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Hallo und herzlich willkommen zu den Yoga Vidya täglichen Inspirationen! Heute lese ich etwas aus der Bhagavad Gita, dem Zwiegespräch zwischen Krishna, dem Lehrer und Arjuna, dem Schüler. Krishna spricht im 17. Kapitel über die drei Gunas, Sattwa, Rajas und Tamas. Tamas ist das Dunkle, das Verhüllende, das uns in die Unwissenheit bringt. Rajas ist das, was uns in die Unruhe bringt, in den Ehrgeiz, in die Gier und die egogetriebene Aktivität. Sattwa ist das, was in uns allen ist als Liebe, als Freude, als Gleichmut, als Verbindung mit einer höheren Kraft, einer höheren Energie. Im 5. Vers des 17. Kapitels sagt Krishna:

„Menschen, die schreckliche, von den Schriften nicht gebotene Askesen üben, die der Heuchelei und dem Egoismus unterliegen und getrieben sind von Gier und Verhaftung, ohne Verstand quält er alle Elemente des Körpers und auch mich, der ich im Körper wohne. Wisse, dass dies aus dämonischen, also auch tamasigen Vorsätzen stammt.“

Im Namen von Spiritualität machen Menschen alles mögliche Eigenartige. Zu Anfang des Kapitels hatte Arjuna gefragt: „Es gibt verschiedene Menschen, die sich auf dem spirituellen Weg befinden. Sind die alle sattwig oder sind die auch rajasig und tamasig?“ Krishna gibt darauf im Wesentlichen die Antwort, dass, auch spirituelle Praxis sattwig, rajasig und tamasig sein kann. Darum ist es für spirituelle Aspiranten wichtig, auf der Hut zu sein.
Es gibt Menschen, die quälen sich selbst auf ihrem spirituellen Weg. Krishna sagt dazu: „Er quält alle Elemente des Körpers und auch mich, der ich im Körper wohne.“ Der Körper gilt als Tempel der Seele. Es ist glücklicherweise heute etwas aus der Mode gekommen, seinen Körper im Namen von spiritueller Entwicklung zu quälen, aber diese Neigung gibt es immer noch in allen Teilen der Welt, auch in Indien. Im Christentum gab es das genauso und im Islam. Viele denken, damit kommt man zur spirituellen Entwicklung. Das Yoga sagt das Gegenteil: was auch immer wir tun für unsere spirituelle Entwicklung, es muss auch irgendwie gut für den Körper und für die Psyche sein. Zwar ist nicht alles, was für den Körper gut ist, automatisch auch für die spirituelle Entwicklung gut, aber was im ganzheitlichen Yoga für die spirituelle Entwicklung gut ist, das ist auch gut für den physischen Körper. Wir sollten es mit dem Fasten nicht übertreiben. Wir müssen bei den Asanas achten, dass sie für den Körper gut ist. Manchmal muss man schauen, wenn irgendwelche karmischen Dinge im Körper sich manifestieren, dass man seine Praxis von Asanas und Pranayama daran anpasst. Der Körper ist nicht unsere wahre Natur, aber der Körper ist etwas, worum wir uns kümmern sollen.

Eine tamasige Form von spiritueller Praxis ist Heuchelei. Also zu behaupten, Dinge zu tun, die man nicht tut. Man kann sagen: „Ich meditiere jeden Tag eine Stunde.“ und in Wahrheit meditiert man nur zehn Minuten. Oder man spricht davon, dass man ständig in Gottesnähe ist und in Wahrheit sitzt man nur da und wiederholt sein Mantra und beobachtet alle möglichen Gedanken, die parallel ablaufen. Wir sollten nichts vorgeben, was wir nicht sind, Wahrhaftigkeit hier. Es gibt darum durchaus gute Gründe, weshalb man seine Praxis eher für sich allein behält. Auf jeden Fall sollten wir nicht heucheln. Dann „Egoismus unterliegen“. Wir können auch mit großem Ego praktizieren und sagen: „Ich praktiziere mehr als du. Und ich will länger auf dem Kopf stehen als alle anderen.“

Das ist zwar nicht tamasig, aber rajasig. Manchmal müssen wir auch feststellen, dass unser Körper nur das und das machen kann. Angenommen, man stellt fest: „Mit tut eine bestimmte Asana nicht gut.“ Die Gier sagt aber: „Ich will die aber machen. Die habe ich zwei Jahre lang gemacht und die hat mir gut getan.“ Dann ist es wichtig, loszulassen. Die Praxis, die heute geht, ist vielleicht nicht die Praxis, die morgen geht. Vielleicht haben wir auch eine ganze Weile sehr sanft geübt und jetzt ist die Zeit gekommen, um ein bisschen intensiver zu üben. Manche sind dann verhaftet an die Art ihrer bisherigen Praxis. Es gibt auch eine sattwige Verhaftung, nämlich die, seine Praktiken täglich zu machen, was auch immer äußerlich geschieht. Die Praxis so anzupassen, wie es die Umstände erfordern, aber in jedem Fall täglich zu meditieren, das ist vielleicht auch eine Verhaftung, aber eine sattwige, die wichtig ist.

Swami Sivananda hat gerne gesungen: „Adapt, adjust, accommodate. Sei flexibel, stelle deine Praxis ein. Passe sie deinen Umständen an.“ Diese Art von sattwiger Praxis und sattwiger Anpassung ist wichtig. Und hier sagt er auch noch: „ohne Verstand“. Swami Sivananda hat immer gesagt, wir brauchen einen gesunden Menschenverstand. Shri Kartikeyan hat kürzlich gesagt, was er oft in Yogakreisen vermisst, ist der gesunde Menschenverstand. Und er sagt, das sollten Yogis immer wieder nutzen, ihren common sense, ihre Vernunft. Wenn wir mit gesundem Menschenverstand üben, wenn wir dabei unseren Körper als Tempel der Seele achten, wenn wir wahrhaftig sind, nicht aus Egoismus und Gier handeln, flexibel reagieren, je nachdem, was unser Karma, was unser Lebenslauf, was unsere Umstände erlauben, dann sind wir auf einem guten Weg und können auf gute Weise voranschreiten.

Hari Om Tat Sat

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Tags: ajuna, bhagavad, egoismus, gita, inspirationen, krishna, praktizieren, richtig, sukadev, tägliche

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