niedergeschlagenheit usw., in der Gegenwart zu sein, bewusst die Gegenwart wahrzunehmen, bewusst sowohl den Atem wahrzunehmen, bewusst die Gegend wahrzunehmen. Und das kannst du jetzt zum Abschluss ein paar Momente machen. Spüre den Atem. Spüre, wie der Bauch hinausgeht beim Einatmen, hineingeht beim Ausatmen. Spüre, wie beim Einatmen die Nasendurchgänge kühl werden, beim Ausatmen warm. Einatmen, Nasendurchgänge kühl, ausatmen, Nasendurchgänge warm. Spüre Bewegung des Bauches und spüre den Unterschied der Empfindung im Herzen während du ein- und ausatmest. Spüre den Temperaturunterschied in der Nase beim Ein- und Ausatmen.


Das will ich beim nächsten Mal noch etwas ausbauen, eine einfache Achtsamkeitsübung, um in die Gegenwart zu kommen, hilfreich nicht nur in depressiven Phasen.


Das war es für heute. Mehr beim nächsten Mal, mehr zum Thema auch im Ratgeber Depression findest unter www.beratung-depression.de oder im Depressions-Blog, depression108.wordpress.com.
Alles Gute!

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Tags: Depression, Melancholie, Sinn einer Depression, podcast

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